Kämpfe in Nahost
Hisbollah feuert mehr Raketen denn je

Die Hisbollah gibt nicht nach: Trotz wochenlanger israelischer Angriffe hat die Miliz am Mittwoch eine Rekordzahl an Raketen abgefeuert. Indes rüttelt die Politik in Deutschland am großen Tabu: In der SPD wird eine Stationierung deutscher Soldaten in Nahost unter bestimmten Bedingungen für möglich gehalten.

HB BEIRUT. Für SPD-Chef Kurt Beck ist ein Bundeswehr-Einsatz im Nahen Osten durchaus vorstellbar. „Es ist sicher so, dass ein Einsatz deutscher Soldaten nicht völlig ausgeschlossen ist, da hat sich vieles verändert“, sagte er in Cochem.

„Aber es ist auch so, dass ein solches Mandat erst bestimmt werden kann, wenn eine Anforderung von Israel und möglicherweise auch vom Libanon und Syrien vorliegt. Das muss alles sorgfältig abgestimmt sein.“ Er könne sich sehr gut vorstellen, „dass wir als Deutsche andere Aufgaben als die Grenzsicherung zwischen Israel und dem Libanon übernehmen“, sagte Beck.

Der ehemalige deutsche Botschafter in Israel, Rudolf Dreßler, machte eine mögliche Beteiligung deutscher Soldaten an einer internationalen Friedenstruppe von der Zustimmung Israels abhängig. Es sei vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte nicht vorstellbar, dass sich deutsche Soldaten eventuell gegen Israel stellen müssten, sagte der SPD-Politiker der „Saarbrücker Zeitung“ laut Vorabbericht. Anders sei es, wenn Israel ausdrücklich um eine deutsche Teilnahme bitte. Dann könne man über die genauen Bedingungen verhandeln.

Auf eine verschärfte Bodenoffensive Israels im Südlibanon reagierte die Hisbollah-Miliz heute mit dem bisher größten Raketenangriff seit Beginn der Kämpfe. Nach Angaben der israelischen Polizei wurden mindestens 182 Raketen abgeschossen, so viele wie noch nie an einem Tag. Dabei kam ein Mensch ums Leben. Zuvor hatte Israels Ministerpräsident Ehud Olmert erklärt, die Infrastruktur der Hisbollah sei fast vollständig zerstört, die Schiiten-Miliz weitgehend entwaffnet.

Israel weitete zudem seine Militäroffensive im Nachbarland aus und stieß erstmals auch weit nach Baalbek im Norden des Landes vor. Olmert kündigte eine Fortsetzung der Offensive bis zum Einsatz einer internationalen Schutztruppe an. Über deren Stationierung streiten die USA und Frankreich allerdings noch.

Israel hatte vor drei Wochen seine Militäraktion unter anderem mit dem Ziel gestartet, die Raketenstellungen der Hisbollah auszuschalten. Die Miliz verfügt über schätzungsweise 12 000 Raketen. Insgesamt hat sie mehr als 1700 Geschosse auf Israel abgefeuert. Dabei wurden 19 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Bei den israelischen Angriffen im Libanon starben mehr als 600 Menschen. Eine der am Mittwoch abgefeuerten Raketen schlug offenbar im besetzten Westjordanland ein - soweit war noch kein Hisbollah-Geschoss geflogen.

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