José Manuel Barroso
Im Profil: Europas mächtiges Chamäleon

Eins muss man ihm lassen: Der Mann hat Stehvermögen. Als José Manuel Barroso vor fünf Jahren zum Präsidenten der EU-Kommission ernannt wurde, galt er bestenfalls als zweite Wahl, als Günstling Tony Blairs, ohne den er es nie weit bringen würde. Nun ist der britische Premier Geschichte, doch Barroso ist immer noch da.

BRÜSSEL. Am Donnerstag haben die EU-Staats- und Regierungschefs Barroso offiziell für eine zweite Amtszeit nominiert - nicht schlecht für einen Politiker, der ohne Hausmacht in Brüssel ankam und zunächst nur Gegner zu haben schien.

Warum Barrosos Vertrag bis 2014 verlängert werden soll, ist indes immer noch nicht ganz klar. Denn die Bilanz seiner ersten Amtszeit ist mager. Nach seinem Bewerbungsgespräch auf dem EU-Gipfel im Juni hieß es, man müsse Milde walten lassen, der Portugiese habe Stärken und Schwächen, immerhin sei er ja ein überzeugter Europäer. Begeistert klang das nicht, eher wie eine Verlegenheitslösung.

Der Kandidat trug auch nicht gerade zur Aufklärung bei: "Ich bin kein Liberaler", sagte er, "ich bin ein Reformer der Mitte." Dabei hatte er sich jahrelang als überzeugter Marktliberaler geriert. Erst seit der Finanzkrise tritt er für Regulierung ein. Typisch Barroso, klagen seine Kritiker. Der 53-Jährige sei ein Chamäleon - ein schwacher Politiker ohne eigene Überzeugungen, der den großen Staaten nach dem Mund rede.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Barroso, der Ex-Maoist und Neo-Konservative, ist auch ein Machtmensch. Die EU-Kommission führt er wie ein Staatschef, alle wichtigen Entscheidungen fallen in seinem Büro in der 13. Etage des Berlaymont. In seinem ersten Jahr hat er 17 von 35 Generaldirektoren ausgetauscht. Auch jetzt werden wieder Stühle gerückt. Barroso will seine Macht festigen - für die nächsten fünf Jahre.

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