Juan Manuel Santos
Kolumbiens Präsident bekommt Friedensnobelpreis

Sein Abkommen mit der Farc-Guerilla wurde vom Volk abgelehnt, trotzdem ist er der Friedensstifter des Jahres: Kolumbiens Präsident Santos wird mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Sein Verhandlungspartner geht leer aus.
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OsloDer diesjährige Friedensnobelpreis geht an den kolumbianischen Präsident Juan Manuel Santos. Er wird geehrt für seinen „resoluten Einsatz, um den mehr als 50-jährigen Bürgerkrieg zu beenden“, wie es in der Begründung heißt. Er habe die Verhandlungen initiiert, die in einem Friedensabkommen zwischen der kolumbianischen Regierung und der Farc-Guerilla mündeten, begründet das Nobelkomitee seine Entscheidung. „Er erhält den Preis für seine Bemühungen, den Krieg in seinem Land, der über 220.000 Todesopfer gefordert hat, zu beenden“, erklärte die Vorsitzende des norwegischen Nobelkomitees, Kaci Kullmann Five.

Mit dem Preis werde aber auch die kolumbianische Bevölkerung geehrt, weil sie die Hoffnung auf Frieden nicht aufgegeben habe, sagte Kullmann Five weiter. Sie betonte, dass man ein Zeichen setzen wolle dass der Friedensprozess in Kolumbien fortgesetzt werden müsse. „Das Nobelkomitee hofft, dass alle Parteien Verantwortung zeigen und konstruktiv an den kommenden Friedensverhandlungen teilnehmen.“

Das Nobelkomitee sieht die Gefahr, dass der Friedensprozess nach der knappen Ablehnung des Friedensvertrages durch die kolumbianischen Wähler ins Stocken kommen kann. „Es besteht die konkrete Gefahr, dass der Friedensprozess ins Stocken gerät und der Bürgerkrieg wieder aufflammen kann. Deshalb ist es so wichtig, dass die Parteien, angeführt von Präsident Santos und Farc-Guerrille-Chef Rodrigo Londono den Waffenstillstand weiterhin respektieren“, heißt es in der Begründung.

Im Vorfeld war über Santos als Friedensnobelpreisträger spekuliert worden. Allerdings gingen Beobachter davon aus, dass das Nobelkomitee neben Santos auch den Farc-Chef Rodrigo Londono Echeverri auszeichnen würde. Überraschend ist die Entscheidung auch, weil eine knappe Mehrheit der kolumbianischen Wähler in einem Referendum den Friedensvertrag mit knapper Mehrheit abgelehnt hatten. In Oslo sahen viele Beobachter die Entscheidung des Nobelkomitees als Ermunterung für Santos, trotz der Ablehnung des Friedensvertrages die Friedensbemühungen fortzusetzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gratulierte Santos zum Friedensnobelpreis. Sein „großer Einsatz für den Frieden wird mit diesem hohen Preis angemessen gewürdigt“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.

In einer ersten Stellungnahme erklärte Jorge Torres Victoria, einer der Farc-Repräsentanten bei den Friedensverhandlungen, dass er von der Auszeichnung Santos noch nichts gehört habe. „Aber wenn es wahr ist, dann ist es eine große Neuigkeit für das kolumbianische Volk“, sagte er der schwedischen Nachrichtenagentur TT.

Vorsichtig kritisch äußerte sich Schwedens sozialdemokratische Außenministerin Margot Wallström. „Es ist ein einmaligen Friedensabkommen, das weltweit erste gleichberechtigte Abkommen. Dass nur einer der Partner den Preis erhält, ist Sache des norwegischen Nobelkomitees“, erklärte sie in Stockholm. „Aber zum Tango gehören zwei, das sollte man erwähnen“, sagte sie.

In diesem Jahr musste das Osloer Nobelkomitee unter 376 Vorschlägen auswählen. In der über einhundertjährigen Geschichte hatte es noch nie so viele Kandidaten gegeben. Die Frist, bis zu der ehemalige Friedensnobelpreisträger, Parlamentarier, Regierungsmitglieder und Wissenschaftler ihre Kandidatenvorschläge einreichen konnten, endete am 1. Februar dieses Jahres. Seitdem haben sich die Mitglieder des Osloer Nobelkomitees mehrere Male getroffen, um zusammen mit externen Beratern die Liste auf rund zehn Namen zusammenzustreichen. Wer auf der Liste steht, ist eines der bestgehütetsten Geheimnisse in der norwegischen Hauptstadt. Alle Namen von Einzelpersonen oder Organisationen, die in den Medien kursierten, beruhten auf Spekulationen.

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TV-Sender gab zunächst falschen Sieger bekannt

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  • Meine individuelle Liste der unverdientesten Friedensnobelpreisträger aller Zeiten:

    5.) Woodrow Wilson: setzte einmal den Ferderal Reserve Act zur Gründung des Federal Reserve Systems durch, was letztendlich die Ursache für die größten ökonomischen Katastrophen der letzten hundert Jahre ist; zudem führte er die USA in den 1. Weltkrieg durch die "Falle" mit der Versenkung der Lusitania (nachzulesen in John V. Densons "A Century of War")

    4.) Barrack Obama: ich erwähne nur sein Lieblingsspielzeug: die Killerdrohnen

    3.) Europäische Union : irgendwelche Fragen?

    2.) Jassir Arafat: Terrorist bleibt Terrorist

    1.) Henry Kissinger: menschenverachtender Macht-Politiker der übelsten Sorte (Zitat u.a. "Soldaten sind dummes Vieh, welches wir benutzen, um unsere außenpolitischen Interessen durchzusetzen.")

  • Friedensnobelpreise sind nichts mehr wert.

    Die Entwertung erfolgt über die Vergabe der eigentlich noblen Ehrung an die Falschen und das auch noch viel zu früh (man denke an die Verleihung des Friedensnobelpreises an Barack Obama - was hat der zu dem Zeitpunkt dafür geleistet ? Antwort: NICHTS).

  • Naja,. mit welcher Arroganz und Überheblichkeit er verhandelt hat.... Aber die Bevölkerung hat ihm ja seine Meinung gesagt. Wenn die Internationale Gemeinschaft meint, er soll den Preis haben ist das gut. Ich hoffe, dass diese Gemeinschaft auch den Frieden finanziert. Kolumbien hat nicht die Mittel um all die Versprechen zu erfüllen. Nachdem die internationalen Drogenkonsumenten den Krieg finanziert haben, ist es an der Zeit, dass die internationale Gemeinschaft auch den Frieden finanziert und zwar nicht nur mit ein paar Krümeln.

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