Kaesong vor dem Aus
Südkoreaner verlassen Industriepark in Nordkorea

Die Sorge vor einem Aus des innerkoreanischen Industrieparks Kaesong wächst: Südkoreanische Unternehmen ziehen auf Geheiß der eigenen Regierung ihre letzten Mitarbeiter ab. Nordkorea gibt sich unnachgiebig.
  • 0

SeoulIm Koreakonflikt zeichnet sich keinerlei Entspannung ab. Das letzte gemeinsame wirtschaftliche Großprojekt zwischen Süd- und Nordkorea ist mehr denn je bedroht. Dennn fast drei Wochen nach dem Produktionsstopp im Industriepark von Kaesong in Nordkorea zogen sich am Wochenende die letzten der dort noch verbliebenen Südkoreaner zurück - auf Anordnung der eigenen Regierung. Außerdem gibt es Hinweise auf eine größere Militärübung an der Westküste Nordkoreas.

Die südkoreanische Agentur Yonhap berichtete unter Berufung auf Regierungskreise, dass Nordkorea während des Manövers Feldartillerieeinheiten und Verbände der Luftstreitkräfte einsetzen könnte. Auch der Abschuss von Raketen werde nicht ausgeschlossen.

Aus der grenznahen Sonderwirtschaftszone Kaesong kehrten am Samstag 125 Südkoreaner sowie ein Chinese zurück, wie das Vereinigungsministerium in Seoul mitteilte. Die letzte Gruppe von 50 Personen werde voraussichtlich an diesem Montag folgen.

Mit dem Abzug ihrer Mitarbeiter folgen die in Kaesong tätigen südkoreanischen Unternehmen der Aufforderung der eigenen Regierung, angesichts der verschärften politischen Spannungen das kommunistische Nachbarland zu verlassen.

Die Entscheidung der Regierung habe die Unternehmen „irritiert“, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap den Leiter des Unternehmensverbands für den Kaesong-Komplex, Han Jae Gwon. Sie befürchteten jetzt die Schließung des Gewerbekomplexes. Cho Yong Joo, Manager einer Elektronikfirma in Seoul, sagte AFP, er fühle sich „eher beunruhigt als erleichtert“ über seine erste Rückkehr innerhalb eines Monats. „Kaesong sollte überleben, aber die Dinge stehen nicht gut“, fügte er hinzu. Einige Arbeiter brachen in Tränen aus, als Kollegen in Südkorea sie zuhause willkommen hießen.

Angesichts der Sorge um die Anlagen hatte Vereinigungsminister Ryoo Kihl Jae am Freitag Nordkorea aufgefordert, „den Schutz der Investitionen der Unternehmen in Kaesong vollständig zu garantieren. Das Regime in Pjöngjang hatte kurz zuvor einen als Ultimatum gestellten Vorschlag des Südens abgelehnt, Gespräche über die Sonderzone aufzunehmen. Nordkorea drohte im Gegenzug mit nicht weiter beschriebenen „gravierenden Maßnahmen“.

Seite 1:

Südkoreaner verlassen Industriepark in Nordkorea

Seite 2:

Nordkorea will US-Bürger den Prozess machen

Kommentare zu " Kaesong vor dem Aus: Südkoreaner verlassen Industriepark in Nordkorea"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%