Jordanien gegen den IS
Der König der Rache

Auge um Auge um jeden Preis: Jordaniens König Abdullah II. lässt Extremisten hinrichten, IS-Stellungen angreifen und schwört der Miliz Vergeltung für die Verbrennung ihres Piloten. Doch es steckt mehr dahinter.
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DüsseldorfAuf die Raketen schreiben die jordanischen Piloten „Für euch, ihr Feinde des Islams“, ihr König Abdullah II. posiert statt im maßgeschneiderten Dreiteiler im Tarnanzug und arabische Medien spekulieren gar darüber, ob ihr Monarch selbst den Kampfjet besteigen könnte.

Der 53 Jahre alte König Abdullah von Jordanien hatte prompt auf die Verbrennung des jordanischen Piloten reagiert. Keine zwölf Stunden später ließ er als erste Vergeltung zwei verurteilte Extremisten demonstrativ hinrichten, die verhinderte Selbstmordattentäterin Sajida al-Rishawi und das al-Qaida-Mitglied Ziad al-Karboli. Er versprach mit ernster Miene und kühlem Tonfall seinem Volk den „gnadenlosen Krieg“ gegen den Islamischen Staat.

Der Schock sitzt tief in Jordanien, nachdem die IS-Miliz den Piloten Muas al-Kasasba vor laufender Kamera bei lebendigem Leibe verbrannt hat. Hunderte kondolieren der Familie des Toten. Christen und Muslime beten gemeinsam für den 26-Jährigen. In Jordanien gibt es noch eine relativ große Gemeinschaft von etwa 400.000 Christen bei knapp 6,4 Millionen Einwohnern.

Auf den Straßen fordern Demonstranten die Vernichtung des IS oder – auch darüber diskutiert Jordanien nun – das Ausscheiden aus der US-geführten Anti-IS-Koalition. Letzteres ist vermutlich das Ziel der Miliz. Neben den USA, Frankreich und Großbritannien beteiligten sich bislang auch Saudi-Arabien, die Emirate und Bahrain an den Luftangriffen gegen die blutrünstige Terrormiliz. Doch mittlerweile zeigt die fragile, regionale Kriegskoalition erste Risse.

Die Saudis fliegen nur noch wenige symbolische Einsätze. Die Arabischen Emirate, die sich anfangs mit einer Bomberpilotin brüsteten, stiegen sogar ganz aus, wie die „New York Times“ am Mittwoch berichtet. Dutzende Kampfjets bombardierten Ausbildungszentren und Waffenlager in Syrien, wie die Armee mitteilte. Derzeit sieht es nicht so aus, als würde die Rechnung bei dem für die Region ungleich wichtigerem Player, dem haschemitischen Königreich, ebenfalls aufgehen.

Und das liegt auch an König Abdullah Ibn al-Hussein. Die Brachial-Rhetorik, Racheschwüre und sein kriegerisches Posing in Tarnanzug ist mehr fürs eigene Volk gedacht als an die Adresse des IS gerichtet. Denn Abschreckung funktioniert bei der Terrormiliz nicht, die Menschen vor laufenden Kameras enthauptet, lebendig verbrennt und ihre Opfer oftmals nicht einmal begräbt, damit Tiere den toten Körpern die letzte Würde nehmen. Auch die Hinrichtung der beiden Islamisten war eine bloße Reaktion auf die Panik im eigenen Land. Denn der IS hat damit zwei Märtyrer mehr.

König Abdullah gilt als besonnener Staatslenker, recht unempfänglich für Kurzschlussreaktionen. Auf dem internationalen Parkett kommt er eher daher wie der nette Bankangestellte mit Anzug und akkurat kurz geschnittenem grau meliertem Haar.

Er scheut die große Bühne und überlässt die öffentlichkeitswirksamen Auftritte gern seiner Frau Rania, die dem Königreich durch ihren Einsatz für Menschenrechte und Frauen gern den demokratischen Anstrich verpasst, den der Westen so gern hat. Wirkliche demokratische Reformen, etwa zur Rede- und Pressefreiheit, hat ihr Mann bislang allerdings nicht umgesetzt.

Kommentare zu " Jordanien gegen den IS: Der König der Rache"

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  • Ja genau, deshalb brauchen wir die Islamisierung, dann wären wir endlich Frau Merkel los! Manche sind so hohl die merken noch nicht einmal, wenn die Evolution objektiv und gnadenlos zuschlägt!
    Der Islam gehört zu Deutschland und ich bin tatsächlich ein Mann und freue mich schon darauf den vielen dusseligen Weibern hier in Deutschland dann ihre Rolle zu verdeutlichen, - und ab unter die Burka!

    Der jordanische König ist ein Pudel der Amis, das dürfen die 60 % Palästinenser nur nicht merken. Als Vorsichtsmaßnahme dürfen nur königstreue Jordanier in den Sicherheitsdiensten beschäftigt werden, ob es langfristig etwas nützt, bleibt fraglich. Bei der Entstehung waren die ersten Ausbildungslager der USA für den IS, damals noch ISIS, auf jordanischem Boden und heute führt Jordanien Krieg gegen den IS. Das kommt davon, wenn man sich mit Bekloppten, Verbrechern und Irren einlässt, dumm gelaufen Herr König!!!

  • Nein, Es kommt nicht ausschließlich darauf an dass ein Mord geschah, es kommt auch auf das töten und das Sterben an, diese IS sind Bestien

  • "...Etwa 60 Prozent der Bevölkerung sind Palästinenser – viele von ihnen sind Flüchtlinge und erkennen den haschemitischen Herrscher nicht als den ihren an..." So etwas passiert bei unkontrollierter Migration!

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