Kabinettsbildung
Obamas Klima-Team mit Nobelpreisträger

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat den Physik-Nobelpreisträger Steven Chu als Energieminister nominiert und ein Bekenntnis zu einer unabhängigeren Energieversorgung abgelegt. Koordiniert werden die Themen Energie und Klimapolitik im Präsidialamt künftig von einer Frau.

HB CHICAGO. „Im 21. Jahrhundert wissen wir, dass die Zukunft unserer Wirtschaft und unserer nationalen Sicherheit unauflöslich mit einer Herausforderung verbunden sind: Energie“, sagte Obama bei der Vorstellung seines neuen Ministers in Chicago. Amerika müsse neue Formen der Energie entwickeln und zugleich einen neuen Umgang mit Ressourcen erlernen, unterstrich Obama. Dies sei nicht nur eine Herausforderung für die Regierung, sondern für die gesamte Gesellschaft.

Obama hob bei der Vorstellung seines neuen Ministers die Bedeutung einer unabhängigeren Energieversorgung für die USA hervor. „Alle von uns kennen, die Probleme, die in unserer Abhängigkeit von fremdem Öl ihre Ursache haben. Unsere Wirtschaft ist eingeschränkt, Reichtum wird in feindliche Staaten übertragen und wir sind abhängig von instabilen Regionen“, sagte Obama.

Zwar hätten auch andere Präsidenten vor ihm die Bedeutung einer größeren Unabhängigkeit der Energieversorgung betont, sagte Obama. „Dieses Mal muss es aber anders sein, dieses Mal dürfen wir nicht versagen“, sagte der demokratische Politiker. Bei einem Treffen mit dem früheren Vizepräsidenten und Vorkämpfer des Klimaschutzes, Al Gore, hatte Obama vor wenigen Tagen den Kampf gegen den Klimawandel als eine dringliche Angelegenheit bezeichnet, der zudem Arbeitsplätze schaffe.

Chu, der neue Energieminister und jetzige Leiter eines staatlichen Forschungslabors in Kalifornien, hatte 1997 den Nobelpreis erhalten. Er gilt als ein Vorreiter der Bewegung für eine stärkere Nutzung erneuerbarer Energien. Er sagte, er wolle sich dafür einsetzen, dass die Welt die Herausforderung des Klimawandels bewältigen werde.

Obama berief zugleich die frühere Leiterin der US-Umweltschutzbehörde, Carol Browner, zur Koordinatorin für für Energie und Klimapolitik im Präsidialamt. Diese Stelle gab es bislang nicht.

Unterdessen wurde die Wahl von Obama zum 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten jetzt auch formell besiegelt. Die 538 Wahlmänner aus 50 US-Staaten und dem Hauptstadtbezirk Washington DC wählten am Montag den bisherigen Senator aus Illinois zum Nachfolger von George W. Bush. Obama erhielt alle 365 Wahlmännerstimmen, die er bei der Wahl am 4. November gewonnen hatte. Sein Kontrahent John McCain kam auf 173 Wahlmännerstimmen. Angesichts dieser Mehrheitsverhältnisse galt die Abstimmung als reine Formsache, wenngleich die Mitglieder des Kollegiums in ihrer Entscheidung nicht gebunden sind.

Offiziell wird das Ergebnis der Abstimmung des Wahlkollegiums am 6. Januar auf einer gemeinsamen Sitzung von Senat und Repräsentantenhauses bekanntgegeben. Obama wird dann am 20. Januar als erster schwarzer Präsident in der Geschichte der USA sein neues Amt antreten.

Entscheidend für das Votum des Kollegiums ist das Wahlergebnis der einzelnen Staaten. Dem siegreichen Kandidaten fallen alle Wahlmänner-Stimmen dieses Staates zu. Jeder Staat hat so viele Wahlleute, wie er Vertreter in den Kongress entsendet. Außerdem stellt der District of Columbia, der Bezirk der Bundeshauptstadt Washington, drei Kollegiumsmitglieder.

Die Beteiligung an der Volkswahl am 4. November erreichte mit 61,6 Prozent der Stimmberechtigten den höchsten Stand seit dem Duell zwischen Richard Nixon und Hubert Humphrey im Jahr 1968, wie eine unabhängige Forschergruppe am Sonntag mitteilte. Demnach gaben mehr als 131 Mio. US-Bürger ihre Stimme ab. Vor vier Jahren waren es 122 Millionen. Die Beteiligung lag damals bei 60,1 Prozent.

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