Kambodscha
Erster Prozess gegen Roten Khmer-Anführer eröffnet

30 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer hat in Kambodscha der erste Prozess gegen einen ihrer Anführer begonnen. Zum Auftakt bat der angeklagte Leiter eines Folterzentrums um Vergebung.

HB PHNOM PENH. Mit Kaing Guek Eav, genannt Duch, stand am Dienstag der erste von fünf Angeklagten aus der Zeit des Pol-Pot-Regimes vor dem neu geschaffenen Tribunal. Unter dem Kommando Duchs wurden in dem als „S-21“ bekanntgewordenen Folter-Gefängnis Tuol Sleng mindestens 14 000 Menschen getötet. Das von der Uno unterstützte Tribunal soll die Diktatur der kommunistischen Roten Khmer aufarbeiten, die für den Tod von 1,7 Millionen Menschen zwischen 1975 und 1979 verantwortlich gemacht werden.

Zum Prozessauftakt saß Duch ohne sichtbare Regung im Gerichtssaal. Sein französischer Anwalt Francois Roux sagte, der seit 1999 in Untersuchungshaft sitzende und zum Christentum konvertierte Angeklagte habe seine Opfer um Vergebung gebeten. Vor dem extra für den Prozess errichteten Gerichtsgebäude außerhalb der Hauptstadt Phnom Penh hatten hunderte Opfer des Regimes von Pol Pot auf Einlass gewartet. Nahezu alle Familien im Land haben Angehörige auf den sogenannten „Killing fields“ der Roten Khmer verloren, deren Herrschaft als eines der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts gilt.

„Das ist der Tag, auf den wir 30 Jahre lang gewartet haben. Aber ich weiß nicht, ob er das Ende meines Leidens bedeutet“, sagte Vann Nath, der einen der wenigen Plätze im Gerichtssaal in der Nähe des Angeklagten ergattern konnte. Der Maler gehört zur Handvoll Überlebender aus dem S-21. Er entkam dem Tod nur deshalb, weil er Porträts von Pol Pot anfertigen musste.

Die eigentlichen Anhörungen vor dem Tribunal sollen im März beginnen. Ein Urteil wird bis September erwartet. Der 66-jährige Duch gilt als wichtiger Zeuge in den noch ausstehenden Prozessen gegen die vier weiteren Angeklagten, den ehemaligen Präsidenten Khieu Samphan, Ex-Außenminister Ieng Sary und seine Frau Ieng Thirith sowie den „Bruder Nummer zwei“ genannten Nuon Chea. Das Gericht wirf allen unter anderem Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen vor. Bei einer Verurteilung droht ihnen lebenslange Haft.

Der als „Bruder Nummer eins“ berüchtigte Pol Pot starb 1998. Mit ihrer als „Jahr Null“ bezeichneten Revolution wollten die ultra-maoistischen Roten Khmer unter seiner Führung einen reinen Agrarstaat errichten und vertrieben die Bewohner aus den Städten.

Die meisten Inhaftierten im S-21 wurden unter Duchs Leitung gefoltert und zu Geständnissen gezwungen, meist, dass sie Spione des US-Geheimdienstes CIA seien. Anschließend wurden die Opfer, darunter auch Frauen und Kinder, auf einem Feld außerhalb Phnom Penhs zu Tode geprügelt.

Die Roten Khmer legten nach ihrer Vertreibung durch vietnamesische Truppen 1979 erst 1998 ihre Waffen nieder. In Kambodscha hoffen viele Menschen, dass mit Hilfe des Tribunals eine neue Ära des Friedens und der Gerechtigkeit beginnt.

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