John Taylor „Die Fed wird aussteigen müssen“

Die Finanzwelt feiert den Kurs der US-Notenbank. Doch nicht alle feiern mit. Der Ökonom John Taylor, möglicher Nachfolger von Fed-Chef Ben Bernanke, erklärt im Handelsblatt-Interview, warum der Fed-Kurs gefährlich ist.
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US-Wirtschaftsprofessor John Taylor ist nicht begeistert von der Geldpolitik der Fed. Quelle: Reuters

US-Wirtschaftsprofessor John Taylor ist nicht begeistert von der Geldpolitik der Fed.

(Foto: Reuters)

New YorkProfessor Taylor, was halten Sie von der Entscheidung der Federal Reserve, die US-Wirtschaft mit einer dritten Runde quantitativer Lockerung zu stimulieren?

Ich glaube, das war die falsche Entscheidung. Ich bin schon seit 2009 sehr skeptisch, was die quantitative Lockerung angeht. Die Fed hätte lieber Wege verkünden sollen, wie sie schrittweise aus diesen ungewöhnlichen Programmen aussteigen will. Stattdessen versucht sie, weiter zu stimulieren. Ich glaube, die Fed steuert in die falsche Richtung.

Wie riskant ist die Fed-Entscheidung?

Das ist wie eine Kosten-Nutzen-Analyse: Der Nutzen erscheint mir gering, vielleicht sogar vernachlässigbar. Risiken gibt es eine ganze Reihe: In Zeiten von quantitativer Lockerung sind die Entscheidungen der Fed unvorhersehbar. Niemand weiß, was als Nächstes kommt. Das schafft Unsicherheit und stellt die Wirtschaft vor zwei potenzielle Probleme: Zieht sich die Fed nicht schnell genug wieder zurück, riskiert sie Inflation. Kommt der Rückzug zu schnell, kann das dem Wirtschaftswachstum schaden. Außerdem ist die Fed ein sehr großer Spieler in den Märkten geworden. In den Geldmärkten läuft ohne die Fed gar nichts mehr. Ich glaube, dass das nicht hilfreich ist. Unterm Strich werden die Kosten deutlich höher sein als der Nutzen.

Womit die Brandstifter heute ihr Geld verdienen
To match FINANCIAL/PAY-FED-POLITICS
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Alan Greenspan

Von 1987 bis 2006 war Alan Greenspan Präsident der amerikanischen Notenbank Federal Reserve. Während seiner Amtszeit erreichte der Leitzins sein historisches Tief von einem Prozent. In dieser Zeit wuchs das Derivategeschäft der Banken zu einem Finanzmarktmonster, das eine Größe von 500 Billionen US-Dollar erreichte. Die niedrigen Zinsen gepaart mit einer laschen Regulierung der Banken löste letztlich die "Sub-Prime-Krise" aus. Bei einer Anhörung im US-Kongress im Jahre 2008 gab Greenspan immerhin zu, Fehler gemacht zu haben.

Heute arbeitet er als spezieller Berater bei der Kapitalanlagegesellschaft Pimco. Pimcos Mitbegründer Bill Gross lobt die Fähigkeiten des früheren Fed-Chefs und sagt, dass seine Firma von Greenspans Diensten in Milliardenhöhe profitieren konnte. Neben seiner Beratertätigkeit für Pimco hat Greenspan auch die Deutsche Bank und Hedge-Fond Milliardär John Paulson beraten.

Clinton Global Initiative
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Bill Clinton

Nicht unerheblichen Anteil an der Finanzkrise hatte der frühere US-Präsident Bill Clinton. Die Aufhebung eines und die Unterzeichnung eines anderen Vertrages hat ausgereicht, um ein globales Erdbeben in der Finanzwelt auszulösen. Clinton revidierte zuerst den Glass-Steagall-Act, womit die Trennung zwischen dem Einlagen- und dem Kreditgeschäft in den Banken aufgehoben wurde. Im Anschluss unterzeichnete Clinton den Commodity Futures Modernization Act, wodurch die Regulierung von Kredit-Swaps wegfiel. Dadurch erweiterte sich das Kreditgeschäft der Banken, die Kredite an Haushalte vergaben, die keine ausreichende Bonität vorweisen konnte. Die sogenannte Sub-Prime-Krise war damit geboren.

Nach seiner Amtszeit engagiert sich Clinton vor allem für seine AIDS-Stiftung. Und reist als Berater und gefragter Redner um die Welt.

Convention No Shows
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George Bush

Die Finanzkrise 2008 erreichte ihren Höhepunkt während der Amtszeit von US-Präsident George Bush. Während Bill Clinton den Stein ins Rollen gebracht hatte, versäumte es Bush ihn mithilfe einer strengeren Regulierung des Finanzsektors aufzuhalten. Ökonom Nouriel Roubini, der nach der Krise den Spitznamen Dr. Doom erhielt, da er lange vor Ausbruch der Krise vor ihr gewarnt hatte, machte Bush den Vorwurf, seinem Nachfolger Barack Obama ein "riesige Chaos" hinterlassen zu haben. Er fügte hinzu, dass man sich glücklich schätzen konnte, dass die damalige große Rezession nicht in eine weitere große Depression führte. Nach seiner Amtszeit zog sich Bush völlig aus dem politischen Tagesgeschehen zurück. Er hat sich mit seiner Ehefrau Laura Bush in Texas niedergelassen und seine Memoiren veröffentlicht. Gelegentlich tritt Bush als Redner auf.

Governor of the Bank of England Mervyn King speaks at a business conference in London
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Mervyn King

Der Wirtschaftswissenschaftler Mervyn King ist seit 2003 Gouverneur der Bank of England. Er setzte mit einem Zinssatz von 3,5 Prozent den niedrigsten Zins der Nachkriegsgeschichte fest. Kritisiert wird, dass sich King zu lange an Greenspans Strategie des Niedrigzinsniveaus gehalten und zu spät die Risiken der sich aufblähenden Immobilienblase erkannt hatte. Später reflektierte King sein Verhalten in der Krise 2008 und sagte während einer Globalen Investment Konferenz in London: "Wir haben gemerkt, dass das alles zur Krise führen würde, wir haben uns mit dem Internationalen Währungsfond beraten aber wir haben keine kollektive Lösungsstrategie ausgearbeitet und ich glaube, dass das ein Problem war, das nicht individuell gelöst werden konnte." King wird im nächsten Sommer aller Voraussicht nach seinen Posten als Gouverneur der Bank of England an den ehemaligen Kabinettsekretär Sir Gus O'Donnell oder den stellvertretenden Gouverneur Paul Tucker abgeben.

Ex-Chefs der Hypo Real Estate verklagen Bank auf Gehalt
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Georg Funke

Der ehemalige Chef der Hypo Real Estate dürfte in die deutschen Wirtschaftsgeschichtsbücher eingehen. Viele machen ihn für das Milliardendesaster des Immobilienfinanzierers verantwortlich. Schließlich war unter seiner Führung ein Teil des toxischen Portfolios angesammelt worden, das den Steuerzahler heute Milliarden kostet. Auch der Kauf der Depfa stellte sich als fatal heraus. Funke meldete sich kürzlich aus Mallorca zu Wort - und zeigte wenig Schuldbewusstsein. Der Ex-Banker macht inzwischen auf Mallorca Immobiliengeschäfte. Vom ZDF ließ er sich interviewen und beklagte eine "Rufschädigung auf Basis falscher Anschuldigungen". Eine Griechenlandpleite sei zu seiner Zeit nicht absehbar gewesen. Und für die Beinahepleite der Bank sei Ex-Finanzminister Peer Steinbrück verantwortlich - denn der habe zum falschen Zeitpunkt von einer Abwicklung gesprochen. "Steinbrück hat die Bank zerstört." Funke hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Steinbrück gestellt. Auch mit der HRE streitet er sich vor Gericht um eine Abfindung, weil er seine Kündigung für unrechtmäßig hält.

Stefan Ortseifen
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Stefan Ortseifen

Witwen- und Waisenpapiere nannte man einst die Aktien der IKB. Weil sie so sicher waren. Auch der ehemalige Chef der Düsseldorfer Bank, Stefan Ortseifen, dürfte mittlerweile wissen, dass dem nicht so war. Ortseifen ist bislang der einzige Bankvorstand, der im Zusammenhang mit der Finanzkrise verurteilt wurde. Er erhielt wegen vorsätzlicher Marktmanipulation eine zehnmonatige Bewährungsstrafe und eine Geldbuße. Ortseifen habe die Schieflage der Bank 2007 bewusst geschönt und damit das Vertrauen von Anlegern missbraucht, so das Gericht. Der Manager hatte am 20. Juli 2007 noch die Gewinnprognose der Bank bestätigt.

MATTHAEUS MAIER REICH
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Ingrid Matthäus-Maier

Im Jahr 1999 legte Ingrid Matthäus-Maier ihr Bundestagsmandat nieder – aus der SPD-Politikerin wurde eine Bankerin. Matthäus-Maier wurde Vorstandsmitglied der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und rückte 2006 an die KfW-Spitze. Am 30. Juli 2007 geriet die IKB Deutsche Industriebank durch die Krise am US-Hypothekenmarkt in eine massive Schieflage. Durch Milliarden des Großaktionärs KfW wurde die IKB gerettet. Matthäus-Maier wurde scharf kritisiert – und trat überraschend im April 2008 zurück. Zu den Vorkommnissen rund um die IKB äußert sie sich nicht mehr. Heute konzentriert sich die 66-Jährige auf Ehrenämter in Stiftungen und engagiert sich als Atheistin in der Kampagne „Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz“.

Würde ein Rückzug der Fed der Wirtschaft nicht schaden?

Ich glaube, er würde der Wirtschaft helfen! Es gibt schon so viele Unsicherheiten: Was passiert mit den hohen Staatsschulden? Was ist mit der Regulierung? Ein Umfeld mit weniger geldpolitischen Interventionen wäre ein klares Zeichen, und das wäre positiv für die Wirtschaft. Oft ist es ja so, dass Geldpolitik nur auf den ersten Blick hilfreich erscheint und sich dann aber als schädlich erweist.

Haben Sie ein Beispiel dafür?

Von 2003 bis 2005 hat die Notenbank die Zinsen niedrig gehalten, weil sie damit eine geringe Arbeitslosigkeit erreichen wollte. Aber dadurch hat sie meiner Meinung nach eine Reihe von Überschüssen geschaffen. Auf der Suche nach Renditen entstand der Boom auf dem Häusermarkt, und nachdem die Blase platzte, ist die Arbeitslosigkeit viel höher. Die Notenbank hat damit also genau das Gegenteil erreicht. Es ist ein klassischer Fall von unbeabsichtigten Konsequenzen der Geldpolitik.

Aber könnte ein Anziehen der Geldpolitik nicht auch unbeabsichtigte Konsequenzen haben?

Es ist sehr wichtig in der Geldpolitik, nicht zu überstürzt oder unkalkulierbar zu handeln. Egal ob die Fed früher oder später aussteigt, sie muss es sehr behutsam tun und das den Märkten auch so signalisieren. Aber die Fed muss so oder so irgendwann in der Zukunft aussteigen. Und ich glaube, dass es besser ist, das früher zu tun.

Warum?

Wenn man den Ausstieg weiter nach hinten verschiebt, werden die Auswirkungen auf die Märkte noch schwerer zu kontrollieren sein. Die Fed wird irgendwann den Leitzins anheben müssen, Wertpapiere verkaufen und die Einlagen der Banken bei der Zentralbank reduzieren. Das ist extrem schwer zu koordinieren, und je später man das macht, desto größer wird die Ungewissheit, was für andere Faktoren da dann noch eine Rolle spielen.

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4 Kommentare zu "John Taylor: „Die Fed wird aussteigen müssen“"

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  • Die FED und auch die EZB werden drucken bis zum bitteren Ende.
    Was die Politik am meisten fürchtet ist die Deflation, denn deren Konsequenzen würden die Politiker hinwegfegen.
    Also wird schleichend inflationiert und zum Schluß kommt der unausweichliche Reset in Form einer neuen Währung. Diese soll dann nach Möglichkeit von der Fed gelenkt und beherrscht werden.

    Im übrigen führen die USA Krieg um den Petrodollar zu verteidigen. Saddam wollte sein Öl gegen Euro verkaufen, Gaddafi wollte es gegen Gold verkaufen - es gab Krieg.
    Der gesamte "arabische Frühling" wurde inszeniert um auch Syrien und zuletzt den Iran zu beherrschen. Dieser Krieg wird kommen !

    Alles unter dem Deckmantel die "Demokratie" zu verbreiten und Völker zu befreien.

  • Wie John Taylor zeigt, gibt es genug Menschen mit Verstand und Verantwortung. Leider sitzen die wenigsten davon an der Macht.

    Wenn Taylor Nachfolger von Bernanke wuerde, haetten wir wieder Hoffnung auf eine beruhigende Zukunft, auch wenn er die gigantischen Bubbles von dem Gelddrucker Bernanke und dem Schuldenkoenig Obama erst mal vorsichtig beseitigen muesste. Da lauern noch sehr grosse Gefahren, welche uns diese beiden konzeptlosen "Macher" hinterlassen.

  • Die FED wirs solange weitermachen,solange die Ratingagenturen still halten.Ehrlich sind diese nicht,sonst hätten sie die USA schon längst downgeratet.

  • Richtig. Solange man Problemen geldpolitisch löst, lähmt das die Wirtschaft. Nur eine stablile und zuverlässige Geldpolitik schafft eine Basis für innovative Wirtschaft.

    Leider schlägt man in Europa genau den falschen Weg ein. Man will amerkikanischer sein, während gleichzeitig in USA die Erleuchtung kommt.

    Unglaublich. Draghi ist eben ein Goldman und Sachs Gewächs, und so handelt er auch.

    Der Eurohöhenflug etc. ist mehr Schein als Sein. Denn am Ende wird der Euro natürlich an Wert verlieren. Zur Freude gibt es keinen Anlass.

    Deutschlands Innovationskraft, die ohnehin schon seit der Euroeinführung extrem gesunken ist, wird unter dem Euro schwer leiden.

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