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08.04.2008 
Großbritannien

Johnson will aus London „viktorianisches Los Angeles“ machen

von Matthias Thibaut

Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone ist in der Defensive. Sein konservativer Herausforderer Boris Johnson ist bisher vor allem als Witzbold aus Fernsehshows bekannt. Doch Johnsons Chancen stehen gut.

Livingstone unter Druck. Quelle: dpaLupe

Livingstone unter Druck. Quelle: dpa

LONDON. Stunden nach Gordon Browns Lobeshymne tauchte das Video im Internet auf. „Inspirierend“, hatte der Premier Ken Livingstone genannt, mit dem er nach bitteren Kämpfen um die Londoner U-Bahn-Finanzierung jahrelang kein Wort gewechselt haben soll. Doch der Londoner Bürgermeister dankt es nicht. Schallend lacht er in dem Video. Der „stolzeste Moment“ seiner Karriere? „Das war 2000, als ich die New Labour-Parteimaschine auf die Hörner nahm, weil mich Tony Blair nicht als Bürgermeisterkandidaten akzeptierte, und sie im Staub zerrieb.“


Tabelle  Infografik: Zwei Querköpfe im Duell


Bei der Londoner Bürgermeisterwahl am 1. Mai könnte Livingstone Labour wieder in den Staub treten – diesmal nicht durch einen Außenseitersieg, sondern seine Niederlage als offizieller Labourkandidat. Der Gegenkandidat, der 43-jährige platinblonde Tory-Abgeordnete Boris Johnson, hatte nie ein Amt inne und ist bisher vor allem als Witzbold aus Fernsehshows bekannt. Doch seine Chancen stehen gut, dass er die 7,5 Millionen Metropole, deren Infrastruktur unter Dauerstress steht, das Zentrum der Hochfinanz, Europas heimliche Hauptstadt, durch die entscheidenden Jahre der Olympiavorbereitungen für 2012 führen wird.

Laut der jüngsten Umfrage im „Guardian“ liegt Johnson mit 51 Prozent zwei Punkte vor dem 62-jährigen Livingstone. Der „Evening Standard“ gab Johnson sogar einen Zwölf-Punkte Vorsprung – und löste bei Labour Panik aus. Es wäre der bedeutsamste Tory-Wahlerfolg seit 1979, ein Vorbote des Machtwechsels im ganzen Land.

Livingstone ist vom Labour-Renegat zum Inbegriff von Labours Arroganz der Macht geworden. Zeitungen deckten die Vetternwirtschaft auf, mit der er Parteigänger aus der trotzkistischen Gruppe „Socialist Action“ in Ämter im Rathaus hievte. Einer, der „Berater für Rassenprobleme“, Lee Jaspers, musste wegen Unregelmäßigkeiten zurücktreten.

„Ich werde mit dieser marxistischen Kabale aufräumen“, versprach Johnson, als er in einer Nordlondoner Sozialsiedlung den Wahlkampf eröffnete. Am nächsten Tag erklärte er vor Korrespondenten, wie er die Stadt regieren will. „Der Job ist gar nicht so anders als der eines Journalisten“, sagte der frühere Chefredakteur des Magazins „The Spectator“. „Man muss die richtigen Fragen stellen, den Dingen auf den Grund gehen und gute Kampagnen fahren.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: "London ist ein komischer Ort."

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