Jugoslawischer Expräsident
Ärzte suchen nach Giftstoffen in Milosevics Blut

Slobodan Milosevic ist dem vorläufigen Autopsiebericht zufolge an einem Herzinfarkt gestorben. Doch die Anhänger des jugoslawischen Expräsidenten glauben nicht daran. Der mysteriöse Tod Milosevics verstärkt die Ressentiments vieler Serben gegen den Westen und dessen angeblich feindliche Absichten.

HB DEN HAAG. Die Obduktion habe ergeben, dass Milosevic an zwei Herzerkrankungen gelitten habe, sagte die Sprecherin des UN-Tribunals, Alexandra Milenov, am Sonntagabend. Über die Art der Erkrankungen machte sie keine näheren Angaben, erklärte jedoch, möglicherweise hätten diese zu Milosevics Tod geführt. Toxikologische Tests stünden noch aus.

Milosevics Anwalt Zdenko Tomanovic hatte am Sonntag einen am Freitag von Milosevic aufgesetzten Brief vorgelegt, in dem dieser die Befürchtung äußerte, er könne in Uno-Haft vergiftet werden. "Sie wollen mich vergiften, ich bin ernsthaft besorgt und unruhig", schrieb Milosevic darin.

Der Leichnam Milosevics soll heute der Familie übergeben werden. Noch steht nicht fest, wo der Ex-Präsident beigesetzt wird. Milosevics Frau Mirjana (Mira) Markovic sprach sich in einem Interview mit der serbischen Tageszeitung "Vecernje novosti" für eine Beisetzung in Pozarevac, der Heimatstdt ihres Mannes aus.

Markovic beschuldigte das Uno-Kriegsverbrechertribunal, es habe ihren Mann getötet, weil es "keine Gründe für eine Verurteilung hatte und ihn nicht freilassen konnte". Mira Markovic ist seit 2003 auf der Flucht, seitdem sie in Serbien wegen Machtmissbrauchs angeklagt und ein internationaler Haftbefehl gegen sie ausgestellt worden war. Berichten zufolge soll sie sich gemeinsam mit ihrem Sohn Marko in Russland versteckt halten.

Auf die Frage, ob eine Vergiftung den Herzinfarkt ausgelöst haben könnte, sagte die UN-Sprecherin, es sei noch zu früh, um endgültige Schlüsse zu ziehen. Der Abschlussbericht werde voraussichtlich in den kommenden Tagen veröffentlicht.

Die Autopsie dauerte nach Angaben der Tribunal-Sprecherin knapp acht Stunden. Sie wurde im Beisein eines serbischen Pathologen durchgeführt, um mögliche Zweifel am Ergebnis auszuschließen. Der für die Zusammenarbeit mit dem Haager Tribunal zuständige Serbische Nationalrat erklärte, die Obduktion sei von drei niederländischen Pathologen „sehr professionell“ ausgeführt und per Video aufgezeichnet worden.

In einer Blutprobe Milosevics vom Januar wurden niederländischen Medienberichten zufolge Spuren eines Medikamentes gegen Lepra und Tuberkulose entdeckt. Das Medikament habe die Wirkung der Blutdrucksenkungsmittel beeinträchtigt, die Milosevic eingenommen habe.

„Es war kontraproduktiv“

NOS-Kommentatorin Heikelina Verrijn Stuart sagte, ihr liege eine Bestätigung vor, wonach Milosevics Ärzte das Medikament in seinem Blut entdeckt hätten. Dies habe sich nicht mit den Medikamenten vertragen, die der 64-Jährige gegen seinen hohen Blutdruck und seine Gefäßkrankheit genommen habe. „Es war kontraproduktiv“, erklärte Stuart, eine Anwältin, die den Prozess verfolgte.

In Serbien blieb es nach dem Bekanntwerden des Todes ruhig. Milosevics Anhänger, die sich auf rund 30 Prozent der Wähler stützen können, beschworen zwar die vorhandenen Ressentiments gegen den Westen und dessen angeblich feindliche Absichten gegenüber allen Serben. Viele Menschen gedachten jedoch lieber dem Tod von Zoran Djindjic, der zu den Anführern der demokratischen Bewegung gehörte, die Milosevic im Herbst 2000 gestürzt hat. Am Sonntag jährte sich zum dritten Mal der Tag, an dem Djindjic von Radikalen erschossen worden ist.

Der Prozess gegen Milosevic begann Februar 2002 und wurde wegen des schlechten Gesundheitszustands des Angeklagten mehrfach unterbrochen. Milosevic wurde 1999 als erstes amtierendes Staatsoberhaupt wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Den Haag angeklagt, später wurde die Anklage um Völkermord erweitert. Ihm wurden 66 Kriegsverbrechen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und im Kosovo in den 90er Jahren zur Last gelegt.

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