Jüdischer Weltkongress
Westerwelle stellt sich gegen Antisemitismus

Der Jüdische Weltkongress findet in einer angespannten ungarischen Hauptstadt statt. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund betont der deutsche Außenminister die Intoleranz gegenüber Judenhass. Er bekam stehende Ovationen.

BudapestMit einer klaren Stellungnahme gegen den Judenhass hat Bundesaußenminister Guido Westerwelle mehr als 600 Delegierte des Jüdischen Weltkongresses (WJC) begeistert. „Antisemitismus hat weder in Berlin noch in Budapest noch sonstwo in Europa oder in der Welt einen Platz“, sagte der Politiker am Montag vor dem WJC-Plenum, das derzeit in Budapest tagt.

Das Phänomen müsse auch in seinen subtilen Facetten entschieden bekämpft werden, fügte er hinzu. „Dieser Kampf wird auch um die Bewahrung unserer gemeinsamen Werte geführt, um die Bewahrung von Demokratie, Menschenrechten und Menschenwürde.“ Für die Rede klatschten die Delegierten am Ende stehend Beifall.

Das dreitägige WJC-Plenum war am Sonntagabend in der ungarischen Hauptstadt zusammengekommen, um ein Zeichen gegen den wachsenden Antisemitismus in Ungarn zu setzen. Beim Eröffnungsdiner hatte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban den Judenhass verurteilt, aber es zugleich auch vermieden, auf jüngste antisemitische Vorfälle in seinem Land einzugehen. Westerwelle war am Montagmorgen vor seinem Auftritt vor den WJC-Delegierten mit Orban zusammengetroffen.

Das Gespräch mit dem rechtskonservativen Regierungschef sei sehr offen gewesen, erklärte Westerwelle vor Journalisten am Rande des WJC-Plenums. „Die Begleitumstände waren alles andere als erfreulich“, sagte er mit Blick auf die letzte Kundgebung der rechtsextremen Partei Jobbik (Die Besseren) am vergangenen Samstag, bei der antisemitische Hetzreden gehalten worden waren.

„Zweifelsohne gibt es Fehlentwicklungen“, sagte Westerwelle. „Deshalb müssen wir das Gespräch mit der ungarischen Regierung jetzt ganz bewusst intensiv suchen, der Gesprächsfaden darf nicht abreißen.“ Die 20-jährige persönliche Bekanntschaft, die ihn mit Orban verbinde, sei „ein Vorteil, der es uns erlaubt, die Dinge beim Namen zu nennen“.

Orbans Auftritt vor dem WJC-Plenum war am Sonntagabend eher verhalten aufgenommen worden. Der ungarische Regierungschef war bemüht, die Ernsthaftigkeit des Problems kleinzureden, und vermied es, konkrete Schritte zur Bekämpfung des offenen und verdeckten Antisemitismus anzusprechen. „Man hat gespürt, dass es ihm keine Herzensangelegenheit ist, gegen den Antisemitismus zu sein“, sagte die WJC-Vizepräsidentin und ehemalige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, der Nachrichtenagentur dpa.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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