Kambodscha
Mord-Anklage gegen Chefhenker der Roten Khmer

Mit der Schilderung grausamer Details aus dem Alltag im Foltergefängnis Toul Sleng in Kambodscha hat das Völkermord-Tribunal in Phnom Penh seine erste Anklage eröffnet. Vor dem Gericht 35 Kilometer außerhalb der kambodschanischen Hauptstadt steht der frühere Chef des Folterzentrums, Kaing Guek Eav alias Duch, 66.

HB PHNOM PENH. Er soll zwischen 1975 und 1979 dort die Folter von mindestens 12 380 Menschen angeordnet und überwacht haben. Er ist unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Mordes und Folter angeklagt. Duch hat seine Schuld eingestanden. Ihm droht lebenslange Haft.

„Mein Name ist Kaing Guek Eav alias Duch - das war mein Revolutionsname“, sagte Duch zum Auftakt der Verhandlung mit fester Stimme. Duch saß allein auf der Anklagebank gegenüber den Richtern und mit dem Rücken zum Zuschauerraum, wo mehrere hundert Menschen den ersten Prozess gegen einen Schergen des brutalen Rote-Khmer-Regimes verfolgten.

Die Ultra-Kommunisten riefen nach ihrem Einmarsch in Phnom Penh 1975 die sozialistische Revolution aus. Sie wollten eine Agrargesellschaft schaffen, vertrieben die Stadtbevölkerung aufs Land und zwangen sie zur Feldarbeit. Während ihrer fast vierjährigen Schreckensherrschaft kamen wahrscheinlich zwei Millionen Menschen ums Leben. Das Regime fiel im Januar 1979 nach dem Einmarsch Vietnams.

Nach außen ungerührt hörte Duch die Anklageschrift an. Er habe absichtlich Kinder und Jugendliche als Wachen und Helfer rekrutiert, hieß es, mit der Begründung: „Sie sind wie ein leeres Blatt und können leichter indoktriniert werden.“ Aufgaben des Folterzentrums, auch S21 genannt, war die „Vernichtung der Feinde“. „Jeder Gefangene war für die Hinrichtung bestimmt.“

Nach der Tötung von Mitläufern des alten Regimes nahm die Partei Säuberungen in den eigenen Reihen vor. Fast 10 000 Insassen von S21 waren selbst Rote Khmer. Die Folter hörte erst auf, wenn das Opfer möglichst viele Bekannte denunziert hatte. Die Folterer schlugen die Gefangenen, quälten sie mit Elektroschocks oder rissen ihnen Fuß- und Fingernägel aus. Einige Gefangene wurden ausgeblutet, um die Konserven an Krankenhäuser zu verkaufen.

Der Prozess gegen Duch dauert wahrscheinlich vier bis sechs Monate. Er startete offiziell im Februar mit Anträgen der Nebenkläger. Die Hauptverhandlung begann am Montag. Sein Anwalt hat eine Entschuldigung seines Mandanten angekündigt.

Duch will außerdem gegen die anderen vier Angeklagten aussagen, die jede Schuld an den Grausamkeiten abstreiten. Sie waren damals Mitglieder der obersten Staatsführung um Pol Pot, der selbst 1998 starb, ohne je für die Verbrechen unter seiner Herrschaft belangt worden zu sein.

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