Juncker-Nachfolger
Dijsselbloem muss sich um Zypern statt um Schweine kümmern

Eigentlich war klar, dass Jeroen Dijsselbloem der Nachfolger von Jean-Claude Juncker als Eurogruppen-Chef werden soll. Doch die französische Regierung sperrte sich noch gegen die Berufung des Niederländers. Bis jetzt.
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BrüsselFrankreich will die Wahl des Niederländers Jeroen Dijsselbloem zum neuen Eurogruppen-Chef nicht länger verzögern. Nach dem Treffen der Euro-Finanzminister am Montagabend werde es „ohne Zweifel einen neuen Präsidenten geben“, sagte der Pariser Ressortchef Pierre Moscovici bei seiner Ankunft im Brüsseler Ratsgebäude. Dijsselbloem ist der einzige Kandidat für die Nachfolge Jean-Claude Junckers.

Am Donnerstag hatte Moscovici noch eine Verschiebung der Wahl auf Februar gefordert, weil Dijsselbloem seine „Vision“ für die Zukunft der Währungsunion noch nicht klar dargelegt habe. Das soll nun in der Sitzung am Montag nachgeholt werden: Er habe auf eine Debatte darüber gepocht und sei froh, dass diese stattfinde, sagte Moscovici.

Dijsselbloem ist ein Spezialist für Landwirtschaft, soll zuhause ein Pferd und Schweine halten. Doch die Zeit für sein Hobby wird bald knapp: Wenn er zum Chef der Eurogruppe gekürt wird, wird sich der 46-Jährige statt um Schweine vor allem um Griechenland, Spanien und Zypern kümmern müssen.


Paris wollte die Berufung des unerfahrenen „Greenhorns“ aus Eindhoven noch verzögern, um ihn mehr auf die eigene Linie zu trimmen. Doch am Montag sei „mit keinen weiteren Torpedos aus Paris zu rechnen“, hieß es aus Ratskreisen. „Es geht alles seinen Lauf“, sagte auch Juncker bei seinem Eintreffen in Brüssel.

Zu seinem neuen Amt kommt Dijsselbloem wie die Jungfrau zum Kinde: Er ist studierter Agrarökonom, startete als „roter Ingenieur“ in die Politik, um die niederländische Sozialdemokratie zu erneuern. Zehn Jahre saß er im Parlament, kümmerte sich um Bildungs- und Migrationspolitik. Nach der Neuwahl in den Niederlanden saß er als Verhandlungsführer mit am Tisch und schmiedete die Koalition mit den Rechtsliberalen.

Dennoch galt es als Überraschung, als ihn Regierungschef Mark Rutte zum Finanzminister berief. Und nur drei Monate später soll der Lockenkopf die vielen Fäden in der Währungsunion zusammenführen und den Weg aus der Krise aufzeigen. Damit gehen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und seine Kollegen ein Risiko ein.

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  • Interessanter ist es die Position Frankreichs zu beleuchten...
    Man will den Niederländer "briefen" so auf die französische Linie bringen. Nur eine EU, ein Euro und ein System zum Nutzen von Frankreich ist auf Linie ....Ein guter Europäer ist nur der der Frankreich nützt, inclusive der Vergemeinschaftung der Schulden via Transfers und Bankenunion.
    Es geht nicht um Europa es geht nur um La France!

  • Kleine Insel, wenig Einwohner ... aber viele Banken, große Zocker und die Gier mit wenig "Leistung" viel Geld zu verdienen ... ging leider schief.

    Aber ... die brave EU ist ja da und willig 2stellige Milliardenbeträge hineinzuschießen. Natürlich auf Risiko der europäischen Stuerzahlern.

    Ein schlechtes Gewissen haben die Verantwortlichen Banker nicht. Gewinne zu privatiieren und Verluste zu sozialisieren, ist ein bequemer schneller Reflex.

    Damit es auch schön verträglich wird, werden sicherlich wohlklingende Sondernnamen und schöne kleine Geschichtchen präsentiert. Zypernhilfe, Kreditpaket Zypern, Bankenhilfe u.a. alles schöbe Worte, um einen Zustand zu beschreiben:

    Ein gigantischer Milliardenausleich soll schlicht "hineingeschoben" werden und die Steuerzahler sollen haften. Eben nicht die ANLEGER, die aus GIER um höhere Prozente hier sich engagierten. Die ANLEGER sollen auf Schuldenbasis EU ... doch wieder an "ihr" (nun fremdes) Geld kommen. Zypern zeigt kein Alternativmodell auf, als die pure Gier einfach EU-Gelder sich einzuverleiben ... mit natürlich unsicherem Rückzahlungsszenario. Das ist jedoch schlicht gewollt, denn so (siehe Griechenland) wird die EU erpressbar, immer wieder neues Geld hinterherzuschieben (man mag ja nicht die alten Einlagen verlieren).

    Jetzt muss nur noch die verblödete EU einbringen, den Bürgern Geschichtchen erzählen ... und die willige Geldschatulle öffnen. Es ist fast wie ein Banküberfall ... nur ist diesmal alles schön gesetzlich flankiert. Der Banküberfall richtet sich auch nicht auf die Bank, sondern auf die Bürger. Die müssen es sich gefallen lassen, da die Auslöser -anders als ein Bankräuber- gesetzlich legitimiert sind.

  • Zypern: "Abreißblöcke mit Kreditantragsformularen" für Dienstleister der organisierten Kriminalität

    Mit Blick auf den zypr.Antrag auf Gewährung von Finanzhilfen bemerkte CDU-Haushaltspolitiker Willsch im HB-Interview :

    „Man gibt sich nicht einmal mehr die Mühe, irgendwelche Argumente in Sachen Bedrohung der Euro-Zone als Ganzes zu konstruieren, sondern bestellt einfach günstigeres Geld.“

    Zypern habe die Einwohnerzahl und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) einer deutschen Großstadt. „Das kann unmöglich den Euro-Raum als Ganzes bedrohen“, sagte Willsch. „Sonst kann man gleich Abreißblöcke mit Kreditantragsformularen drucken lassen.“
    Hintergrund seiner Bemerkungen ist die gezielt verdrängte Tatsache, dass selbst nach den wachsweichen Regeln des EFSF Hilfen nur zulässig sind, wenn sie der Stabilität der Euro-Zone als Ganzes dienen.
    Was Willsch höflicherweise verschweigt, ist, dass mit Zypern nicht der Patient sondern die Krankheit gerettet würde.
    Zyperns via Ouzobonds ins Wanken geratene Briekastenwirtschaft lebt von Geldwäsche/Steuerschiebung zu Lasten (nicht nur) der EU- Bündnisstaaten.

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