Jobs in den USA: Trump übt Druck auf Firmen aus

Jobs in den USA
Trump übt Druck auf Firmen aus

Trump hat US-Firmen mit „Konsequenzen“ gedroht, falls sie Jobs wegen niedriger Lohnkosten ins Ausland verlagern. Der gewählte US-Präsident ließ sich in Indianapolis feiern: Dort habe er angeblich 1000 Jobs gerettet.
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IndianapolisDer designierte US-Präsident Donald Trump will mit Druck die Verlagerung von Jobs ins Ausland unterbinden. Unternehmen würden die Vereinigten Staaten künftig nicht mehr verlassen, ohne dass dies „Konsequenzen“ für sie hätte, sagte Trump am Donnerstag. Er wolle den US-Firmen das Verlassen des Landes „sehr, sehr schwer“ machen.

Trump stieß die Drohung bei einem Besuch der Firma Carrier in Indianapolis im Bundesstaat Indiana aus. Er zelebrierte dort mit seinem Auftritt die Ankündigung des Herstellers von Klimaanlagen und Heizungen, auf einen Großteil seiner geplanten Stellenverlagerungen nach Mexiko zu verzichten.

Trump hatte nach eigener Schilderung persönlich bei Firmenchef Greg Hayes interveniert, um die Jobverlagerung zu verhindern - ein für einen gewählten oder amtierenden US-Präsidenten höchst außergewöhnliches Vorgehen.

Carrier gab dann am Dienstag bekannt, dass das Unternehmen rund tausend der für die Verlegung nach Mexiko vorgesehenen 1400 Jobs nun doch in den USA belassen werde. Ein entsprechendes Abkommen sei mit Trump getroffen worden.

Am Donnerstag teilte die Firma dann mit, dass Steuervergünstigungen ein Teil des Deals seien. Der Staat Indiana wird demnach dem Unternehmen über einen Zeitraum von zehn Jahren Steuern in Höhe von sieben Millionen Dollar (6,6 Millionen Euro) erlassen. Der künftige Vizepräsident Mike Pence ist bislang Gouverneur von Indiana.

Trump hatte bereits während des Wahlkampfs mit der Bestrafung von Firmen gedroht, die ihre Produktion wegen der deutlich geringeren Lohnkosten nach Asien oder Lateinamerika verlagern. Er nannte Strafzölle auf deren in die USA eingeführten Produkte als mögliche Maßnahme. Der Republikaner knöpfte sich während der Kampagne insbesondere Carrier vor und drohte der Firma mit Strafzöllen von 35 Prozent.

Der jetzt getroffene Deal mit dem Unternehmen löste aber nicht nur Lob und Jubel, sondern auch Kritik und Bedenken aus. Senator Bernie Sanders, der in den Vorwahlen der Demokraten um die Präsidentschaftskandidatur gegen Hillary Clinton unterlegen war, warf Trump vor, er habe sich von Carrier „zur Geisel nehmen lassen“.

In einem Beitrag für die „Washington Post“ schrieb Sanders von einem gefährlichen Präzedenzfall: Der designierte Präsident habe den Unternehmen signalisiert, dass sie nur mit Stellenverlagerungen in andere Länder drohen müssten, um in den Genuss von Steuererleichterungen zu gelangen.

Möglicherweise spielte bei dem Deal mit Carrier aber auch eine Rolle, dass die Firma zu United Technologies gehört. Der Mischkonzern macht rund zehn Prozent seines Jahresumsatzes von 56 Milliarden Dollar mit Verträgen mit dem US-Militär, ist also auf eine gute Zusammenarbeit mit der künftigen Regierung angewiesen.

Trump besuchte Carrier zum Beginn einer „Dankeschön“-Tour, bei der er Wähler in mehreren Staaten nach seinem Sieg über Clinton besuchen will.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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