Jeroen Dijsselbloem: Euro-Gruppenchef droht Griechenland mit Hilfsstopp

Jeroen Dijsselbloem
Euro-Gruppenchef droht Griechenland mit Hilfsstopp

Im Vorfeld der Parlamentswahl hat Euro-Gruppenchef Dijsselbloem indirekt der neuen Regierung gedroht. Wer Geld haben möchte, solle sich auch an die Regeln halten. Kanzlerin Merkel bleibt indes gelassen, wer gewinnt.
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BerlinEuro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem hat Griechenland kurz vor den Parlamentswahlen am Wochenende indirekt mit einem Stopp der Finanzhilfen gedroht. „Wer Unterstützung braucht, um seine Wirtschaft und seine öffentlichen Ausgaben zu finanzieren, der muss sich auch an Bedingungen halten“, sagte der niederländische Politiker „Spiegel Online“ am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Wenn alle führenden Politiker des Landes beteuerten, das Land in der Euro-Zone halten zu wollen, dann bedeute das auch, „dass man die Regeln und Vereinbarungen akzeptiert“. Einfach nur nach Krediten zu fragen, ohne irgendwelche Bedingungen zu erfüllen, das werde nicht funktionieren, warnte er. Jede neue griechische Regierung werde Hilfen der Euro-Zone benötigen.

Wegen Meinungsverschiedenheiten über die Erfüllung von Reformzusagen haben die Euro-Partner und der Internationale Währungsfonds die Auszahlung von Milliarden-Hilfen aus dem aktuellen Griechenland-Hilfsprogramm vorerst gestoppt. Die linkspopulistische Syriza-Partei in Griechenland, die derzeit bei den Wählerumfragen klar führt, hat wiederholt angekündigt, sie wolle vom Sparkurs im Lande abrücken und mit den Geldgebern über die Schulden des Landes und deren Bedienung neu verhandeln.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich mit Blick auf einen möglichen Wahlsieg des Linksbündnisses gelassen. Die Griechen würden frei und unabhängig ihren Weg bestimmen. Sie sei „sicher“, dass im Anschluss in Ruhe Lösungen gefunden würden, sagte Merkel nach Gesprächen mit dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi am Freitag in Florenz. Es sei ihr Wunsch, dass Griechenland Teil der gemeinsamen Geschichte bleibe.

Berichte, wonach Berlin einem möglichen Euro-Austritt Athens in Kauf nehmen könnte, sollte Syriza nach einem Wahlsieg den Sparkurs aufkündigen, hatten in den vergangenen Wochen für Aufregung in der EU und an den Märkten gesorgt. Im Herzen der gemeinsamen Prinzipien liege die Solidarität, sagte die Kanzlerin am Freitag lediglich. Sie sei nicht darüber beunruhigt, wie die Wahl ausgehe. Dem pflichtete auch Renzi bei. „Wer auch immer der Sieger sein wird, wir werden mit Gelassenheit und Respekt mit dem neuen Ministerpräsidenten zusammenarbeiten“.

In seiner letzten Wahlkampfkundgebung am Donnerstagabend in Athen hatte Tsipras seine Ziele bekräftigt und seine Landsleute auf „schwere Zusammenstöße“ vorbereitet. „Wir werden in keinem Fall die Vertreter von Frau Merkels Standpunkten akzeptieren“, sagte er vor tausenden Anhängern. Eine von ihm geführte Regierung habe nicht die Absicht, „mit den Abgesandten der Gläubigertroika gemeinsame Sache zu machen“. Die Sparauflagen sind aus seiner Sicht für die wirtschaftliche Krise und das Elend vieler Griechen verantwortlich.

Syriza liegt in Umfragen gut sechs Prozentpunkte vor der noch regierenden Nea Dimokratia. Allerdings wird das linkspopulistische Bündnis vermutlich einen Koalitionspartner finden müssen, um eine Regierung bilden zu können.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Jeroen Dijsselbloem: Euro-Gruppenchef droht Griechenland mit Hilfsstopp"

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  • Keine Angst, Ihr Griechen!

    Egal, wie die Wahl ausgeht, MUTTI schickt auf alle Fälle den Scheck und spannt den Rettungsschirm auf...!

  • Carsten Kanthr
    da hat Henkel zwar irgendwie Recht, abr ich gehe noch einen Schritt weitr. Wir müssen alle zurück zu unsren nationalen Währungen, vorher wird es keine Ruhe geben

  • Frau Bollmohr
    klae Ansagen können Sie von keinem aus der EU ewarten.
    Sobald jemand nach Büssel geht, schein er sein Gehirn morgens an der Garderobe abzugeben

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