Kaczynskis Berater
Polens deutschlandkritische Denker

Am heutigen Freitag besucht Angela Merkel Polens Staatschef Lech Kaczynski. Die Reise gilt als heikel, denn die deutsch-polnischen Beziehungen sind deutlich abgekühlt. Dass Deutsche und Polen seit Monaten aneinander geraten – von der Vertriebenen-Debatte bis hin zu ironischen Darstellungen der Kaczynskis in der Presse –, ist auch dem Einfluss einer bestimmten Gruppe geschuldet.

WARSCHAU. In Berliner Amtsstuben ist Marek Cichocki nicht gerade ein gern gesehener Gast. Man behandelt ihn höflich, aber kühl. „Ich mag es nicht, wenn mir jemand gleich im ersten Gespräch die ganze Welt erklären will“, sagt eine Bundestagsabgeordnete.

Das klingt recht barsch und trifft somit den Ton, der die deutsch-polnischen Beziehungen seit Monaten dominiert. Und Cichocki ist an der Gereiztheit nicht ganz unschuldig.

Der 42-Jährige ist deutschlandpolitischer Berater von Lech Kaczynski – und auch in der Debatte über die EU-Verfassung hört Polens Präsident auf Cichocki. Daher wird der Aufsteiger auch am Freitagabend beim Kamingespräch dabei sein, zu dem Kaczynski Bundeskanzlerin Angela Merkel in seine Residenz in Jurata an der polnischen Ostseeküste eingeladen hat.

Diese neue, unmittelbare Nähe zur Macht hat Marek Cichockis intellektuelles Selbstbewusstsein gewaltig gesteigert. Das ist auch seinen deutschen Gesprächspartnern nicht verborgen geblieben. Schon vor seinem politischen Höhenflug galt er im persönlichen Umgang als schwierig, wie Wissenschaftlerkollegen berichten. Hinzu kommt, dass ihm die Medien inzwischen die Tür einrennen, was sein Ego weiter stärkt. Gegenüber Freunden bekennt er allerdings: „Manchmal ist mir etwas unheimlich in dieser neuen Rolle.“

Den Regierenden in Berlin ist es eher Cichocki, der ihnen nicht ganz geheuer vorkommt. Cichocki gehört zu einer Gruppe Intellektueller in Polen, die sich als Stichwortgeber der nationalkonservativen Führung um die Brüder Kaczynski – Jaroslaw, der Bruder des Präsidenten, ist Premierminister – hervortun. Cichockis Mitstreiter sind Männer wie der Soziologe Zdzislaw Krasnodebski, der Juraprofessor Mariusz Muszynski, der Historiker Dariusz Gawin oder der Publizist Piotr Semka.

Es vergeht kaum ein Tag, an dem diese Gruppe nicht mit deutschland- oder europakritischen Beiträgen in den polnischen Medien hervortritt. Cichocki & Co. profitieren dabei davon, dass die Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ erheblichen Einfluss auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen und auf große Tageszeitungen wie die „Rzeczpospolita“ ausübt.

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