Job-Affäre: Fillon geht in die Offensive

Job-Affäre
Fillon geht in die Offensive

Der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon wehrt sich gegen Vorwürfe, wonach seine Frau eine Scheinbeschäftigung im Parlament hatte. Er droht nun mit Klagen - seine Zustimmungswerte sinken.
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ParisIn der „Parlamentsjob“-Affäre verschärft der französische Präsidentschaftskandidat François Fillon den Ton. Wer seine Frau angreifen wolle, der werde sich mit ihm selbst auseinandersetzen müssen, sagte Fillon am Donnerstagabend dem TV-Sender TF1. Zeitungen, die behaupteten, seine Frau habe eine fiktive Beschäftigung gehabt, drohte der Konservative mit einer Klage.

Die Wochenzeitung „Le Canard Enchaîné“ hatte am Mittwoch enthüllt, dass Fillon als Abgeordneter seine Frau jahrelang als parlamentarische Mitarbeiterin beschäftigt hatte. Der Ex-Premier war wegen der Anstellung seiner Frau sehr rasch ins Visier des Justiz geraten. Die Ermittler prüfen in Vorermittlungen den Vorwurf der Scheinbeschäftigung.

Fillon bestätigte, dass seine Frau als Parlamentsmitarbeiterin gearbeitet habe. Es habe sich um eine wirkliche Beschäftigung gehandelt. „Meine Frau ist außergewöhnlich“, sagte der Ex-Premier. „Sie können sich nicht vorstellen, wie sie leidet, dass man denken könnte, sie hätte sich nicht an die Regeln gehalten.“

Fillon fügte hinzu: „Als ich mich für die Präsidentenwahl bewarb, wusste ich, dass ich mit allen möglichen Verleumdungen konfrontiert werden würde - aber nicht mit der, dass meine Frau angegriffen wird, um mich zu treffen.“ Falls die Justiz ein Verfahren gegen ihn eröffnen solte, wäre dies allerdings ein Grund, nicht mehr Kandidat zu sein. Der Anwalt Fillons übergab laut Nachrichtenagentur AFP Ermittlern der Finanz-Staatsanwaltschaft Dokumente. Antonin Levy bestätigte demnach, die Ermittler getroffen und ihnen die Unterlagen überreicht zu haben.

Fillon sagte, seine Frau sei seit 1997 beschäftigt gewesen. Grundsätzlich ist es französischen Abgeordneten erlaubt, Familienangehörige zu beschäftigen, solange diese tatsächlich arbeiten. Fillon hatte bereits erklärt, die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Der 62-Jährige gilt als Favorit für die Präsidentenwahl in rund drei Monaten. Er ist seit seiner Wahl zum Spitzenkandidaten Ende vergangenen Jahres der starke Mann der bürgerlichen Rechten. Im Rennen für den Élyséepalast ist Marine Le Pen, die Chefin der rechtsextremen Front National (FN), seine Hauptkonkurrentin.

Derweil musste der französische Präsidentschaftskandidat deutlich an Beliebtheit einbüßen. In einer am Freitag veröffentlichten Umfrage des Instituts Odoxa kommt der Wahlfavorit nur noch auf 38 Prozent Zustimmung. Das seien vier Prozentpunkte weniger als bei einer Erhebung vom 8. Januar und 16 Punkte weniger als bei einer vergleichbaren Umfrage des Instituts Ifop-Fiducial Anfang November. Einen negativen Eindruck von Fillon haben der Odaxa-Erhebung zufolge inzwischen 61 Prozent. Die neue Umfrage wurde nach der Veröffentlichung eines Berichts der Zeitung „Le Canard Enchaine“ über die Betrugsvorwürfe erstellt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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