Jüdische Siedlungen beschossen
Neue Gewalt trotz Waffenruhe in Nahost

Der Beschuss jüdischer Siedlungen im Gazastreifen hat die erst vor zwei Tagen vereinbarte Waffenruhe im Nahen Osten auf eine erste Bewährungsprobe gestellt.

HB GAZA. Die palästinensische Extremisten-Gruppe Hamas feuerte stundenlang Granaten und Raketen auf israelische Siedlungen und Armeeposten im Gaza-Streifen sowie auf israelische Städte im Grenzgebiet. Israel sagte daraufhin palästinensischen Angaben zufolge Sicherheitsgespräche mit den Palästinensern ab. Die Hamas kündigte weitere Gewalt an. Die Sicherheitsgespräche waren nach dem Treffen des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas am Dienstag vereinbart worden. Scharon und Abbas hatten eine Waffenruhe vereinbart, an die sich die Hamas nicht gebunden fühlt. An Plänen für ein Treffen zwischen Abbas und Scharon auf dessen Farm in der Wüste Negew halten beide Seiten offenbar fest.

„Unser heutiges Treffen mit den Israelis ist vertagt worden. Die Israelis haben darum gebeten, es wegen des Granatenbeschusses heute Morgen im Gaza-Streifen abzusagen“, sagte ein hochrangiger Palästinenser-Vertreter. Israelischen Armeeangaben zufolge schlugen 17 Mörsergranaten in Siedlungen und bei Armeeposten sowie in zwei israelischen Städten nahe der Grenze zum Gaza-Streifen ein.

Der Beschuss dauerte den Angaben der Hamas zufolge zwei Stunden lang und begann im Morgengrauen. 46 Geschosse seien abgefeuert worden, erklärte die Gruppe, die für eine Zerstörung Israels kämpft. Die Hamas werde Angriffe dieser Art fortsetzen, bis der Feind von palästinensischem Land vertrieben sei. Der Beschuss sei ein Vergeltungsschlag für einen am Vortag von israelischen Soldaten getöteten Palästinenser. Der 20-Jährige war erschossen worden, als er sich einem Sicherheitszaun nahe der jüdischen Siedlung genähert hatte. Aus Militärkreisen hieß es, die Soldaten hätten Warnschüsse abgegeben. Bei einem weiteren schweren Zwischenfall wurde ein palästinensischer Autofahrer im Westjordanland von israelischen Soldaten erschossen. Er hatte israelischen Angaben zufolge Anweisungen missachtet, an einem Straßenkontrollpunkt zu halten.

Die palästinensischen Extremisten bringen Abbas mit ihren Angriffen nunmehr in Zugzwang, da er eine Eindämmung der Gewalt zugesagt hat. Aus dem Umfeld Abbas' wurden Vorwürfe laut, die Extremisten versuchten, die Ergebnisse des Nahost-Gipfels auf Geheiß der libanesischen Schiiten-Gruppe Hisbollah zu torpedieren. „Wir bitten Israel, sich dieser Lage bewusst zu sein“, sagte ein hochrangiger Berater Abbas', der nicht genannt werden wollte. Hisbollah und palästinensische Extremisten haben in der Vergangenheit immer wieder bestritten, auf operativer Ebene Verbindungen zu unterhalten. Israel wirft der Hisbollah indes vor, viele Angriffe zu steuern.

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