Jugendliche aus aller Welt berichten
Die Generation von morgen

Bald nehmen sie Unternehmen, Familien und ihr Leben in die Hand: Auf der ganzen Welt steht die Jugend vor ähnlichen Herausforderungen – aber gehen diese völlig unterschiedlich an. Sieben Geschichten aus sieben Ländern.
  • 10

Als die zweitgrößte neuseeländische Stadt Christchurch im September 2011 von einem schweren Erdbeben erschüttert wird, will Jurastudent Sam Johnson sich nur ein bisschen nützlich machen. Der heute 24-Jährige startet noch am gleichen Abend eine Facebook-Gruppe mit einem Hilfsaufruf. Innerhalb weniger Stunden hat er 400 junge Leute mit Schippen und Schubkarren mobilisiert. Sie sind in Gärten und auf Straßen im Einsatz, wo aus Rissen im Erdboden tonnenweise Schlamm hervorgequollen ist.

„Wir wollten eigentlich nur ein bisschen beim Aufräumen helfen, aber dann wurde uns klar, dass die Leute uns brauchten. Einfach damit jemand da ist zum Reden“, sagt Johnson. „Das war wirklich magisch.“ Als fünf Monate später ein noch verheerenderes Beben Teile der Stadt zerstörte, brachte seine „Freiwillige Studentenarmee“ sofort 11.000 Jugendliche auf die Beine, die zuhörten, Tee machten, mit anfassten.

Die Menschen waren begeistert. „Als die vielen jungen Leute unterwegs waren, sagte eine ältere Frau zu mir: Es ist, als sei ein Knoten geplatzt. Wir brauchten keinen Krieg – plötzlich sind viele Erwachsene zur Seite getreten und haben den jungen Leuten den Vortritt gelassen“, sagt die Politikwissenschaftlerin Bronwyn Hayward von der University of Canterbury, die über Jugend forscht.

In Christchurch waren Jugendliche zuvor vor allem für negative Schlagzeilen gut: Boy Racer – jugendliche Raser – machen nachts mit quietschenden Reifen die Straßen unsicher. Partys mit Unmengen an Alkohol sind ein Problem. Jugendliche beklagen zu wenig Freizeitangebote. Boy Racer gibt es zwar immer noch, aber viele junge Leute haben nach dem Erdbeben ein anderes Ventil für ihre überschüssige Energie gefunden.

„Nach einer Katastrophe ist der Wunsch groß zu helfen“, sagt Hayward. Gerade für junge Leute sei es wichtig zu fühlen, dass sie einen positiven Beitrag leisten können. „Es gibt ja nicht nur Naturkatastrophen, auch Wirtschaftskrisen, die jungen Leuten die Chance rauben, sich zu entwickeln.“ So sieht Hayward Europa: „Die Sparmaßnahmen nehmen jungen Leuten die Chance, etwas zur Zukunft beizutragen. Viele meinen dann, sie hätten nichts mehr zu verlieren - Frust und Ärger entladen sich in Krawallen.“

Für Johnson war die Erfahrung Gold wert. „Ich bin nicht mehr derselbe Mensch“, sagt er. „Mir hat dieses Erdbeben eine unglaubliche Chance gegeben. Dass Menschen Menschen helfen müssen - das nimmt jetzt meine Zeit und Energie in Anspruch.“ Johnson hat mittlerweile seinen Bachelor in Jura gemacht und arbeitet nun im Katastrophenschutz für die Vereinten Nationen. Die „Freiwillige Studentenarmee“ organisiert weiter jede Woche Aktionen, zum Beispiel Hilfe im Garten, beim Anstreichen oder Reparieren.

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  • Nun, ich bin jetzt 46 Jahre.

    Blicke ich zurück auf meine Großeltern und Eltern und voraus auf meine Kinden fällt mir auf (das ist subjektiv).

    1)

    Meine Großeltern haben den Krieg miterlebt. Am Ende des Lebens waren sie dankbarer und zufriedenen wie wir (meine Großmutter ist 101 und lebt im Altenheim). Oma sagte immer, es war ein Ausgleich, mit 60 in Rente zu gehen und dann mit Opa 25 Jahre ohne irgendeine Sorge bei bester finanzieller Ausstattung zu leben. Sie haben gern gegeben.

    2)

    Meine Eltern sind durchaus egoistisch. Typische Ego - Optimierter. Viel nehmen, wenig geben. Das ist aber auch typisch für diese Generation. Wenn andere auch so sind, dann gibt es Unzufriedenheit.

    3)

    Meine Kinder sehen die Sache – für ihr Alter – extrem realistisch. Es ist so, dass sie die Unsicherheit im wirtschaftlichen Umfeld stark wahrnehmen. Sie sehen, dass von ihnen zukünftig starke Anpassungsleistungen abverlangt werden. Belastungen, wie die Renten- und Pensionszahlungen sehen sie extrem kritisch. Sie sind aber sehr leistungswillig und leistungsfähig.

  • lasst uns auch ignorieren, dass momentan der "größte Fachkräftemangel in der Geschichte" ist aus "demographischen Gründen" anno 2013, während zeitgleich das Erwerbspersonenpotential mitb 43 Mio. den absoluten Höchststand erreicht hat und das bei stagnierenden bis sinkenden Arbeitsvolumen, im Langzeittrend sinkend. Davon sind sinkender Tendenz auch nur noch 28 Mio. sv-pflichtig beschäftigt.

    "Fachkräftemangel" so viele Arbeitssuchende gab es noch nie und soviele potentiell Arbeitnehmende. Aber nein - ist voll der "Fachkräftemangel"

    deshalb muss auch unbedingt noch jede Frau Vollzeit mitmischen und jeder 3. Spanier hier einfliegen, wir wissen sonst gar nicht mehr, wie Orte wie die "Boomregion" Wunsiedel noch laufen sollen -- weil es da so ein wahnsinniger Mangel ist - an Fleischern und sonstigen die für 3 Euro arbeiten wollen.

    http://www.frankenpost.de/lokal/fichtelgebirge/wunsiedel/Weitere-fuenf-Spanier-arbeitslos;art2460,2362617

  • Fachkräftemangel ---- sie haben den doch nicht etwa geglaubt, oder??

    es gibt in DE Landkreise, die nur noch über ein bissel Tourismus, Handel und Pflege leben, es gibt hier Landkreise mittlerweile, wo nur noch jeder 5. sv-pflichtig beschäftigt ist.

    Gehen sie mal in Nord-DE auf Stellensuche -- sie finden kaum angemessene Stellen -- es gibt hier für die meisten Berufe kaum Stellen . Kaum Stellenausschreibungen und um die wenigen prügeln sich dann Hunderte. Deshalb lieber keine Krippen einführen - ich bin froh, wenn mehr Frauen länger zu Hause bleiben - sonst sinken für viele andere die Beschäftigungschancen. Lass die bloß zu Hause Mutter spielen.


    bei uns hier letztens erst gelesen, wie bei einer Stellenausschreibung, die nicht mal gut bezahlt war über 100 Bewerbungen eingingen.

    Der Bericht aus Japan trifft zu einem großen Teil auch auf DE zu! Auch in DE fehlen die guten, anständig bezahlten Stellen, auch in DE verzichten viele auf Familie dauerhaft

    Japan und DE ähneln sich in vielen -- beide erleben eine Art Niedergang und stehen demographisch mies da.

    in beiden Ländern träumen viele Frauen eigentlich auch noch von einem traditionellen Leben, wo der Mann allein genug Geld verdient. Seh ich zumindest so.

    ich genieße derweile den "Fachkräftemangel" ohne Aussicht darauf in der BRDDR mal vernünftig zu verdienen, da es ihn nicht gibt. Gerne lass ich mich erfolglos hypnotisieren mit tollen und aufregenden Märchen vom "Fachkräftemangel" der nur überall stattfindet in der BRDDR, nur nie vor meiner eigenen Haustür.

    Gerne auch ignoriere ich die Massen an Stellensuchenden die sich auf viel zu wenige Stellen bewerben in den meisten Berufen und all jene, die sich über ewig lange Praktika erst etablieren müssen, oder die zum zweit- und drittstudium in der Uni parken - manchmal schon mit Doktortitel wieder im Bachelor des nächsten Fachs, da nichts gefunden mit dem Ersten. Nein - das ist "Fachkräftemangel"

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