Kämpfe in Libyen: Gaddafi zwingt den Westen zum Handeln

Kämpfe in Libyen
Gaddafi zwingt den Westen zum Handeln

Gaddafi rückt auf den Ölhafen Ras Lanuf vor: Die Rebellen können den Diktator ohne Hilfe offenbar nicht stürzen. Uno und EU schicken nun Erkundungsteams nach Libyen - Spanien soll sogar eine Militärintervention erwägen.

Tripolis/New York/BerlinAngesichts der eskalierenden Gewalt stellt sich für den Westen immer mehr die Frage, wie er sich im Bürgerkrieg zwischen Gaddafi und den Aufständischen im Osten des Landes positionieren will. Wegen des Bürgerkriegs und der katastrophalen humanitären Lage schicken UN und EU Erkundungsteams nach Tripolis - Libyen hat der Entsendung zugestimmt. Ein Team der Europäischen Union ist nach Mitteilung der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton bereits auf dem Weg nach Libyen.

Die spanische Regierung befürwortet nach Informationen der Zeitung „El País“ eine Militärintervention in Libyen. Spanien würde an einem solchen Eingriff auch teilnehmen, wenn er als letztes Mittel erfolge und es ein Mandat des UN-Sicherheitsrats gäbe, berichtete das Blatt am Montag unter Berufung auf Madrider Regierungskreise.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) fordert weitere internationale Sanktionen gegen das Regime des libyschen Machthabers Muammar al Gaddafi. Der UNO-Sicherheitsrat müsse sich erneut mit der Lage in Libyen befassen, forderte Westerwelle am Montag in Berlin. Er fügte hinzu: „Weitere gezielte Sanktionen wie ein Stopp aller Zahlungen an das Gaddafi-Regime gehören dringend auf die Tagesordnung von EU und Vereinten Nationen.“

Unterdessen gehen die Kämpfe in der libyschen Wüste weiter: Vor allem entlang der Küstenlinie versuchen die Gaddafi-Truppen, an die Rebellen verlorene Städte zurückzuerobern. Die BBC meldete am Montag, die Regierungstruppen würden Bin Dschawad wieder kontrollieren. Augenzeugen berichteten, die Armee bewege sich auf der Küstenstraße östlich der am Vortag eroberten Stadt Bin Dschawad langsam in Richtung Ras Lanuf zu.

Die Eroberung von Ras Lanuf 660 Kilometer östlich von Tripolis am vergangenen Freitag war ein großer Erfolg der Rebellen. Ihr weiterer Vormarsch Richtung Westen auf Gaddafis Heimatort Sirte war jedoch am Sonntag bei Bin Dschawad im schweren Feuer der Regierungstruppen gescheitert. Gaddafi warf den internationalen Medien in einem Interview mit dem Fernsehsender France 24 am Montag vor, Lügen über die Lage zu verbreiten.

Die arabische Zeitung „Al-Sharq Al-Awsat“ berichtete am Montag, Gaddafi habe am Sonntag in der Hauptstadt Tripolis Waffen und Munition an junge Unterstützer verteilen lassen - die Männer hätten in mehreren Vierteln sinnlos herumgeballert, um Chaos zu stiften. Zugleich soll Gaddafi Kontakt zum von den Aufständischen gegründeten „Nationalrat“ in Bengasi aufgenommen haben: Bedingungen für sein Exil sei, das die neuen Machthaber ihn mitsamt seinem Vermögen ausreisen lassen und auf Ermittlungen gegen ihn und seinen Clan verzichten, berichtete „Al-Sharq Al-Awsat“.

Die libysche Führung rief derweil die Opposition in ihrer Hochburg Benghasi zum nationalen Dialog auf, um die Krise zu beenden - Zugeständnisse machte Gaddafi in der im Staatsfernsehen von einem früheren Ministerpräsident verlesenen Rede aber nicht. Ein Vertreter der Rebellen erteilte einem Dialog mit Gaddafi umgehend eine Absage: Sein Rücktritt sei Voraussetzung für jegliche Gespräche, sagte Ahmed Dschabril.

Angesichts von Gaddafis Gegenoffensive im Ölhafen Ras Lanuf kündigten die Rebellen an, sich neu zu formieren. Außerdem bräuchten sie schwere Waffen. Mohamad Samir, ein Heeresoberst auf Seiten der Aufständischen, sagte, nach Rückschlägen am Sonntag bräuchten seine Truppen Verstärkung aus dem Osten des Landes. Er wird von Regierungsgegnern kontrolliert.

In Al-Sawija, 50 Kilometer westlich von Tripolis, wechselte die Front binnen Stunden mehrmals hin und her. Am Ende hätten die Gaddafi-Gegner die Angriffe abgewehrt, hieß es. In Misurata, 210 Kilometer östlich von Tripolis, lieferten sich Gaddafis Truppen Häuserkämpfe mit den Rebellen. Bei den Kämpfen seien auch 14 Gaddafi-treue Soldaten der Elitebrigade, die von Gaddafis Sohn Chamies kommandiert wird, gefangen genommen worden, sagte ein Vertreter des "Nationalrats" Al-Dschasira.

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