Kämpfe im Jemen
Präsident flüchtet auf dem Seeweg außer Landes

Die schiitischen Huthi-Rebellen haben den Flughafen von Aden erobert. Staatschef Hadi ist offenbar auf dem Seeweg aus der Stadt geflohen. Wo er sich derzeit aufhält, ist unklar.
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SanaaNach dem Vormarsch von Huthi-Rebellen im Jemen herrscht über den Verbleib von Präsident Abd-Rabbu Mansur Hadi Unklarheit. Der Staatschef sei nicht mehr in seiner Residenz, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums am Mittwoch in Washington. Die USA seien im Verlauf des Tages mit Hadi in Kontakt gewesen. Demnach verließ er seine Residenz freiwillig. Zu seinem jetzigen Aufenthaltsort gebe es in Washington aber keine gesicherten Informationen. Das Außenministerium des Jemens erklärte, Hadi halte sich weiter in der Hafenstadt Aden im Süden des Landes auf. Vertretern des Präsidialamtes zufolge floh er in einen anderen Palast am anderen Ende der Stadt.

In der südjemenitischen Stadt waren fast alle Läden und Cafés geschlossen, in den wenigen geöffneten starrten die Menschen gebannt auf die Fernsehschirme. Über den Staatssender setzten die Huthis ein Kopfgeld von 100.000 Dollar für die Ergreifung des Präsidenten aus.

Über dessen Aufenthaltsort gab es den ganzen Tag über widersprüchliche Informationen. Augenzeugen sagten der AP, sie hätten einen Fahrzeugkonvoi aus dem Präsidentenpalast fahren sehen. Weitere Fahrzeuge fuhren zum Flughafen.

Hadi - nach wie vor der international anerkannte Präsident des Landes - schien sich mit der Flucht außer Landes in Sicherheit gebracht zu haben. Die Huthis nahmen allerdings seinen Verteidigungsminister Mahmud al-Subaihi in der Provinz Lahdsch gefangen, wie die Regierung bestätigte.

Der Luftwaffenstützpunkt Al-Annad, in dem bis vor wenigen Tagen noch britische und amerikanische Soldaten stationiert waren, fiel bereits am Vormittag an die Rebellen, wie ihr Fernsehsender Al-Masira berichtete. Am Abend eroberten sie dann den Flughafen des nur 60 Kilometer entfernten Aden. Armeevertreter sagten der AP, die Hadi treu ergebenen Soldaten und Milizen seien „zerfallen“. Bewohner von Aden plünderten angesichts der möglicherweise bevorstehenden Eroberung der Stadt Militärlager.

An der Seite der schiitischen Huthis kämpften auch Soldaten des langjährigen Machthabers Ali Abdullah Salih. Sie halfen den Rebellen bereits im September die Hauptstadt Sanaa unter ihre Kontrolle zu bringen, im Januar besetzen die Huthis schließlich den Präsidentenpalast und stellen Hadi unter Hausarrest. Nach seiner Freilassung floh Hadi nach Aden und erklärte es zur vorübergehenden Hauptstadt des Landes.

Der jemenitische Außenminister Riad Jassin sagte dem Sender Al-Arabija, er habe am Mittwoch bei der Arabischen Liga offiziell die Entsendung einer Einsatztruppe gegen die Huthis gefordert. Hadi selbst hatte bereits die UN um Hilfe gebeten. Die Luftangriffe auf den Präsidentenpalast in Aden bezeichnete Jassin als versuchtes Attentat auf Hadi und warnte vor einer iranischen Übernahme des Jemen. Die Regierung sieht die Huthis als verlängerten Arm Teherans.

In Saudi-Arabien und anderen sunnitisch geprägten Staaten der Region wurde der Hilferuf Hadis gehört. Die Regierung in Riad erklärt, sie würde die „notwendigen Maßnahmen“ ergreifen, sollte der „Putsch der Huthis“ nicht friedlich enden.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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