Kalifornien
Schwarzeneggers schlechtester Film

Gouverneur Arnold Schwarzenegger wird der Haushaltskrise seit Monaten nicht mehr Herr. Er ist politisch so abgewirtschaftet wie Kalifornien wirtschaftlich: Kaum etwas geht mehr im einstigen "Golden State". Der ist gnadenlos verschuldet, rettungslos veraltet und politisch unregierbar geworden. Der seit Monaten drohende Bankrott des beliebtesten und bevölkerungsreichsten Staates der USA spricht Bände über den Zustand der amerikanischen Utopie vom besseren Leben. Und Schwarzenegger taumelt einem echt traurigen Ende seiner Karriere entgegen.

SACRAMENTO. Als wäre Kalifornien wieder in die Zeit der Goldgräber, Hasardeure, "shady women" und Revolverhelden zurückgeworfen, ergreift am Ende Sacramentos Sheriff John McGinnes ultimativ das stramme Wort: "Dave Fox, beenden Sie die Blockade!" Dabei ist Fox nur einer der republikanischen Senatoren, die Gouverneur Schwarzenegger die Stimme für seinen Haushalt verweigern. Doch Fox ist einer der wenigen Vernünftigen, Kompromissbereiten unter den Republikanern und deshalb überhaupt noch Ansprechbaren. Und Schwarzenegger, selber nur noch ein trauriger Widergänger des einstigen strahlenden Hollywood-Helden und Bodybuilders, braucht eben noch einen Senator seiner eigenen republikanischen Partei, um den Bankrott Kaliforniens abwenden zu können.

Tagelang, wochenlang, monatelang präsentieren Kaliforniens Politiker den Wählern das eines modernen Staates elendig unwürdige Schauspiel, keinen Haushalt auf die Beine stellen zu können, um den drohenden 42-Mrd.-Dollar-Bankrott des einst reichen Staates abzuwenden. Doch spannend ist dies Spiel für die Kalifornier schon lange nicht mehr. Es ist eine tiefe Tragödie und eine depperte Soap-Opera. Dieses würdelose Tauziehen voller leeren Drohungen, schrillen Anschuldigungen und letztendlich leeren politischen Lippenbekenntnissen wiederholt sich alle Jahr wieder und währt diesmal bereits seit Anfang November. Die unter der gerade im megateuren Kalifornien forcierten Wirtschaftskrise, einer Arbeitslosigkeit von knapp zehn Prozent, bankrotten Gemeinden und nicht mehr bezahlbaren Häuser bis zum durchdrehen gepeinigten Leute haben das Machtspiel satt. Es findet allein auf ihren Schultern statt.

Am vergangenen Wochenende war es wieder so weit. Da trafen sie sich zum fruchtlosen Stelldichein in der Hauptstadt Sacramento - ergebnislos. Und auch am Montag, drei Tage nachdem die gesetzlich vorgeschriebene Frist für die Aufstellung dieses Haushaltes abgelaufen war, obsiegte bei Demokraten und Republikanern Sturheit, Uneinsichtigkeit und eine hoffnungslose Feindschaft zwischen zum Teil erzreaktionären Republikanern und den teilweise ultralinken Demokraten.

Der Terminator ist ein Auslaufmodell

Und Arnold Schwarzenegger? Der einst so martialische Hollywood-Terminator übt sich wieder einmal ungelenk in der einzigen ihm zur Verfügung stehenden, aus der Schauspielerei entlehnten Gaukler-Masche: Er schwingt die Fäuste und droht den Staatsangestellten mit Entlassungen, droht mit der sofortigen Einstellung aller öffentlichen Arbeiten und der weiteren Ausdünnung des Erziehungsetats. Denn Schwarzenegger hat nicht mehr viel zu bestellen. Nicht nur, weil seine Amtszeit im nächsten Jahr unweigerlich und unwiderruflich ausläuft. Sondern weil er vor allem in den vergangenen zwei Jahren seiner zweiten Amtszeit bewiesen hat, dass es ihm nicht gelingt, seine widerspenstigen Republikaner, die dem eigenen Gouverneur nicht über den Weg trauen, und die Demokraten, die progressiver als anderswo in den USA sind, zur politischen Kompromissen zu bewegen.

Der Terminator ist ein Auslaufmodell, kaum realitätstüchtiger als die großen drei alten Auto-Fabriken in Detroit. Vorbei ist selbst sein Glaube an den eigenen Voodoo-Zauber: "Das Mächtigste in der Politik ist, was die Leute von mir halten. Das Image ist alles, wichtiger als die Wirklichkeit!" Doch der faule Zauber, der stark nach Hollywood-Talmi riecht, ist längst dahin: Mittlerweile hat Schwarzenegger Umfragewerte, die mit unter 30 Prozent Zustimmung noch weit unter denen von George Bush liegen. Und schon der hatte alle Rekorde nach unten gebrochen. Kein Lot Kaliforniens scheint derzeit so tief zu sinken wie des Terminators Fortüne. Der Ruf ist dahin. "Fehlt nur noch, dass er so tief sinkt wie bei euch in Deutschland die Sozialdemokraten", unkt ein Hauptstadt-Demokrat.

Seite 1:

Schwarzeneggers schlechtester Film

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%