John Kelly
Dieser Mann soll Disziplin ins Weiße Haus bringen

Wenn jemand Ordnung in Trumps Mannschaft bringen kann, dann wohl John Kelly – ein altgedienter General, der sich schon mehrfach dem Präsidenten Donald Trump widersetzt hat. Den Auftrag dazu hat er nun.
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Gleich am ersten Tag als Donald Trumps neuer Stabschef ließ John Kelly die Muskeln spielen. Der erst kürzlich berufene Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci geschasst, die zerrüttete Hierarchie im Westflügel des Weißen Hauses gekittet: Kelly, Ex-General, Ex-Heimatschutzminister und nun also oberster Büroleiter des US-Präsidenten, hat sich am Montag mit einem Peitschenhieb in der amerikanischen Machtzentrale angemeldet – ohne selbst großartig das Wort ergriffen zu haben.

Schaut man sich das Chaos im Westflügel des Weißen Hauses an, könnte Kelly ein Segen für die Trump-Regierung sein. Gerade auch, weil er im Gegensatz zu anderen im trumpschen Dunstkreis nicht ohne Weiteres vor dem Präsidenten kuscht.

Als Beispiel dafür dient ein hitziges Gespräch zwischen Kelly und Trump vor gut einem Monat. Durch die dicken Türen des Oval Office dringen Stimmen, nachdem sich der US-Präsident lauthals darüber beschwert, dass die USA Reisende aus Ländern wie Afghanistan, dem Iran und Haiti ins Land ließen. Kelly versucht ihm zu erklären, dass einige Leute rechtmäßige Gründe hätten, die USA zu besuchen. Trump besteht auf seinem Standpunkt und moniert einem Regierungsbeamten zufolge, dass ihn ein Festhalten an diesen Standards schlecht dastehen lasse.

Kelly fordert daraufhin ein Vieraugengespräch mit Trump - und dessen andere Berater auf, das Oval Office zu verlassen. Trump weist das zurück, gibt schließlich aber nach.

Kelly ist ein hochdekorierter Marinegeneral, der dreimal im Irak gedient hat. An diesem Tag im Oval Office zeigt er, dass er als Minister keine Scheu hat, seinem Oberbefehlshaber die Stirn zu bieten.

Auch seinem neuen Einsatzgebiet will er offenbar so schnell wie möglich seinen Stempel aufdrücken: Scaramucci raus aus dem chaotischen Westflügel der Regierungszentrale, Struktur rein. Von jetzt an, macht Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders klar, müssten alle hochrangigen Mitarbeiter des Weißen Hauses Kelly berichten – selbst einflussreiche Berater wie Präsidententochter Ivanka Trump, deren Ehemann Jared Kushner und Trumps Chefstratege Steve Bannon. Kelly werde „neue Struktur, Disziplin und Stärke“ ins Weiße Haus bringen, sagt Huckabee Sanders.

„Das trägt definitiv die Fingerabdrücke eines neuen Sheriffs in der Stadt“, sagt Blain Rethmeier, der Kelly durch den Bestätigungsprozess für seinen Posten als Heimatschutzminister geführt hat. Kelly erwarte von jedem in seinem Umfeld Respekt, respektiere im Gegenzug aber auch andere, sagt Rethmeier.

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Nach innen Kritik, nach außen Loyalität

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