Kämpfe mit dem IS in Palmyra Syrische Regierungstruppen haben Ruinenstadt zurückerobert

Zehn Monate war Palmyra in der Hand der Terrormiliz IS. Nun hat das syrische Regime die historische Stadt wieder zurückerobert. Doch die Herrschaft der Dschihadisten hat Spuren hinterlassen.
Update: 27.03.2016 - 11:15 Uhr
Nach dem Rückzug der IS-Kämpfer zeigen Soldaten der syrischen Armee das Victory-Zeichen. Quelle: AFP
Soldaten der syrischen Armee

Nach dem Rückzug der IS-Kämpfer zeigen Soldaten der syrischen Armee das Victory-Zeichen.

(Foto: AFP)

PalmyraZehn Monate nach der Eroberung von Palmyra durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben syrische Regimetruppen die historische Oasenstadt zurückerobert. Mit Unterstützung durch russische Luftangriffe hätten die Streitkräfte von Präsident Baschar al-Assad die Kontrolle über die gesamte Stadt und die berühmte Unesco-Weltkulturerbestätte zurückerlangt. Das berichteten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Sonntag. Palmyra hat als Welterbestätte immense symbolische Bedeutung. Für den IS bedeutet der Verlust der Stadt eine herbe Niederlage.

Die Regierungseinheiten hätten zusammen mit verbündeten Milizen Palmyra von der Terrormiliz befreit und „die letzten Schlupfwinkel“ der Dschihadisten zerstört, meldete Sana unter Berufung auf Militärkreise. Spezialisten hätten von den Extremisten ausgelegte Minen und Bomben entschärft.

Den Menschenrechtlern zufolge waren immer noch Schießereien im Osten zu hören. Es gebe heftige Gefechte beim Flughafen am Stadtrand. „Mehrere verlässliche Quellen“ hätten aber berichtet, die Dschihadisten hätten von der IS-Führung in der nordöstlichen Stadt Al-Rakka den Befehl erhalten, sich zurückzuziehen.

Wie der IS jahrtausendealte Geschichte vernichtet
Nordirak
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Die heutige nordirakische Provinz Ninawa war im alten Orient Zentrum früher Hochkulturen. Im Februar 2015 zerstört die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Museum der Stadt Mossul und an der Grabungsstätte Ninive Jahrtausende alte Statuen aus assyrischer Zeit. Viele von ihnen waren laut Experten echt. Die historische Stadt Nimrud südlich von Mossul sollen die Dschihadisten mit Bulldozern überfahren haben.

Timbuktu
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In der Wüstenstadt im Norden Malis zerstören Kämpfer der islamistischen Rebellengruppe Ansar Dine 2012 mehrere muslimische Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Die Islamisten begründeten ihre Tat damit, dass die Stätten mit den Überresten islamischer Gelehrter der Heiligenverehrung gedient hätten.

Bamian-Tal
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In Afghanistan sprengen die radikalislamischen Taliban 2001 zwei monumentale Buddha-Statuen. Sie wurden von unbekannten Künstlern vermutlich zwischen dem 2. und 4. Jahrhundert nach Christus in den Fels geschlagen und waren Zeugen der präislamischen Vergangenheit Afghanistans.

Ayodhya
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Fanatische Hindus verwandeln 1992 die Babri-Moschee im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh in ein Trümmerfeld, um an deren Stelle einen Tempel zu bauen. Angeblich wurde die Moschee 1528 an einem Ort errichtet, wo zuvor ein Hindutempel gestanden hatte. Ayodhya gilt Hindus als eine der sieben heiligen indischen Städte. Landesweite Unruhen brechen aus, rund 2000 Menschen werden getötet.

Palmyra
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Der Islamische Staat hat in seiner jüngsten Kampfoffensive auch das syrische Gebiet eingenommen, auf dem die Ruinenstadt Palmyra steht. Die UNESCO warnt, dass die Zerstörung der antiken Stadt ein „enormer Verlust für die Menschheit“ wäre. Die Ruinen sind über 2000 Jahre alt. Bisher geht man davon aus, dass sie noch nicht zerstört wurden.

In den vergangenen Tagen waren die Regierungseinheiten mit Macht auf Palmyra vorgerückt und konnten am Donnerstag erstmals in die Stadt eindringen. Das Regime konnte am Samstag ein letztes Aufbäumen des IS zurückschlagen und weiter auf das Zentrum vorrücken.

Das zentralsyrische Palmyra gehört wegen seiner einzigartigen Bauwerke aus den ersten Jahrhunderten nach Christus zum Unesco-Weltkulturerbe. Der IS hatte die Stadt im Mai 2015 von der syrischen Armee eingenommen. Seitdem sprengten die Dschihadisten den rund 2000 Jahre alten Baal-Tempel, den Baal-Schamin-Tempel sowie mehrere einzigartige Turmgräber, den Triumphbogen und einen Teil der berühmten Säulenstraße.

Auf Aufnahmen der staatlichen Nachrichtenagentur von der Militäroperation schienen Teile der Ruinen aber noch zu stehen. Der Leiter der syrischen Antikenbehörde sagte Sana, ein Team von Experten werde die Kulturstätte schnellstmöglich untersuchen. Auch die Unesco will sobald wie möglich eine Kommission zur Sichtung der Kriegsschäden entsenden. Die Organisation der Vereinten Nationen werde am 4. April über einen Besuch beraten, sagte die russische Unesco-Vertreterin Eleonora Mitrofanowa am Sonntag in Moskau.

Syriens Armee hatte ihre Offensive Anfang März mit Unterstützung durch russische Luftangriffe gestartet. Nach Angaben der Menschenrechtler wurden dabei insgesamt 400 IS-Kämpfer und 180 Regierungseinheiten getötet.

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