Jerusalem-Entscheidung Wut der Muslime auf Trump kocht weiter

Die Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump sorgt weiter für gewaltsame Proteste in der muslimischen Welt. Die Arabische Liga rückt zusammen, der türkische Präsident Erdogan nennt Israel einen „Terrorstaat“.
Update: 10.12.2017 - 22:31 Uhr 2 Kommentare
Jerusalem-Entscheidung: Wut der Muslime auf Trump kocht weiter Quelle: Reuters
Proteste nahe der US-Botschaft in Beirut

Protestierende warfen am Sonntag Steine und verbrannten Müll. Ernsthafte Zusammenstöße mit dem Großaufgebot der Polizei gab es Augenzeugen zufolge zunächst nicht.

(Foto: Reuters)

Jerusalem, Istanbul, Berlin, Paris, West Palm BeachDie Proteste in der muslimischen Welt gegen die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zur Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt ebben nicht ab. Unweit der US-Botschaft in der libanesischen Hauptstadt Beirut kam es zu Demonstrationen und vereinzelter Gewalt. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Wasserwerfer gegen Protestierende ein, die vor der diplomatischen Vertretung aufziehen wollten. Diese warfen Steine und verbrannten Müll, wie libanesische Medien berichteten.

Ernsthafte Zusammenstöße gab es Augenzeugen zufolge zunächst nicht. Der TV-Sender LBC berichtete, die Sicherheitskräfte hätten alle Straßen, die zur Botschaft führten, abgesperrt. Das Gebäude gilt als gut geschützt. Der Zeitung „Annahar“ zufolge wurden rund einen Kilometer von der Botschaft entfernt auch Barrieren aus Stacheldraht aufgestellt, um die Demonstranten auf Distanz zu halten. Diese skandierten „Amerika ist der Kopf des Terrors“ oder „Gott segne Jerusalem“.

Im Libanon leben mehr als 400.000 palästinensische Flüchtlinge. Auch linke Gruppen in dem Land hatten zu Protesten aufgerufen. Der Libanon erkennt das Nachbarland Israel nicht an. 2006 kam es zum Libanonkrieg zwischen der einflussreichen libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah und Israel.

Die Proteste der Palästinenser im besetzten Westjordanland und im Gazastreifen flauten dagegen am Sonntag ab. „Unsere Hoffnung ist, dass sich alles beruhigt und dass wir zum normalen Leben zurückkehren – ohne Krawalle und ohne Gewalt“, sagte Verteidigungsminister Avigdor Lieberman im Armee-Rundfunk. Zuvor hatte es bei den Protesten Tote und Verletzte gegeben. Palästinensische Extremisten feuerten vom Gazastreifen aus Raketen auf Israel ab. Das israelische Militär reagierte mit Vergeltungsschlägen, bei denen nach Angaben der radikalen Hamas zwei ihrer Mitglieder getötet wurden.

Bei einer Messer-Attacke in Jerusalem wurde am Sonntag ein Israeli schwer verletzt. Ein Polizeisprecher teilte mit, es handele sich um einen Anschlag am zentralen Busbahnhof. Der offenbar palästinensische Attentäter sei außer Gefecht gesetzt worden. Nach israelischen Medienberichten handelte es sich bei dem Opfer um einen Wachmann. Er habe eine Stichverletzung am Oberkörper erlitten, teilte der Rettungsdienst Magen David Adom mit.

Verteidigungsminister Lieberman forderte einen Boykott arabischer Geschäfte in Orten, in denen Bewohner gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt von Israel durch US-Präsident Trump demonstriert haben. Die Araber von Wadi Ara im Norden Israels seien „nicht Teil von uns“ und jüdische Israelis sollten ihre Dörfer nicht mehr besuchen und ihre Produkte nicht mehr kaufen, sagte Lieberman am Sonntag.

In Indonesiens Hauptstadt Jakarta demonstrierten am Sonntag Tausende Menschen vor der US-Botschaft. Auf Spruchbändern war zu lesen: „Palästina ist in unseren Herzen.“ Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung. Der Vorsitzende der dortigen islamistischen Oppositionspartei, Sohibul Iman, erklärte, Indonesien trage große Verantwortung für die Palästinenser und müsse sich auf allen Ebenen für einen unabhängigen Staat einsetzen. Seine Partei hatte zu der Demonstration in Jakarta aufgerufen.

Ob der Beschluss Trumps wirtschaftliche Auswirkungen haben könnte, war zunächst nicht abzusehen. Im muslimisch geprägten Malaysia wurden aber über die Internet-Netzwerke Boykott-Aufrufe gegen US-Konzerne verbreitet. Das malaysische McDonald's-Franchise-Unternehmen Gerbang wies Kommentare als falsch zurück, finanzielle Mittel nach Israel zu leiten. Zudem sei Gerbangs größter Aktionär Muslim, erklärte die Firma.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Netanjahu wirft Europa Doppelmoral vor
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Jerusalem-Entscheidung - Wut der Muslime auf Trump kocht weiter

2 Kommentare zu "Jerusalem-Entscheidung: Wut der Muslime auf Trump kocht weiter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • „Gott segne Jerusalem“


    Ja, als ungeteilte israelische Hauptstadt. Lang lebe Israel!

  • Da hat Mr. President ordentlich in das muselmanische Wespennest gestochen. Ein Wort nicht nach Geschmack dieser koranösen Leute und schon werden die Messer gewetzt, und zum Angriff auf alles "Ungläubige" geblasen, wie man auch an den antisemitischen Ausschreitungen in Berlin sehen konnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%