Jibril Rajoub
Schillernder Drahtzieher der Fatah

Während der ersten Intifada attackierte er noch israelische Soldaten, dann wandelte sich Jibril Rajoub zum pragmatischen Politiker. Nun will er sich in das Zentralkomitee der Fatah wählen lassen. Er gilt als gut vernetzter Drahtzieher der Aktionen gegen die Hamas in der Westbank.

Er gehört nicht nur zu den einflussreichsten palästinensischen Persönlichkeiten, sondern auch zu den schillerndsten. Nachdem er während der ersten Intifada wegen Attacken auf israelische Soldaten ins Gefängnis musste, wandelte er sich in den 90er-Jahren zum pragmatischen Politiker.

In dieser Woche will sich Jibril Rajoub in das Zentralkomitee der Fatah wählen lassen – und zeigt sich dafür wieder als Hardliner. Die Fatah werde nie die Option des bewaffneten Kampfes aufgeben, sagte der 58-Jährige gestern in Bethlehem. Dort treffen sich in dieser Woche mehrere hundert Fatah-Aktivisten, um erstmals seit zwei Jahrzehnten die Führungsriege neu zu bestimmen.

Auch wenn er heute offiziell kein wichtiges Amt in der Exekutive bekleidet: In Sicherheitsfragen spielt Rajoub auf der Westbank eine Schlüsselrolle. Er gilt als Drahtzieher, wenn Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas gegen die Hamas in der Westbank vorgeht. Rajoub koordiniert im Auftrag von Abbas auch Sicherheitsfragen mit Jordanien und Ägypten.

Denn im Grunde genommen ist der Schnauzbartträger überzeugt, dass die Strategien der Radikal-Islamisten nicht zum Ziel führen. Schon Jassir Arafat hatte ihn deshalb damit beauftragt, gegen die Hamas vorzugehen und in militärischen Fragen mit Israel zu kooperieren.

Als Chef der Preventive Security war Rajoub in den frühen 90er-Jahren der erste Palästinenser, der Hamas-Aktivisten, die neue Selbstmordangriffe auf israelische Ziele vorbereiteten, verhaften ließ. In der Westbank machte er aus der Preventive Security die schlagkräftigste Truppe im Kampf gegen die Radikal-Islamisten. Deshalb ist er in der Westbank zwar einflussreich, aber bei der Bevölkerung Westbank gefürchtet.

Gleichzeitig baute Rajoub gute Kontakte zu Agenten der amerikanischen CIA und israelischen Geheimdienstlern auf. Bis vor kurzem verfügte er stets auch über einen offenen Kanal zu Politikern in Jerusalem. Deshalb besteht bei vielen Palästinensern der Verdacht, Rajoub kollaboriere mit Israel. An diesem zweifelhaften Ruf könnte sein ehrgeiziges Ziel scheitern, eines Tages Präsident der Palästinenser zu werden.

Anderseits hat er zu führenden palästinensischen Figuren einen guten Draht. Hohes Ansehen genießt er vor allem bei den Polizeikräften; in der Fatah steht ein harter Kern ranghoher Offiziere zu ihm.

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