Kampf gegen Assad
Opposition nimmt die Sache selbst in die Hand

Die syrische Opposition verlässt sich nicht mehr auf das Wohlwollen der Staatengemeinschaft und schafft selbst Waffen ins Land, um Assad zu bekämpfen. Dessen Rückhalt schwindet zunehmend - selbst bei alten Verbündeten.
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Tunis/Genf/Kairo/Gaza-StadtDie syrische Opposition stellt ihren zögernden Freundeskreis vor vollendete Tatsachen und beschafft sich im Ausland Waffen. Westliche und andere Regierungen drückten dabei ein Auge zu, sagte ein Vertreter des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC) am Rande eines internationalen Krisentreffens am Freitag in Tunis.

Dort forderte der SNC Waffenlieferungen an die syrische Rebellenarmee, die den Truppen von Präsident Baschar al-Assad hoffnungslos unterlegen ist. Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Vertreter anderer Regierungen verlangten ein Ende der Gewalt, humanitäre Hilfen und eine Übergangslösung für die Zeit nach Assad.

Gut ein Jahr nach Beginn des Volksaufstandes gegen Assad scheint ein diplomatischer Durchbruch in der Syrien-Krise unmöglich. Vertreter von mehr als 70 Staaten berieten über Schritte zur Beendigung des Blutvergießens. Zum Auftakt des Treffens der „Freunde Syriens“ versuchten mehrere Hundert Assad-Anhänger den Tagungsort zu stürmen, wurden aber von Sicherheitskräften gestoppt.

Derweil nimmt die syrische Opposition offenbar das Heft des Handelns in die Hand. „Es gibt keine Entscheidung eines Landes, die Rebellen zu bewaffnen. Aber Länder gestatten Syrern den Kauf von Waffen“, sagte ein auf Anonymität bestehender Vertreter des SNC. Es würden Angriffs- und Abwehrwaffen ohne große Probleme nach Syrien geschafft.

So hätten Exil-Syrer leichte Waffen, Funkgeräte und Nachtsichtgeräte ins Land geschmuggelt, hieß es. Zudem gebe es Bemühungen, Panzer- und Flugabwehrwaffen nach Syrien zu schaffen. Die Regierungsgegner seien auch darum bemüht, pensionierte syrische Offiziere als Berater zu gewinnen. Die Freie Syrische Armee besteht vornehmlich aus Deserteuren.

Westliche und arabische Staaten sind sich wegen der weitreichenden Folgen uneins, ob sie der Forderung des Nationalrats nach Waffenlieferungen nachkommen sollten. Das könnte den Konflikt zum Bürgerkrieg eskalieren lassen, warnte der Vizechef der Arabischen Liga, Ahmed Ben Helli.

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