Jemen: Rebellen reklamieren Kontrolle über Provinz

Jemen
Rebellen reklamieren Kontrolle über Provinz

Die schiitischen Rebellen kontrollieren offenbar die nördliche Provinz Saada. Das Regime von Präsident Ali Abdullah Salih ist schwer angeschlagen.
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SanaaDie schiitischen Houthi-Rebellen im Norden des Jemen haben nach ihren Angaben die nördliche Provinz Saada unter ihre Kontrolle gebracht.

Die Aufständischen erklärten die Provinz für „unabhängig“ von der Regierung in Sanaa und ernannten einen eigenen Gouverneur, berichtete die Internet-Seite „yemenpost.net“ am Sonntag. Scheich Fares Manaa, der neue Gouverneur, war in der Vergangenheit von den Behörden im Jemen beschuldigt worden, den Waffennachschub für die Houthi-Rebellen zu organisieren.

Die Regierung in Sanaa äußerte sich nicht zum angeblichen Verlust der Kontrolle über Saada. Das Regime ist durch die Massenproteste der letzten Wochen gegen Präsident Ali Abdullah Salih schwer angeschlagen. So war der Gouverneur von Saada, Taha Hadscher, bereits vor mehreren Tagen aus der Provinzhauptstadt nach Sanaa geflohen. Auch soll sich nach Medienberichten die jemenitische Armee aus der Provinz völlig zurückgezogen und ihre Waffen an die Houthi-Rebellen übergeben haben.

Präsident Salih hatte sich am Samstag bereiterklärt, die Macht unter bestimmten Bedingungen abzugeben. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass eine dritte Partei im Konflikt zwischen ihm und seinen Gegnern vermittele, sagte er dem Nachrichtensender Al-Arabija.
Diese Aufgabe könne das Nachbarland Saudi-Arabien übernehmen, alle arabischen Golfstaaten zusammen oder die Europäer, fügte er hinzu.

Das Herrscherhaus von Saudi-Arabien ist zwar besorgt über die Lage im Jemen und hat Präsident Salih seit der Eskalation der Proteste vergangene Woche die kalte Schulter gezeigt. Einen möglichen Interimspräsidenten für den Jemen, der ein Abgleiten ins völlige Chaos verhindern könne, hätten sie jedoch bislang noch nicht gefunden, hieß es in Riad.

Salih, der in Sanaa seit 1978 an der Macht ist, erklärte in dem Interview weiter, er wolle einen „respektvollen Machtwechsel“. Der Präsident warnte gleichzeitig vor einem Zerfall des Landes, das zu einem zweiten Somalia werden könne. Experten, die von dem Sender anschließend zu dem Interview befragt wurden, erklärten, die Aussagen Salihs über die Lage im Jemen kämen einer Bankrotterklärung gleich. „Wer hat das Land denn in diese Situation gebracht, wenn nicht der Mann, der es seit mehr als drei Jahrzehnten regiert?“, fragte einer von ihnen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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