Kämpfe um Donezk
USA und Russland einigen sich auf Hilfseinsatz

Trotz der zuvor geäußerten Bedenken eines russischen Einmarsches einigen sich die westlichen Staaten mit Russland auf einen humanitären Hilfseinsatz in der Ukraine. Deutschland soll dabei eine Schlüsselrolle bekommen.
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KiewDie notleidende Bevölkerung in der umkämpften Ostukraine kann mit internationaler Hilfe rechnen. Präsident Petro Poroschenko stimmte einem solchen Einsatz am Montag nach einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama zu. An der Mission unter Leitung des Internationalen Roten Kreuzes (IRK) sollen sich demnach Russland, die EU und andere Partner beteiligen, wie die Präsidialverwaltung in Kiew mitteilte.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte sich dazu bereit, die Federführung zu übernehmen. Nach Absprache mit russischen und ukrainischen Behörden könne das Rote Kreuz bald Hilfe leisten, teilte die Organisation in Genf mit. Vereinbart wurde demnach mit den Konfliktparteien, dass das IKRK seinen Grundsätzen entsprechend unabhängig und unparteiisch helfe. Das Rote Kreuz reagiert nach den Worten Corbaz' auf die jüngste Forderung Russlands nach einer humanitären Mission. Die Details des Einsatzes müssten jedoch noch geklärt werden.

Russland hatte zuletzt immer wieder eine Hilfsmission gefordert und dem Westen „Blindheit“ für die Notlage der Menschen vorgeworfen. Die Regierung in Kiew befürchtet hingegen, dass Russland unter dem Vorwand humanitärer Hilfe auch Kämpfer und Waffen über die Grenze schaffen könnte. Die Bundesregierung betont, dass es einen Hilfseinsatz nur mit Zustimmung Kiews geben darf.

Wassermangel bei hohen Sommertemperaturen

Die Lage in Lugansk und anderen Gebieten in der Ostukraine sei ernst, sagte der zuständige IKRK-Leiter, Laurent Corbaz. Dort wehren sich prorussische Separatisten seit Wochen erbittert gegen die Angriffe ukrainischer Regierungstruppen. Die Lage der Bevölkerung ist teils dramatisch. So waren in Lugansk bereits den neunten Tag in Folge rund 250 000 Bewohner bei Sommerhitze ohne Strom und Wasser.

Zuvor standen vor allem die Kämpfe der ukrainische Armee in der Nähe der Rebellenhochburg Donezk im internationalen Fokus. Die Truppen hätten beträchtlich an Boden gewonnen und einen Keil zwischen die separatistischen Kämpfer getrieben, sagte Militärsprecher Andrii Lysenko am Montag in Kiew. Die Regierungstruppen hätten nun Donezk von der anderen Rebellenhochburg Luhansk an der Grenze zu Russland abgeschnitten.

„Die Truppen des Anti-Terror-Einsatzes bereiten sich auf den letzten Schritt zur Befreiung von Donezk vor“, sagte Lysenko. „Unsere Soldaten haben Donezk komplett von Luhansk abgeriegelt. Wir arbeiten daran, beide Städte zu befreien, aber es ist besser, zuerst Donezk zu befreien – es ist wichtiger.“

Wegen der blutigen Kämpfe rät die Regierung in Kiew den Bewohnern der umkämpften Regionen zur Flucht. „Für Zivilisten ist es besser, Donezk und Lugansk zu verlassen“, sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat am Montag. Die „Anti-Terror-Operation“ werde fortgesetzt, in jeder Stadt gebe es Fluchtkorridore. Die Armee müsse schnell handeln, damit die prorussischen Separatisten sich nicht neu formieren und mit Nachschub ausrüsten könnten.

Die Antwort der Rebellen kam am Nachmittag: Die in Donezk eingeschlossenen prorussischen Separatisten kündigten eine Gegenoffensive in den kommenden zwei bis drei Tagen angekündigt. Nähere Details nannte der Anführer der sogenannten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, nicht. Der gebürtige Ostukrainer hatte in der vergangenen Woche den Russen Alexander Borodai an der Spitze der Rebellenbewegung abgelöst und damit Hoffnungen auf eine Deeskalation geschürzt.

Die Regierung in Kiew hatte am Sonntag eine Feuerpause im Kampf gegen die prorussischen Separatisten abgelehnt. Diese hatten sich zu einer Waffenruhe bereiterklärt, um der Bevölkerung in den belagerten Städten Donezk und Luhansk zu helfen. Sie relativierten dieses Angebot später jedoch.

Am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17 teilten die militanten Gruppen mit, alle Leichen und privaten Gegenstände der 298 Opfer geborgen zu haben. „Wir haben die letzten Überreste unter Wrackteilen entdeckt und der ukrainischen Seite übergeben“, sagte Separatistenführer Andrej Purgin. Seine Leute hätten das Trümmerfeld bei Grabowo komplett abgesucht.

Von internationalen Experten gab es zunächst keine Bestätigung. Die Helfer hatten das Gebiet nach dem mutmaßlichen Abschuss der Boeing am 17. Juli abgesucht, mussten den Absturzort aber zuletzt wegen zunehmender Gefechte verlassen.

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  • Verzeihen Sie bitte die multiplen Rechtschreib-/ und Grammatikfehler plus den Doppelpost. Diese langen Arbeitszeiten machen einen fertig.

    Naja, solange keine Antwort von den üblichen Kandidaten kommt, würde mich eine off-Topic Frage interessieren. Wie seht Ihr das Potential der Diamantindustrie bzw. der Investitionen in den Markt. Eine kommende, andauernde Hausse, oder ein kurzer Rush mit folgendem Seitwärtstrend?

  • Teil 2:
    Somit bleibt nur noch die Sekundärinformation übrig. Da Wenige persönlich vorbei fahren werden um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen (wie produktiv das auch wäre) bleibt nur noch ein eigener, logischer Konstruktionsversuch.
    Da scheitert es einfach an der eigenen Unwissenheit bzw. der vielfältigen Szenarien. Jeder hätte Gründe sowohl die Gebiete zu besetzen, als auch Flugzeuge abzuschießen, Geiseln zu nehmen, Krieg anzufachen und so weiter. (von den Global Players; die Bevölkerung ist immer der Geschädigte…)

    Als kleines Fazit warte ich somit auf die offiziellen, „unabhängigen“ Berichte, da die in der Vergangenheit zum Großteil der Wahrheit entsprachen (Kontrahierten sich mit Propaganda der USA siehe Irak-Krieg, geleakte Informationen von Geheimdiensten bestätigen diese (siehe Atomwaffen Irak…) und somit meiner Meinung nach die einfachste, wahrscheinlich gesehen ziemlich sichere Informationsquelle darstellt.

    Abschließend noch kurz was zu den Verschwörungstheoretiker beider Seiten. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr als „kleine Lichter“ (no offence) die Machenschaften der „Allmächtigen wer auch immer“ aufdecken könnt? Wie wäre es vielleicht einmal die Geschichte um die Fakten zu bauen und nicht andersrum. Mit genügend Fantasie lässt sich alles „erklären“. Das ist wie bei Gott. Nur weil man nicht weiß, wie das Universum entstanden ist, sollte die Antwort nicht sein es war Gott. Sondern: Man weiß es nicht.
    Und zu allerletzt zu den USA-Bashern, warum kommt es bei euren Argumentationen nicht einmal zu Punkt, dass die USA genauso Interesse haben könnte sich solchen Anschuldigen ausgesetzt zu sehen und die Blogs einfach nur von jenen verfasst wurden? Das wäre doch mal amüsant, wenn Ihr die ganze Zeit nur ein Teil der gewollten Propaganda seit…
    Warum dieses Vorgehen Sinn machen würde ist ein ganz anderes Thema und würde zu weit führen.

    In diesem Sinne eine angenehme Zeit!

  • Aufgrund von Platzproblemen in zwei Teile geteilt. Teil 1:

    Ich verfolge seit Längerem dieses Forum mit großem Interesse.
    Nach einem stressigen Meeting ist diese Form der Unterhaltung doch sehr entspannend.

    Was mich wundert ist die sehr stark ausgeprägte Ignoranz und der "Zeugen Johowas-Character" einiger fleißiger Schreiberlinge.

    Ich selbst habe mich mit dem Ukraine-Konflikt (interessante Namensgebung, jedoch sind wir historisch gesehen ja ziemlich gut darin Dinge nicht beim Namen zu nennen) nicht weitergehend beschäftigt - Meiner Meinung nach ist es aus mehreren Gründen heraus sowieso müßig hier Zeit zu investieren, aber das steht ja offensichtlich nicht zur Debatte -
    und habe nur die Informationen aus den sog. „Mainstream-Medien.

    Jedoch ist für mich als Realist diese Sache ziemlich eindeutig, dennoch lasse ich mich gerne eines Besseren belehren.
    Historisch gesehen weiß man, dass einerseits in der heutigen Zeit alles möglich ist und andererseits die USA (wie unerwartet) alles in ihrer Macht stehende unternahm, unternimmt und unternehmen wird um ihren „Way of life“ Anderen näherzubringen und für sich immer beibehalten zu können. Imperialismus ist schon was schönes.

    Bei einer solchen makropolitischen Interessenlage sind einige Annahmen notwendig um annehmbare Schlussfolgerungen ziehen zu können, deswegen verwende ich mal die beiden oben genannten Aussagen als Postulate.

    Primärinformationen aus den gewöhnlichen Medien sind somit genauso wertlos (da Manipulation aus der Vergangenheit bekannt ist und der schöne Spruch: „Die Geschichte wird von den Siegern geschrieben.“ in einer abgewandelten Propaganda-Form auch noch zur Geltung kommt) wie eher unbekannte Blogs oder einschlägige Internetseiten. (statistisch gesehen qualitativ minderwertig, keine höhere Reputation, schlechtere Möglichkeit/Mittel an Informationen zu kommen)

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