Kämpfe in Syrien
Brutalität nimmt auch bei Rebellen zu

Je brutaler die Regierungstruppen vorgehen, desto grausamer verhalten sich auch ihre Gegner. Doch nicht alle Oppositionellen billigen die Hinrichtung gefangener Soldaten. Das Regime setzt derweil auf religiöse Rhetorik.
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Damaskus/IstanbulDie Grausamkeit an den verschiedenen Fronten in Syrien nimmt mit jedem Monat weiter zu. In Oppositionskreisen sorgte am Mittwoch ein Video für Diskussionsstoff, in dem getötete Soldaten zu sehen sind. Das Video, das von der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter veröffentlicht wurde, soll vor einigen Tagen in Aleppo aufgenommen worden sein. Es zeigt mehrere bewaffnete Männer, die einer Brigade der Revolutionstruppen angehören sollen. Vor ihnen liegen an einer Bordsteinkante etwa 20 Leichen von Männern, die offensichtlich aus nächster Nähe erschossen wurden. Ihre Hände sind gefesselt.

Der Vorsitzende der Menschenrechtsorganisation, Rami Abderrahman, sagte der Nachrichtenagentur dpa, er wolle nicht nur die Verbrechen der Regierungstruppen dokumentieren, sondern alle Menschenrechtsverletzungen: „Wir können derartige Vorfälle nicht einfach ignorieren. Und wenn wir die Augen davor verschließen würden, dann würde dies nur dem Regime nützen.“

Aus dem Umland von Damaskus meldeten Aktivisten am Dienstag Gefechte zwischen Regierungstruppen und Deserteuren. Während es in den Vororten fast täglich zu Kämpfen kommt, bei denen zum Teil auch die Luftwaffe eingesetzt wird, ist es in einigen Vierteln der Hauptstadt nach Angaben von Bewohnern immer noch relativ ruhig. 18 Menschen sollen am Dienstag landesweit getötet worden sein.

Das syrische Regime setzt derweil auf religiöse Rhetorik. Die Tageszeitung „Al-Watan“, die Präsident Baschar al-Assad nahesteht, schrieb, die Ordnungspolizei habe am Montag über Dörfern im Osten von Damaskus per Hubschrauber Flugblätter abgeworfen. Darin seien die Kämpfer im Namen des Islams aufgefordert worden, ihre Waffen niederzulegen. „Benutze Deinen Verstand, die Religion ist Glaube, die Religion ist Nächstenliebe, die Religion ist Toleranz, die Religion ruft nicht zum Töten auf“, zitierte die Zeitung aus den Flugblättern.

Eine ursprünglich für diesen Mittwoch geplante Konferenz von Oppositionsgruppen in Damaskus wurde auf den 23. September verschoben. Die Website „All4Syria“ meldete, die Organisatoren hätten dies mit der Zunahme der Gewalt in der Hauptstadt begründet.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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