Kämpfe in Aleppo
Berlin wirft Moskau Zynismus vor

Die Bundesregierung wirft Russland Zynismus im Umgang mit Aleppo vor. Eine dreistündige Feuerpause reiche nicht, um die Bewohner zu versorgen. Derweil macht Russlands Verteidigungsminister eine überraschende Ankündigung.

BerlinDie Bundesregierung hat das russische Vorgehen in der umkämpften syrischen Großstadt Aleppo scharf kritisiert und der Führung in Moskau Zynismus vorgeworfen. „Das Elend der Menschen dort ist nicht zu lindern, wenn drei Stunden Feuerpause am Tag verkündet werden“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. „Das soll wie ein Entgegenkommen klingen, ist aber eigentlich Zynismus, denn jeder weiß, dass diese Zeit nicht annähernd ausreicht, um eine Versorgung der verzweifelten Menschen wirklich aufzubauen.“ Dafür sei eine deutlich längere Waffenpause nötig. Der russische Außenminister Sergej Lawrow sagte nach einem Treffen mit seinem deutschen Kollegen Frank-Walter Steinmeier in Jekaterinburg, ihm sei klar, dass die kurzen Feuerpausen nicht genügten.

Russland, das den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad militärisch stützt, hatte zuletzt eine dreistündige Feuerpause pro Tag sowie Fluchtkorridore für Aleppo angekündigt. Lawrow sagte, eine längere Waffenruhe sei derzeit jedoch nur schwer machbar, weil sie den Aufständischen die Möglichkeit gäbe, sich neu aufzustellen und frische Waffen zu besorgen. Dies sei in der Vergangenheit so geschehen. Der stellvertretende russische Außenminister Michail Bogdanow will sich am Dienstag in Doha mit Vertretern der syrischen Opposition treffen, wie die Nachrichtenagentur RIA meldete.

„Das Töten und das Sterben in Aleppo müssen ein Ende haben“, forderte Seibert. Die Stadt brauche eine ungehinderte Versorgung mit Nahrungsmitteln und mit medizinischem Bedarf. „Der syrische Präsident und sein Partner Russland dürfen sich diesen humanitären Mindestforderungen nicht verweigern.“ Beide würden hauptsächlich die Verantwortung für die Lage in der früheren Millionenstadt tragen. „Ihre Entscheidung ist es in erster Linie, ob in Aleppo weiter gestorben wird oder ob die Menschen dort nach Monaten des Leidens Hilfe und Hoffnung bekommen“, betonte Seibert. Umgehend nötig seien nun von den Vereinten Nationen kontrollierte humanitäre Zugänge, über die die Menschen mit Lebensmitteln und Wasser versorgt werden könnten. Außerdem sei zumindest ein befristeter Waffenstillstand notwendig.

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