Jeroen Dijsselbloem
Der Euro-Erschütterer

Als Euro-Gruppen-Chef hat sich Jeroen Dijsselbloem bisher nicht mit Ruhm bekleckert. In der Zypern-Frage unterliefen ihm schon zwei schwere Patzer. War es ein Fehler, den unerfahrenen Niederländer zum Mr. Euro zu machen?
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BerlinKeine Frage: In diesen unsicheren Euro-Zeiten ist ein verlässliches Krisenmanagement gefragt – insbesondere von der Euro-Gruppe. Dort sind die Länder vertreten, deren gemeinsame Währung der Euro ist. Im Kampf gegen die Schuldenkrise ist das Gremium zur wichtigsten Schaltstelle der Währungszone geworden. Was dort besprochen und entschieden wird, hat großes Gewicht und kann, wenn es falsch kommuniziert wird, für große Verunsicherung an den Märkten sorgen.

Ausgerechnet dem Chef der Euro-Gruppe, Jeroen Dijsselbloem, ist genau das unterlaufen: In einem Interview mit Reuters und der „Financial Times“ bezeichnete er die Rettung Zyperns als „Blaupause“ für andere Länder. Kämen Banken künftig ins Trudeln, sei die Hilfe der Euro-Partner nicht automatisch garantiert.

Die europäischen Börsen regierten prompt auf die Drohung: Die Indizes rutschten ins Minus, nachdem sie in Folge der Zypern-Rettung noch Gewinne verzeichnet hatten. Dass Dijsselbloem später, nachdem die Kurse abgestürzt waren, zurückruderte, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil: Der Niederländer begründete seinen Fauxpas gar damit, dass ihm das englische Wort für Blaupause nicht geläufig sei und er deshalb falsch zitiert wurde. „Das englische Wort template kannte ich noch nicht einmal“, sagte er im niederländischen Fernsehen.

Dijsselbloems Entschuldigung ist nur schwer nachvollziehbar, zumal er gegenüber Reuters seine Position unmissverständlich ausführte und er damit, auch ohne das spezielle englische Wort zu kennen, keine Zweifel daran ließ, was Krisenbanken in anderen Euro-Staaten blühen kann, wenn sie nicht selbst ihre Probleme angehen.

Befragt nach möglichen Folgen für Luxemburg oder Malta, deren Bankensektoren ebenfalls extrem groß sind, sagte der Chef der Euro-Gruppe, der auch niederländischer Finanzminister ist: „Das bedeutet: Klärt das, bevor es zu Schwierigkeiten kommt. Stärkt Eure Banken, repariert die Bilanzen und seid Euch im Klaren darüber, wenn Banken in Probleme geraten, kommen wir nicht automatisch, um sie zu lösen.“ Krisenbanken müssten damit ebenso wie ihre Heimatländer damit rechnen, in Zukunft „zurückgestoßen“ zu werden. „Ihr müsst Euch damit beschäftigen“, wandte sich Dijsselbloem an Partnerstaaten in der Euro-Zone. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte dagegen stets betont, Zypern sei ein Einzelfall.

Später, als die Märkte längst Wind von den leichtfertigen Aussagen Dijsselbloems bekommen hatten, schob der Niederländer eine knappe Mitteilung nach: „Zypern ist ein besonderer Fall mit außergewöhnlichen Herausforderungen“, heißt es darin. Und: „Makroökonomische Anpassungsprogramme sind für die betroffenen Länder maßgeschneidert und es werden keine Modelle oder Vorlagen genutzt.“ Experten überzeugte das wenig. Für sie ist mit Dijsselbloems ersten Aussagen die „Büchse der Pandora“ weiter geöffnet worden.

Kommentare zu " Jeroen Dijsselbloem: Der Euro-Erschütterer"

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  • Die Beteiligung von Eigentümern, Anleihegläubigern und Sparern (genau in dieser Reihenfolge) muss die Blaupause für Bankenschieflagen sein. Spareinlagen kleiner €100,000 können über staatliche Unterstützung ausgenommen werden. Dijsselbloem hat Recht mit seiner Aussage, daran gibt es nichts zu rütteln, auch wenn die Märkte dadurch etwas Achterbahn fahren. Nur bei klarer Zuordnung von Chance und Risiko mit entsprechender Haftung, kann ein nachhaltig tragbares Bankensystem geschaffen werden. Für die Politik bedeutet dies aber auch, dass die Staatschuldenparty vorbei sein muss. Dass Banken kein Eigenkapital für Staatsanleihen hinterlegen müssen, ist nicht tragbar (eigentlich ein Subventionierung von Staatsanleihen und setzt falsche Anreize). Auch politisch motivierten und kreditfinanzierten Immobilienbooms (wie in Spanien, Irland, England) muss von der Bankenaufsicht ein Riegel vorgeschoben werden. Dies ist nun mal kein nachhaltiger Treiber für Wirtschaftswachstum. Insgesamt muss die EU ihr Banksystem schrumpfen. Dieses beträgt heute ca. 350% des EU-BIP, im Vergleich die USA nur ca. 120%.

  • Liebes Handelsblatt & Co., was regt Ihr Euch so auf? Endlich sagt mal ein Eurogruppenchef die Wahrheit und agiert ordnungspolitisch korrekt (womit nun wirklich niemand rechnen konnte). Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Wo bitteschön ist das Problem? Gehts noch?


  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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