Jugendarbeitslosigkeit
Spaniens „verlorene Generation“ bangt um ihre Zukunft

Die Situation der jungen Spanier ist erdrückend. Beinahe jeder Zweite unter 25 ist arbeitslos. Viele suchen ihr Glück im Ausland. Wer in der Heimat bleibt, resigniert. Ein Ortsbesuch.
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San SebastiánJavier Muñoz steht in seiner Wohnung in San Sebastián in Nordspanien. Vor ihm ausgebreitet liegt der Plan eines Gebäudes, seine Abschlussarbeit, die Erweiterung einer alten Lagerhalle. Sie steht in Deutschland. Wie so viele Spanier studierte Muñoz Architektur. Anders als viele seiner Kollegen merkte der 28-Jährige jedoch schon früh, dass er in Spanien keine Zukunft hat - und arbeitete mitten im Studium für ein paar Monate in einem Architektenbüro in Berlin. Sein Englisch ist gut, Deutsch hat er in Chile gelernt, als er für vier Jahre eine deutsche Schule besuchte. 

Momentan arbeitet Muñoz in seiner Heimatregion Nordspanien an seiner Diplomarbeit. Vor kurzem hat er einen seiner ehemaligen Professoren in der Stadt getroffen. "Er betreibt jetzt mit seiner Frau ein Zeitungskiosk, seine Stelle bei der Universität wurde wegen der Mittelkürzungen gestrichen", erzählt er.

Für Muñoz steht die Entscheidung fest." Ich habe hier keine Zukunft", sagt er. Im Juli wird er mit seiner deutschen Freundin an den Bodensee ziehen, sie hat dort Familie. In Friedrichshafen hat er bereits ein Vorstellungsgespräch mit einem Architekturbüro. 

Idoia Arakama ist bereits weg - in Berlin. Wie so viele ihrer Landsleute momentan auch. Sie und Javier Muñoz gehören zur ersten Generation Spaniens, die nach der Diktatur Francisco Francos geboren wurden. Ihren Eltern war es noch verboten, das im Norden Spaniens beheimatete Baskisch in der Öffentlichkeit zu sprechen und ihren Kindern baskische Namen zu geben. 

Doch in ihrem Land gibt es keine Arbeit für sie. Laut dem europäischen Statistikamt Eurostat waren 2011 46,4 Prozent der Spanier unter 25 Jahren arbeitslos, ein Drittel von ihnen findet erst nach einem Jahr eine Stelle. Insgesamt haben derzeit rund 5,6 Millionen Menschen keinen Job.

Viele kehren daher ihrer Heimat den Rücken zu. "Eine derart schreckliche Akademikerflucht hat es noch nie gegeben", klagt die spanische Arbeitsministerin Fátima Bañez. Laut den aktuellsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes kamen im vergangenen Jahr 52 Prozent mehr Spanier nach Deutschland als noch 2010. Das Goethe-Institut, das Deutschkurse in aller Welt anbietet, verzeichnete 2011 in Spanien 60 Prozent mehr Anmeldungen als noch im Jahr zuvor. 

Kommentare zu " Jugendarbeitslosigkeit: Spaniens „verlorene Generation“ bangt um ihre Zukunft"

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  • "Wenn ich nicht bald einen zweiten Job finde, muss ich zum Arbeitsamt gehen und um einen Zuschuss bitten", sagt sie"

    Auweh - dies sind genau die Arbeitskraefte, die wir brauchen koennen ;-)

  • Eine gute Ausbildung ist wichtig, aber nicht alles. Denn ohne Arbeitsplätze kann man so gut ausgebildet sein, wie man will, man ist trotzdem arbeitslos. Das ist auch ein Fehler z.B. in der Entwicklungshilfe zu glauben mit Schulbildung lässt sich alles lösen.
    Wenn man etwas lösen will, dann braucht man neben Wissen auch Unternehmersgeist, Durchhaltevermögen, Disziplin und Mut, um etwas zu schaffen.

  • Was hat Merkel mit den Problemen dieser Leute zu tun ?
    Die jungen Spanier sollten sich bei ihrer eigenen Führungsschicht einmal umsehen wenn sie Fehler suchen. Mit familiären Verbindungen nach Spanien weiß ich wovon ich rede. Das Land hat große Probleme mit Korruption und Größenwahn. Schon den geklauten Reichtum aus Lateinamerika haben sie in Kirchen, Kathedralen und Paläste gesteckt, anstatt in Universitäten und Straßen.
    Vor kurzer Zeit wurde man als Deutscher noch mitleidig angesehen wenn man im Restaurant mal ein bisschen auf den Preis sah. Die Einkaufszentren in Madrid und Barcelona stellen fast alles in den Schatten was wir hier so haben. Autobahnen gibt es da in Hülle und Fülle. Wieviel Milliarden € hat Spanien in den letzten 20 Jahren bekommen? Was haben sie damit gemacht? Wie kommt es dass sich Spanien mit Madrid und Barcelona die teuersten Mannschaften Europas leisten kann? Woher kommen die Milliarden mit denen Hochtief gekauft wurde. Anstatt sich dauernd anmachen zu lassen sollten die Deutschen mal langsam nachhaken was mit ihrem Geld gemacht wird. Wer heute noch Soziologie studiert der soll sich hinterher nicht wundern wenn er sein Leben lang Taxi fährt. Die sollen erst mal vor der eigenen Haustüre kehren dann ist die Hälfte des Problems schon gelöst. Und Deutsch zu lernen dass kann ja wohl nicht so schwer sein. Mir kommen die Tränen wenn ich daran denke was wir hier unseren eigenen Leuten abverlangen. Die träumen auch vom Meer aber da kümmert sich keiner drum. Sie merken, ich bin dieses Gejammere der südlichen Länder leid.

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