Journalismus unter staatlicher Aufsicht China lässt Berichterstattung aus Lhasa zu

Die chinesische Regierung hat erstmals seit der Ausweitung der Unruhen in Tibet wieder ausländische Journalisten in der tibetischen Hauptstadt Lhasa zuzulassen – allerdings nur unter staatlicher Kontrolle: Insgesamt 26 Journalisten sollen sich im Rahmen einer organisierten zweitägigen Reise ein Bild machen dürfen. Eine freie Berichterstattung sieht anders aus.

HB LHASE/PEKING. Erstmals seit der Ausweitung der Unruhen in Tibet hat China am Mittwoch wieder ausländische Journalisten in das Gebiet gelassen. Ziel der organisierten Reise schien es vor allem zu sein, den Journalisten zu zeigen, dass sich das Leben in Tibet normalisiert habe. Es war zunächst unklar, wie viel Bewegungsfreiheit die 26 Journalisten bei der zweitägigen Reise haben.

Die ersten Stunden in Lhasa vermittelten den Reportern jedenfalls nur einen begrenzten Blick auf die Situation in Tibet. Der Bus brauchte für die 65 Kilometer lange Fahrt vom Flughafen ins Stadtzentrum 90 Minuten. Bitten der Reporter, etwas schneller zu fahren, blieben ungehört. Der Bus passierte auf der Fahrt drei Kontrollstellen der Polizei, zudem stand an fast jeder Straßenkreuzung ein einzelner Polizist. An einem Halt an einem der Kontrollposten wurden die Journalisten ständig von chinesischen Aufpassern begleitet.

In Lhasa selbst wurden die Journalisten zum Potala-Platz unterhalb des gleichnamigen Palastes gebracht, anschließend wurden sie in zwei Straßen geführt, in denen viele Läden während der Unruhen in Brand gesteckt wurden. In der Altstadt kontrollierten Mitglieder der Volkspolizei Ausweise, ließen die Menschen aber passieren. Auf mehreren Plätzen waren Polizisten in Tarnuniform mit Maschinenpistolen zu sehen. Die Polizeipräsenz in der Stadt wirkte aber nicht ungewöhnlich stark.

Der Dalai Lama erklärte zu der von China organisierten Journalistenreise, er hoffe, dass dies ein erster Schritt sein werde und dass die Journalisten sich ein unabhängiges Bild von der Lage machen könnten.

Nach chinesischen Regierungsangaben haben sich inzwischen mehr als 600 Menschen den Behörden gestellt. Die Polizei veröffentlichte am Mittwoch einen Fahndungsaufruf gegen 53 mutmaßliche Rädelsführer. Bislang seien 29 Personen formell in Haft genommen worden, meldete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua weiter.

Der Aufstand der Tibeter war die größte Herausforderung des chinesischen Staates seit fast zwei Jahrzehnten. Die Sicherheitskräfte reagierten darauf mit Härte. Nach amtlichen Angaben kamen in Lhasa mindestens 22 Menschen ums Leben. Tibetische Exilgruppen sprachen indes von nahezu 140 Todesopfern, darunter 19 in der Provinz Gansu.

Der tibetische Exilpolitiker Karma Chophel forderte ein Einschreiten der internationalen Gemeinschaft gegen die Gewalt in seiner Heimat. „Das Töten unschuldiger Tibeter muss ein Ende haben, die internationale Gemeinschaft muss einschreiten“, erklärte der Präsident des tibetischen Exilparlaments am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Brüssel. Zur Frage eines Boykotts der Olympischen Spiele in Peking erklärte er, dies sei eine Gewissensfrage für jedes einzelne Land.

Auf scharfe Kritik stieß in China der Vergleich des früheren britischen Verteidigungsministers Michael Portillo der bevorstehenden Olympischen Spiele in Peking mit denen von 1936 im nationalsozialistischen Berlin. In einem Beitrag für die „Sunday Times“ hatte er darauf verwiesen, dass die Nazis die Spiele als Vorzeigeprojekt für den Nationalsozialismus benutzt hätten. Dieser Vergleich sei eine „Beleidigung des chinesischen Volkes und eine Beleidigung für jede Nation der Welt“, erklärte Außenamtssprecher Qin Gang.

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