Kämpfe in Syrien
Die Gewalt erreicht Damaskus

Während aus Syrien immer neue Hiobsbotschaften kommen, bleiben die diplomatischen Waffen stumpf. Denn Russland und China lenken nicht ein. Jetzt ist die Gewalt in der syrischen Hauptstadt angekommen.
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Damaskus/KairoNach monatelangen Kämpfen zwischen der syrischen Armee und bewaffneten Regimegegnern erfasst die Gewalt nun auch die Hauptstadt Damaskus. Die oppositionelle Muslimbruderschaft berichtete von Gefechten in mehreren Vierteln der Innenstadt und wertete das als Zeichen für den baldigen Sturz von Präsident Baschar al-Assad. Das Rote Kreuz sieht aber weiterhin keinen landesweiten Bürgerkrieg. Vor der Entscheidung des UN-Sicherheitsrates über eine Verlängerung der Beobachtermission richtete Russland schwere Vorwürfe gegen den Westen. Das Mandat läuft am Freitag aus.

Mit dem Beharren auf Sanktionen provoziere der Westen einen Bürgerkrieg in dem arabischen Land, sagte Außenminister Sergej Lawrow in Moskau vor einem Treffen mit dem UN-Sondergesandten Kofi Annan. Den Preis dafür zahle das syrische Volk, sagte Lawrow. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon soll am Dienstag die chinesische Führung in Peking treffen. Die UN-Vetomächte Russland und China lehnen Sanktionen gegen die syrische Führung bislang strikt ab.

Lawrow warf dem Westen Erpressung vor, weil die Partner im Sicherheitsrat die Fortsetzung der UN-Beobachtermission von einem Einlenken Moskaus im Streit um Sanktionen abhängig machten. Über die Verlängerung der Mission soll in den kommenden Tagen entschieden werden.

In Damaskus meldeten Regimegegner Gefechte aus den Vierteln Al-Tadhamun, Al-Midan und Al-Sahira. Aktivisten veröffentlichten in der Nacht ein Video, das ein Gebiet zwischen den Stadtteilen Kafr Susa und Al-Messe zeigen soll, in dem Schüsse zu hören sind. „Die Stimmung hat sich sehr verändert“, sagte ein Bewohner der Hauptstadt. Berichte von Entführungen machten die Runde. Die Muslimbrüder riefen die Bewohner von Damaskus auf, Straßen zu blockieren und Brandbomben auf Fahrzeuge der Sicherheitskräfte zu werfen. Regimegegner meldeten zudem heftige Gefechte aus den Provinzen Hama und Aleppo.

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Die UN-Vetomächte finden nicht zusammen

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  • Fremdschämen ist meine Sache nicht, aber wenn man bedenkt, daß "der Westen" die sog. "Rebellen" unterstützt und andere Staaten dazu motiviert läßt, hat man Schwierigkeiten, in den Spiegel zu schauen. Nota: die USA versuchen schon seit 2006 Syrien intern zu estabilisieren.

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