Justizminister dagegen
Niederländer sollen Marihuana anbauen dürfen

Zahlreiche niederländische Abgeordnete wollen die liberale Drogenpolitik ihres Landes weiter ausbauen und in Zukunft Anbau und Verkauf von Marihuana erlauben. Sie versprechen sich davon die Eindämmung des Drogenschmuggels - und zusätzliche Steuereinnahmen.

HB AMSTERDAM. Auch eine Reihe von Bürgermeistern unterstützt ein entsprechendes Pilotprojekt, das am Freitag in Amsterdam vorgestellt wurde. Es sieht vor, zunächst bei Maastricht die Pflanzen unter öffentlicher Kontrolle anzubauen und in Coffee Shops zu verkaufen. Die Händler müssten ihre Kunden über Herkunft des Rauschgifts, über seine chemische Zusammensetzung und die Gefahr des Konsums informieren.

Die Befürworter der Initiative wollen durch die Kontrolle des Marktes den Drogenschmuggel eindämmen - indem die Herkunft der Drogen so zurückverfolgt werden könnte. Außerdem wäre die Legalisierung und Besteuerung einer ganzen Industrie möglich, deren Umsatz in den Niederlanden auf 600 Mill. Euro geschätzt wird. Nach derzeitiger Gesetzeslage wird der Besitz von bis zu 30 Gramm Haschisch nicht strafrechtlich verfolgt, der Anbau jedoch schon. Die Pflanzen werden deswegen in unterirdischen Gewächshäusern angebaut, wobei die Marihuana-Züchter oft illegal Strom abzapfen und ganze Wohngegenden kriminalisieren.

Der Abgeordnete Frans Weekers von der konservativen Partei VVD bezeichnete die Gesetzeslage als scheinheilig. Dadurch würden mehr Probleme geschaffen als gelöst. Es gebe weder in der Gesellschaft noch unter Politikern die Absicht, Marihuana zu illegalisieren, sagte er. Deswegen müsse nun „der nächste Schritt“ gemacht werden. Wenn das Pilotprojekt erfolgreich verlaufe, könne man auch in den Nachbarländern dafür werben. 30 Jahre nach der Tolerierung des Haschisch-Konsums liegt die Quote in den Niederlanden international im Mittelfeld. In Skandinavien wird weniger, in Großbritannien und den USA mehr Haschisch geraucht als in den Niederlanden.

Dennoch lehnt der niederländische Justizminister Piet Hein Donner das Pilotprojekt strikt ab. Der Plan verletzte nicht nur niederländische und internationale Gesetze, sagte sein Sprecher Wibbe Alkema. Die Legalisierung könne auch eine Sogwirkung auslösen, so dass noch mehr Drogenkonsumenten aus dem Ausland in die Niederlande kämen, um sich mit Marihuana zu versorgen. Noch im Dezember steht eine Generaldebatte über die Drogenpolitik auf der Tagesordnung des Parlaments.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%