Kämpfe mit Kurden-Rebellen
Eskalation an türkisch-irakischer Grenze

Bei neuen Gefechten mit kurdischen Rebellen sind im Südosten der Türkei mindestens 35 Menschen getötet worden. Darauf hat das türkische Militär im Grenzgebiet zum Irak eine Offensive gegen Kämpfer der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) gestartet. Zudem wurde ein Krisentreffen in Ankara einberufen. Nun wächst die Angst, Erdogan hat immerhin grünes Licht für größere Militäroperationen.

HB TUNCELI. Erstmals seit der Zustimmung des Parlaments in Ankara zu einem Militäreinsatz gegen kurdische Rebellen im Irak haben Aufständische am Sonntag zwölf türkische Soldaten getötet. Die Aufständischen hätten zudem „viele Geiseln“ unter türkischen Soldaten genommen, meldete die PKK-freundliche Nachrichtenagentur Firat. 32 Mitglieder der Separatistenorganisation PKK seien bei den Gefechten an der Grenze zu dem Golfstaat ums Leben gekommen, teilte der Generalstab der Türkei mit. Ministerpräsident Tayyip Erdogan berief daraufhin ein Krisentreffen mit Politikern und Militärs ein.

„Wir sind sehr wütend. Unser Parlament hat uns die Vollmacht gegeben zu handeln, und in diesem Rahmen werden wir alles tun, was zu tun ist“, sagte Erdogan in Istanbul nach der Stimmabgabe bei einem Verfassungsreferendum. Die Türkei will aber trotz der jüngsten Gefechte mit der PKK zunächst keine grenzüberschreitende Offensive gegen kurdische Rebellen im Irak starten, hieß es am späten Nachmittag. Es müsse nicht zwingend eine sofortige Reaktion auf die Angriffe auf türkische Soldaten geben, erklärte Verteidigungsminister Vecdi Gönül am Sonntag nach Gesprächen mit seinem US-Kollegen Robert Gates in Kiew. Das türkische Militär plane zwar grundsätzlich einen solchen Einsatz. Dieser solle aber bevorzugt gemeinsam mit den USA durchgeführt werden.

Gates betonte, vor einer größeren Militäroperation müssten zunächst ausreichend Geheimdienstinformationen gesammelt werden, um gezielt gegen die Verstecke der Rebellen vorgehen zu können. „Eine große Truppe ohne genaue Ziele zu entsenden, kann leicht zu hohen Kollateralschäden führen“, sagte Gates.

Zwar war es bereits wiederholt zu vereinzelten türkischen Einsätzen im Grenzgebiet gekommen. Das Thema hat mit der Autorisierung von größeren Militäroperationen im Irak durch das Parlament in Ankara am Mittwoch aber neue Brisanz erhalten. Die Türkei wirft den Regierungen in Washington und Bagdad vor, nicht entschlossen genug gegen die etwa 3000 Rebellen der PKK vorzugehen, die die Grenzregion als Rückzugsgebiet nutzen.

Die türkische Regierung, die Europäische Union und die USA stufen die PKK als terroristische Gruppe ein. Seit Beginn ihres bewaffneten Kampfes im Südosten der Türkei für einen eigenen Staat im Jahr 1984 ist die Organisation der Regierung in Ankara zufolge für den Tod von mehr als 30 000 Menschen verantwortlich.

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