Juncker muss bleiben
In der EU ist kein Platz für Schäuble

Ist Eurogruppenchef Juncker unersetzbar? Deutschland und Frankreich haben jedenfalls keine Nachfolgelösung für den EU-Veteran parat. Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt dazu: „Im Augenblick haben wir andere Sorgen.“
  • 2

BrüsselDas Amt ist nicht „vergnügungssteuerpflichtig“ – so lautet eine Einsicht von Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker. Es sieht mal wieder so aus, als ob der Luxemburger weiter als Vorsitzender der Euro-Finanzminister weitermachen muss – weil es keinen geeigneten Nachfolger gibt. Die Euro-Giganten Deutschland und Frankreich, die alles ganz neu und anders machen wollten in der krisengeschüttelten Eurozone, ziehen sich jedenfalls zurück.

Im deutschen Presseraum des EU-Ministerrats in Brüssel erklärt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Dienstag eher beiläufig, Juncker sei ja wiedergewählt worden. „Im Augenblick haben wir andere Sorgen.“ Sein neben ihm sitzender französischer Amtskollege Pierre Moscovici nickt – und widerspricht nicht.

Noch im Sommer gab es ganz andere Aussichten. Der 57 Jahre alte Juncker bekam ein neues Mandat als Vorsitzender des exklusiven Minister-Clubs. Der als amtsmüde geltende EU-Veteran kündigte gleichzeitig an, nach etwa sechs Monaten, also um den nächsten Jahreswechsel herum, den Topposten vorzeitig aufgeben zu wollen. Danach, so lautete damals die vollmundige Devise des französischen Staatspräsidenten François Hollande, werde es eine „deutsch-französische Lösung“ für die Eurogruppe geben.

Wie sollte das konkret aussehen? Der Herr des Elyséepalastes ließ es weise offen. Beobachter raunten etwas von einer Rotation – erst Schäuble (CDU), dann Moscovici, ein Sozialist. Nun lösen sich diese Träume offensichtlich in Wohlgefallen auf.

Der wendige und vielsprachige Premier Luxemburgs erweist sich in der Krise als unersetzbar, auch wenn es in den Schuldenturbulenzen Kritik an seiner Führung gab. Der Langzeit-Vorsitzende der Ministerrunde (seit 2005) hat nach Ansicht von Experten den Vorteil, aus einem kleinen Land zu stammen und rezessionsgeschüttelte Südländer des Kontinents nicht zu verprellen. Das Großherzogtum gehört zudem mit Deutschland, Finnland und den Niederlanden zu der immer kleiner werdenden Gruppe von Euroländern, die von den Ratingagenturen die Einsernote „AAA“ bekommen.

Seite 1:

In der EU ist kein Platz für Schäuble

Seite 2:

Damit Juncker bleibt, muss Mersch ins EZB-Direktorium

Kommentare zu " Juncker muss bleiben: In der EU ist kein Platz für Schäuble"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Im Moment haben wir andere Sorgen" Stimmt lieber Herr Schäuble...nämlich, wie werde ich den EURO wieder los.
    Und solange das nicht geschieht haben wir nicht nur im Moment andere Sorgen, sondern auf Dauer.

  • Keiner lügt eben so "ehrlich" wie Juncker. Und auf Sylt wäre sicherlich genug Platz für Schäuble, um in Ruhe seinen Lebensabend zu genießen. Da ist die Luft auch gesünder als in Brüssel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%