Julia Timoschenko
Westliche Ärzte bestätigen amtliche Diagnose

Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko muss weder ins Krankenhaus eingeliefert noch operiert werden, sollen westliche Ärzte diagnostiziert haben. Ein Anwalt der Oppositionellen widerspricht dieser Angabe jedoch.
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KiewWestliche Ärzte haben nach Angaben der ukrainischen Justiz die offizielle Diagnose der inhaftierten Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko bestätigt. Die frühere Ministerpräsidentin müsse weder ins Krankenhaus eingeliefert noch operiert werden, erklärte der Staatsanwalt Viktor Pschonka am Freitag. Timoschenkos Tochter warf den Behörden in einem Interview erneut Folter und Erpressung vor.

Die zwei deutschen und drei kanadischen Ärzte seien praktisch zum selben Ergebnis wie ihre ukrainischen Kollegen gelangt, sagte Pschonka nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Ein Anwalt der Oppositionellen hatte dagegen am Donnerstag mitgeteilt, die ausländischen Ärzte hätten ihren „ernsten Zustand“ bestätigt. Ihren Anwälten zufolge kann sich Timoschenko wegen eines schweren Rückenleidens kaum bewegen und muss dringend ins Krankenhaus.

Die Ärzte hatten Timoschenko diese Woche im Gefängnis von Charkiw untersucht und sind ohne eine öffentliche Stellungnahme abzugeben bereits abgereist. Die deutsche und kanadische Botschaft wollten sich zum Ergebnis der Untersuchung ebenfalls nicht äußern. Die ukrainischen Behörden hatten die Untersuchung durch die ausländischen Mediziner zugelassen, nachdem Berichte über den schlechten Gesundheitszustand der Politikern für Schlagzeilen gesorgt hatten.

Timoschenkos Tochter Jewgenija warf den Behörden unterdessen Erpressung und Folter ihrer Mutter vor. Die Gefängnisärzte verweigerten ihr trotz heftiger Rückenbeschwerden Schmerzmittel, fälschten ihre Diagnosen und ermöglichten damit stundenlange Verhöre, sagte die 31-Jährige in einem vorab vom Nachrichtenmagazin „Focus“ verbreiteten Interview. „Meine Mutter muss mit akuten Schmerzen zu Verhören, obwohl sie nicht einmal sitzen kann. Jeden Tag, bis zu zwölf Stunden. Das ist Folter.“

Die seit August inhaftierte Timoschenko war im Oktober wegen Machtmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Sie wurde für schuldig befunden, während ihrer Zeit als Ministerpräsidentin ihre Machtbefugnisse überschritten und ihrem Land beim Abschluss von Gasverträgen mit Russland Schäden in Millionenhöhe zugefügt zu haben. Ihre Tochter sprach im Januar bereits in Berlin, Paris, Straßburg und Kopenhagen vor. Die EU kritisiert die Inhaftierung Timoschenko als politisch motiviert.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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