Juncker-Nachfolge

Vorsitz der Euro-Gruppe soll rotieren

Schon mehrfach wurde Wolfgang Schäuble als möglicher Nachfolger von Euro-Gruppen-Chef Juncker gehandelt. Inzwischen erwägen Deutschland und Frankreich angeblich ein Rotationsmodell für den Vorsitz. Kritik folgt prompt.
Update: 08.07.2012 - 15:49 Uhr 23 Kommentare
Wer tritt die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an? Einem Bericht zufolge könnten es Wolfgang Schäuble und der Franzose Pierre Moscovici werden. Quelle: Reuters

Wer tritt die Nachfolge von Jean-Claude Juncker an? Einem Bericht zufolge könnten es Wolfgang Schäuble und der Franzose Pierre Moscovici werden.

(Foto: Reuters)

BerlinIn die Debatte um die Neubesetzung des Vorsitzes der Euro-Gruppe kommt Bewegung. Für die Nachfolge des Luxemburger Regierungschefs Jean-Claude Juncker, dessen Amtszeit in diesem Monat ausläuft, erwägen Deutschland und Frankreich ein Rotationsverfahren, wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ berichtet.

Demnach würde Frankreichs Präsident François Hollande zunächst Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble als Vorsitzenden der Euro-Finanzminister akzeptieren. Nach der Hälfte der insgesamt zweieinhalbjährigen Amtszeit könnte dann der französische Finanzminister Pierre Moscovici übernehmen. Eine solche Lösung würde es Angela Merkel wie Hollande ermöglichen, ihr Gesicht zu wahren.

Der Sprecher Schäubles, Martin Kotthaus, sagte am Sonntag der dpa mit Blick auf den Euro-Gruppenvorsitz: „Es gibt keinen neuen Stand.“ Am Freitag hatte er gesagt, es gebe bisher keine Lösung für den Posten. Schäuble habe wiederholt erklärt, dass er sich um das Amt nicht reiße, aber auch nicht davor zurückscheuen würde.

Pierre Moscovici tat die Spekulationen um ein Rotationsverfahren ab. Er wisse nicht, wo solche Überlegungen herkämen, und sie spielten auch keine Rolle, sagte er am Sonntag in Aix-en-Provence. Frankreichs Haltung sei, den Präsidenten der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker zu bewegen, noch etwas länger zu amtieren.

Erste Kritik an einem deutsch-französischen Vorsitz kommt von den Grünen. Sie lehnen es ab, die Amtszeit für den künftigen Vorsitzenden der Euro-Gruppe zwischen Deutschland und Frankreich aufzuteilen. „Sollten sich Frankreich und Deutschland tatsächlich beim Eurogruppen-Vorsitz darauf verständigt haben, dass ihre beiden Finanzminister das jeweils zwei Jahre machen, dann wäre das ein doppelter Witz“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, Handelsblatt Online.

„Diese Funktion wurde ja gerade geschaffen, damit der Vorsitz nicht ständig rotiert, sondern damit die Eurogruppe nach innen stabiler zusammenarbeitet und nach außen eine verlässliche Stimme hat. Gerade jetzt in der Krise wird das immer wichtiger.“ Eine Rotation nach jeweils zwei Jahren führe gerade wieder zu der Problematik, die eigentlich überwunden werden solle. „Eine wirkliche Perspektive für eine bessere Governance in Europa schafft man durch diese Vorgehensweise nicht.“

Gerhard Schick ist finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion in Berlin. Quelle: dapd

Gerhard Schick ist finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion in Berlin.

(Foto: dapd)

Ein solcher deutsch-französischer Vorschlag entspringe „der intergovernementalen Denkweise, die kennzeichnend ist für das schlechte Krisenmanagement in der Eurozone“, sagte Schick weiter. „Wir brauchen jetzt im Gegenteil den Mut zu klaren Verantwortlichkeiten und funktionsfähigen Strukturen in Europa.“ Hinzu komme, dass das Misstrauen der kleineren gegenüber den größeren Ländern durch eine solche deutsch-französische Absprache wachsen dürfte.

Schick wies daher darauf hin, dass schon vor längerer Zeit der amtierende Eurogruppen-Chef, der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, vorgeschlagen hatte, dass sein Nachfolger als Chef der Euro-Gruppe diese Aufgabe hauptamtlich übernehmen solle. Juncker hatte dies damit begründet, dass die Arbeit als Luxemburger Regierungschef zeitlich nicht mit der sehr anstrengenden Arbeit für die Eurogruppe vereinbar sei. „Wenn das für einen Regierungschef eines sehr kleinen Landes gilt, dann gilt das sicher auch für einen deutschen oder französischen Finanzminister“, sagte der Grünen-Experte Schick. „Weder Deutschland noch Frankreich können sich einen Teilzeit-Finanzminister leisten. Und die Euro-Gruppe braucht an ihrer Spitze eine Person, die sich mit voller Kraft dem Krisenmanagement widmen kann und die Perspektive des gesamten Währungsraums einnimmt und nicht nur die Sicht ihres einzelnen Mitgliedstaates vertritt.“

Die Finanzminister der Euro-Gruppe treffen sich an diesem Montag (9. Juli) in Brüssel. Dabei soll es auch um die schwierige Besetzung mehrerer EU-Spitzenposten gehen, darunter den Vorsitz der Euro-Gruppe. Jean-Claude Juncker war beim jüngsten Euro-Gipfel gebeten worden, die Euro-Finanzminister für weitere sechs Monate zu führen.

Juncker will den Direktoriumsposten für sein Land
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Juncker-Nachfolge - Vorsitz der Euro-Gruppe soll rotieren

23 Kommentare zu "Juncker-Nachfolge: Vorsitz der Euro-Gruppe soll rotieren"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.


  • eine rotierende Theatertruppe drittklassiger Clowns.

    Pure Basisdemokratie, bitte keine Entscheidungen.....

    Da waren ja die Häkelgruenestrickgruppierung zu Gründungszeiten quasi diktatorisch geprägt...

  • Das Gesockse in Brüssel sollte man zum Teufel jagen!

  • In seinem kleinen, aber treffsicher verfaßten Büchlein "Amerikas Kreuzzug" warnte Norman Mailer (leider verstorben), er sehe die USA in den Faschismus abgleiten.
    Gerald Celente schrieb in einem seiner letzten Internetauftritte voller Wut, die USA seien im Faschismus gelandet.
    Der Historiker, Webster Tarpley, oft vom Kopp-Verlag herangerufen, sagte in seinem letzten Aufsatz, die Bilderberger seien entschlossen, die USA nach rechts zu schieben und er assoziierte Goldman Sachs.

    Tarpley wurde demontiert und wird mit Celente nicht mehr erwähnt auf den einschlägigen Seiten, und an das Büchlein von Norman Mailer erinnert sich wahrscheinlich keine S..., obwohl gut verkauft.

    Mir sind noch enige andere renommierte Autoren und Historiker bekannt, die ich nicht alle aufzählen möchte, aber Warner gibt es einige und die erscheinen im Netz so gar nicht.

    Als Wulff gehen mußte, behauptete die alternative Presse geschlossen, der Mann müsse gehen, weil er den ESM nicht unterschreiben wolle! Allen voran die Autoren von Kopp. Viel blöder ging's nicht. Ulfkotte - vorsicht! Er schürt die Aggression der Türken!

    DMN ist eine zwielichtige Gesellschaft (Qudriga-Kapital die Vita lesen) und wer rechnen kann, wird ermitteln, daß diese Seite wenigstens 100.000 Euro im Jahr kosten sollte. Und die spärliche Werbung reicht mit Garantie nicht, die Seite zu finanzieren. Die "Autoren" arbeiten auch Wochenends!
    Es ist ein leichtes für Geheimdienste, 1000 Seiten ins Netz zu stellen und die zentral zu steuern. So wird's billg. Und die Jubelrufe, wie toll die Seite ist, schreibt man selber.

    Anm. Brockhaus aufschlagen unter 2+4-Vertrag und vergleichen mit dem, was Infokrieger per Videobotschaft zu sagen hat über Schäubles Botschaft "Deutschland sei nicht souverän".

  • Ja lasst uns bitte endlich demonstrieren. Cabaret koennte nicht besser sein. Wenn ich allerdings bedenke das es um unser aller Geld geht, das momentan in den Sand gesetzt wird vergeht mir das Lachen.

  • Kommt daher der Begriff "Rotationseuropäer"?

  • Da kommt's jetzt auch nicht mehr drauf an, in einem halben Jahr ist der Euro beerdigt. Laßt dem Juncker doch den Titel, der soll sich das Eurogruppenchefpöstchen mal auf seinen eigenen Grabstein meißeln lassen.

  • Nichts gegen das Rotieren im Euro-Gruppen Vorsitz. Das entleert das gastrische System und dieserlei flotte Entleerung ist bedeutend gesünder als das Leeren der mageren Kassen der Steuerzahler. Das Produkt der durch Ratation entstandenen erleichternden Entleerung dient dann als Dünger in Schäubles und seiner Kollegen Gärten, so sie solche ihr Eigen nennen.

  • " Vorsitz der Euro-Gruppe soll rotieren "
    " Pequod
    . Warum nimmt man nicht Robert Diamond von der Barclays
    Bank, ... "

    Ich wüßte einen Besseren: DAGOBERT DUCK
    Über diese geldgeile Komikfigur kann man wenigstens noch lachen...

  • Also mal ehrlich, anstatt sich über das Geschacher auf dem Basar "EU" Gedanken zu machen, solltet ihr euch lieber mit dem Gedanken anfreunden, entweder endlich auf die Strassen zu gehen und dieses EU-Gesindel zum Teufel jagen oder eben lernen, wie sich ein rechtloser Sklave gegenüber seinem Besitzer zu verhalten hat

  • Warum nimmt man nicht Robert Diamond von der Barclays
    Bank, der zur Zeit ohne Job ist und sicherlich die Vor-
    aussetzungen für die Position des Euro-Gruppen-Chefs
    mitbringt?

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%