Kämpfe in Syrien
Rebellen rücken in Aleppo vor

Schritt für Schritt kämpfen sich syrische Rebellen in das Zentrum der Wirtschaftsmetropole Aleppo vor. Die Regierungstruppen antworten mit schwerer Artillerie. Der Westen sieht das Assad-Regime vor dem Ende.
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BeirutDie Rebellen in der syrischen Wirtschaftsmetropole Aleppo haben offenbar wieder an Boden gewonnen. Trotz der seit zwei Wochen andauernden Angriffe durch Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Artilleriegeschütze der Regierungstruppen näherten sich die Kämpfe immer mehr dem Zentrum der Stadt, sagte der örtliche Aktivist Tamam Hasem. In den nahe gelegenen Bezirken Bab Dschnein and Sabi Bahrat sei es am Dienstag zu schweren Kämpfen gekommen. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass die Gefechte sich auf weitere Teile der Stadt ausgedehnt hätten.

Sollten die Truppen von Präsident Baschar Assad die Kontrolle über Aleppo verlieren wäre das ein weiterer schwerer Schlag für das Regime, das für den Westen nach der Flucht des Ministerpräsidenten Riad Hidschab bereits angezählt ist. Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, sagte, das Assad-Regime zerbröckle von innen. Der französische Außenminister Laurent Fabius erklärte, die Flucht Hidschabs sei ein Zeichen dafür, dass das Regime wegen "seiner Wahl der bewaffneten Gewalt" Unterstützung verliere.

Während der erbitterten Kämpfe um Aleppo hat Syriens Staatschef Baschar al-Assad demonstrativ einen Spitzenvertreter des Iran, seines wichtigsten Verbündeten in der Region, empfangen. Das Staatsfernsehen zeigte am Dienstag erstmals seit über zwei Wochen Bilder von Assad, der den iranischen Gesandten Said Dschalili traf. Angesichts der Gefechte in Aleppo zog die UNO ihre Beobachter aus der Wirtschaftsmetropole ab.

Dschalili traf in Damaskus mit Assad und Mitgliedern der syrischen Führung zusammen. Assad war zuletzt am 22. Juli im syrischen Fernsehen zu sehen gewesen. Dschalil sagte laut iranischen Medienberichten bei seiner Ankunft: "Die Lösung für den Syrien-Konflikt muss aus Syrien selbst und auf dem Weg des nationalen Dialogs kommen, nicht durch die Intervention äußerer Kräfte."

Dschalili ist der Beauftragte des geistlichen Oberhaupts des Iran, Ayatollah Ali Chamenei. Im Libanon hatte Dschalil zuvor erklärt, der Konflikt müsse "nach demokratischen Regeln" und "nicht mit Waffenlieferungen und Blutvergießen" beigelegt werden. Den USA warf er vor, die Region durch Waffenlieferungen an die syrischen Aufständischen zu destabilisieren.

Unterdessen rief die Entführung von 48 Iranern durch syrische Rebellen auch die Regierung in Teheran - einen der letzten Verbündeten der Assad-Regierung - auf den Plan. Das iranische Außenministerium bestellte am Montagabend den Schweizer Gesandten ein, der in Teheran auch die Interessen der USA vertritt. Diesem sei mitgeteilt worden, dass der Iran die USA für die Entführung verantwortlich mache und das Land seinen Einfluss geltend machen sollte, um die Geiseln zu befreien.

Die Rebellen hatten die Iraner am Wochenende gefangen genommen. Laut einem Vertreter der Freien Syrischen Armee handelt es sich bei den Geiseln um Spione. Amtliche syrische und iranische Medien sprachen dagegen von schiitischen Pilgern, die einen Schrein in der Hauptstadt besuchen wollten. Medienberichten zufolge kamen mindestens drei der Geiseln in der Nacht auf Dienstag bei einem Luftangriff der Regierungstruppen ums Leben.

In dem Fall wurde auch Außenminister Ali Akbar Salehi in die Türkei entsandt und sollte dort noch am Dienstag mit seinem türkischen Kollegen Ahmet Davutoglu zusammentreffen. Ankara gilt als wichtiger Unterstützer der Rebellen.

Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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