„Jyllands-Posten“
Jesus-Karikatur schaffte es nicht ins Blatt

Mit der Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen wollte die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ ein Zeichen für Meinungsfreiheit setzen. Nun muss sich das Blatt den Vorwurf gefallen lassen, das Banner der Freiheit bei einer satirischen Jesus-Darstellung weniger hoch gehalten zu haben.

HB AARHUS. Der Karikaturist Christoffer Zieler sagte am Mittwoch, vor drei Jahren habe er dem Blatt seine Jesus-Zeichnung angeboten. Der damals zuständige Redakteur habe sie aber abgelehnt, weil sich seiner Meinung nach dadurch die „Jyllands-Posten“-Leser beleidigt fühlen könnten. In der Karikatur nahm Zeiler das Thema der Auferstehung von Jesus aufs Korn. Der Redakteur sei nicht derselbe Journalist gewesen, der die Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen im September veranlasste, fügte der Zeichner hinzu. Der Redakteur arbeitet noch für „Jyllands-Posten“. Er war für eine Stellungnahme jedoch zunächst nicht erreichbar.

„Jyllands-Posten“ hatte als erstes europäisches Blatt die Karikaturen des Propheten Mohammed abgedruckt. Ihre Veröffentlichung in weiteren europäischen Zeitungen führte in den vergangenen Wochen zu gewaltsamen Protesten in zahlreichen moslemischen Ländern, bei denen inzwischen mehrere Menschen ums Leben kamen. Der zuständige „Jyllands-Posten“-Redakteur hatte sich nach den immer gewaltsameren Protesten für die Mohammed-Karikaturen entschuldigt. Gleichzeitig verteidigte er deren Abdruck unter Verweis auf die Meinungsfreiheit.

Französische Satirezeitschrift landet mit Karikaturen-Abdruck Kassenknüller

Unterdessen hat das Pariser Satireblatt „Charlie Hebdo“ mit dem Abdruck der dänischen Mohammed-Karikaturen einen Verkaufshit gelandet, der selbst die Redaktion überraschte. Am Mittwoch waren bis mittags bereits nahezu 400 000 Exemplare der Ausgabe verkauft, teilte der Leiter der Zeitschrift, Philippe Val, mit. Die Wochenzeitung, die in der Regel 140 000 Exemplare drucken lässt, hatte zunächst 160 000 für die Sonderausgabe geplant und dann wegen der riesigen Nachfrage zwei Mal nachdrucken lassen.

In Rechtsstaaten sei es notwendig, die dänischen Karikaturen zu veröffentlichen, von einer kritischer Berichterstattung begleitet, forderte Val andere Medien auf, die Zeichnungen ebenfalls zu drucken. Muslimverbände hatten vergeblich versucht, die Auslieferung der Sondernummer von „Charlie Hebdo“ juristisch zu stoppen. 11 der 16 Seiten sind dem Streit um die Zeichnungen aus „Jyllands-Posten“ gewidmet. Die dänischen Karikaturen wurden nur klein abgebildet.

Chirac erzürnt

„Charlie Hebdo“ titelt mit einem Mohammed, der sich die Augen zuhält und ruft: „Es ist hart, von Idioten geliebt zu werden.“ In Eigenbeiträgen werden Vertreter der drei monotheistischen Religionen gezeigt, die sich gemeinsam gegen die Satire stellen. Auf einem Bild hält ein Selbstmordattentäter mit Sprengstoffgürtel das Mohammed-Bild mit Bombenturban hoch und erklärt: „Wenn der Zeichner die Bombe um Mohammeds Taille gelegt hätte, hätten wir nichts gesagt.“ Auf einem anderen Bild erklärt Mohammed: „Das ist das erste Mal, dass ich über die Dänen lache!“.

Der französische Präsident Jacques Chirac verurteilte am Mittwoch die Provokation der „Leidenschaften“ gläubiger Muslime. „Es muss alles vermieden werden, was die Überzeugungen anderer, besonders die religiösen Überzeugungen, verletzen kann“, sagte Chirac im Kabinett. „Die Meinungsfreiheit muss im Geiste der Verantwortung ausgeübt werden. Ich verurteile alle offensichtlichen Provokationen, die geeignet sind, gefährliche Leidenschaften zu entfachen.“

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