Kampf gegen Assad

Syrische Rebellen besetzen Grenzposten

Die syrischen Rebellen haben offenbar Grenzposten zum Irak und zur Türkei unter Kontrolle gebracht, darunter einen wichtigen Handelsübergang. Derweil ist erneut eine UN-Resolution gescheitert - doch eine Hoffnung bleibt.
Update: 20.07.2012 - 04:00 Uhr 11 Kommentare
Ein Screenshot eines Internetvideos der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zeigt einen Widerstandskämpfer auf dem Dach eines Grenzübergangs. Quelle: AFP

Ein Screenshot eines Internetvideos der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zeigt einen Widerstandskämpfer auf dem Dach eines Grenzübergangs.

(Foto: AFP)

BagdadIm eskalierenden Bürgerkrieg in Syrien haben Aufständische zwei Stützpunkte der Streitkräfte nahe der Grenze zum Irak erobert. Bei Gefechten um einen Außenposten im Sindschar-Gebirge seien 21 syrische Soldaten getötet worden, sagte der irakische Brigadegeneral Kassim al Dulaimi am Donnerstag. Zuvor hätten die Rebellen bereits den Grenzübergang nahe der irakischen Ortschaft Kaim in ihre Gewalt gebracht und die syrischen Grenzsoldaten weggeschickt.

Die Aufständischen seien nicht auf irakisches Gebiet vorgedrungen, sagte al Dulaimi. Der Irak habe die Streitkräfte jedoch in Alarmbereitschaft versetzt und zusätzliche Truppen in die Grenzregion entsandt. "Wir haben Sicherheitsbedenken, denn der Grenzübergang befindet sich jetzt nicht mehr unter der Kontrolle der syrischen Regierung, und niemand kann vorhersagen, was passieren wird", sagte al Dulaimi.

Die Aufständischen hätten zudem die Kontrolle über den Posten Bab al-Hawa an der Grenze zur Türkei nach einem Gefecht mit Regierungstruppen unter ihre Kontrolle gebracht, sagten ein Kämpfer sowie ein Sprecher der Regierungsgegner am Donnerstag. Die Rebellen hatten in den vergangenen zehn Tagen mehrfach versucht, den Posten Bab al-Hawa an der Grenze zur Türkei einzunehmen. Bab al-Hawa gilt als wichtiger Handelsübergang.

Die Türkei unterstützt die Gegner von Präsident Baschar al-Assad, die die Regierungstruppen inzwischen auch in der Hauptstadt Damaskus in schwere Gefechte verwickelt haben.

Unterdessen erlitten die internationalen Bemühungen um ein Ende der Gewalt einen weiteren Rückschlag. Die Staatengemeinschaft in der Uno einigte sich auch nach dem schweren Anschlag auf die syrische Militärführung nicht auf ein gemeinsames Vorgehen. Trotz der Appelle von Regierungschefs wie Bundeskanzlerin Angela Merkel blockierten Russland und China am Donnerstag erneut eine UN-Resolution, die den Druck auf Präsident Baschar al-Assad erhöhen sollte.

Niederlage im UN-Sicherheitsrat

Die US-Regierung hat die Abstimmung gegen die UN-Resolution zu Syrien am Donnerstag als „bedauernswert“ und „beklagenswert“ verurteilt. Russland und China stünden „auf der falschen Seite der Geschichte“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Es sei absurd, angesichts der Brutalität des Assad-Regimes unbewaffnete UN-Beobachter zu entsenden, wenn dem Regime im Fall von Fehlverhalten keine Konsequenzen drohten. „Es muss Konsequenzen geben“, sagte Carney.

Die Entscheidung Russlands und Chinas werde lange Zeit Auswirkungen auf die Art und Weise haben, wie das syrische Volk die beiden Länder beurteile. „Denn es gibt keinen Zweifel daran, dass Syriens Zukunft Baschar al-Assad nicht einschließt“, so der Sprecher. „Seine Tage sind gezählt, und es ist ein Fehler, das Regime zu stützen, wenn dieses zu einem Ende kommt“.

Neue Hoffnung auf Verlängerung der UN-Mission
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11 Kommentare zu "Kampf gegen Assad: Syrische Rebellen besetzen Grenzposten"

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  • @Rechner. Danke, so etwas habe ich auch erwartet. Nun Denkschablonen bedienen sich eher die Argumentproduzenten des antiamerikanischen (antiwestlichen) Lagers, was mit Ihrer Sammlung an irreführenden Aussagen prächtig dokumentiert wurde. All Ihre Un- und Halbwahrheiten will ich hier nicht widerlegen, dazu ist dieses Forum zu klein. Nur Eines:
    Kuweit ist nicht aus dem Nichts entstanden, wie Sie hier einzutrychtern versuchen. Kuweit ist im Jahre 1961 unabhängig geworden. Also in der Zeit, als die meisten Länder Afrikas und viele Asiens und anderer Gebiete unabhängig geworden sind. Ich empfehle Ihnen die Geschichte Kuweits zu studieren, Sie werden in ihr auch andere Elemente Ihrere Reinkarnationsideologie finden und höchstwahrscheinlich werden Sie künftig neue, aber andere "Argumente" bezüglich Kuweit bringen. Immerhin hat diese eine Frage perfekt Ihr schablonenhaftes Denken dokumentiert.

  • +++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

  • "Syrische Rebellen besetzen Grenzposten"
    und das ist ihnen in einem Sieg gegen das syrische Militär gelungen. Ich finde die Überschrift sehr irreführend. "Syrische Rebellen" suggeriert, es handele sich um Bürger, die sich gegen die Politik im eigenen Lande auflehnen. Diese könnten niemals gegen das Militär gewinnen, schon allein mangels Waffen. Syrien wird den Weg von Libyen in die Ungewissheit gehen und das wird nicht von ein paar Rebellen im Land verursacht. Das wird verursacht von Leuten, die ein starkes Libyen und ein starkes Syrien nicht wollen.

  • @Ostwelle: In Libyen sah es vor dem Krieg so aus:

    http://www.youtube.com/watch?v=IZNDfVxGTyk

    Erst durch die NATO Bomben für den Frieden kam der Tod über zehntausende Zivilisten. Aber darüber sehen wir keine Berichte.

    Wir sehen auch keine Berichte über die eine Millionen getöteten Zivilisten im Iraq - erst durch die Berichte der US-Soldaten lässt sich das Grauen erahnen:
    http://www.youtube.com/watch?v=FFQlw94TvkI

    Bomben für den Frieden? Es sind Bomben für den Tod von Kinder, Müttern und Vätern. Das war im Kosovo-Krieg nicht anders, wie sich im Nachhinein rausstellte.

    Aufgrund der ausgedachten Gründe für Kriege in der jüngsten Vergangenheit, bin ich sehr kritisch geworden. Woher kommt diese Menschenverachtende Kriegstreiberei?

    Die gewalttätige "Opposition" in Syrien ist nicht ohne. Es sind islamitische Fundamentalisten mit nachweislichen Verbindungen zur Al-Qaida. Wieso unterstützen wir plötzlich die Terroristen von gestern?

    Ich finde das sehr, sehr fragwürdig!

  • 'Osterwelle' sagt:
    -----------------------------
    Es ist schon gefährlich auffällig, wie viele Leser mit massakrierenden arabischen Despoten sympatisieren.
    -----------------------------

    Da liegt bei Ihnen ein Mißverständnis vor. Meine Sympathien für Assad, Sadam Hussein etcpp. halten sich in Grenzen. Ebenso allerding meine Sympathien für das saudische Terrorregime.

    Und die Machenschaften des "Westens", der stets versucht willfährige Regimes an die Macht zu bringen, die dann genauso diktatorisch sind wie ihre Vorgänger haben mit "Demokratie und Menschenrechten" nicht das geringste zu tun.

    Im Falle Syriens geht es lediglich darum, daß als eine "unintended consequence" der Irakinvasion das politische Gewicht der Shiiten im Nahen Osten gestärkt wurde. Dafür sucht die lokale sunitische Hegemoniemacht Saudi-Arabien nun Ausgleich. Und zwar mit Unterstützung der Westmächte und Al-Qaidas. Die Westmöchte möchten ein Machtgleichgewicht zwischen Suniten und Shiiten im Nahen Osten, das sie selbst zerstört haben, wiederherstellen.

    Denn so können sie von außen am einfachsten Einfluß in der Region geltend machen, und den Zugang zu den Ölfeldern billig ihren Gesellschaften zuschanzen.

    ...

    Aber vermutlich sind das für Sie auch nur "unbelegte konstruierte Vermutungen", "tiefverwurzelte Antiamerikanismus als späte Reinkarnation des Nationalsozialismus", und wie Ihre sonstigen Denkschablonen aus dem Argumentationsrepertoire der US-Gläubigen sonst noch so lauten mögen.

    ----------

    Was halten Sie eigentlich von der "Feindstaaten-Klausel" in der UN-Charta?

    Oder von der Gründung des "Staates" Panama zwecks "Amerikanisierung" des Kanals gegen Kolumbien?

    Wieso gibt es seit 1961 Kuweit?

    Wer hat diese komischen Grenzen quer durch ethnische Siedlungsgebiete gezogen, und warum?

    Nur 'mal so als beliebig herausgegriffene Beispiele.

  • Zitat:

    Die US-Regierung hat die Abstimmung gegen die UN-Resolution zu Syrien am Donnerstag als „bedauernswert“ und „beklagenswert“ verurteilt. (...)

    Mich beschleicht das Gefühl das Russland und China mehr an der Freiheit der Menschen interessiert sind als die sogenannten "Demokraten", oh sorry Demagogen.

    Es ist eine Orwelsche Novelle die hier in der Welt Global abläuft. (...)

    Mein Lieblingsspruch inzwischen.

    Es ist ein Jammer. +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

  • Es ist schon gefährlich auffällig, wie viele Leser mit massakrierenden arabischen Despoten sympatisieren. Ihre
    Argumentation basiert auf unbelegten konstruierten Vermutungen. Selbst wenn sie Recht hätten, sagt es nichts aus über die jahrzentelang andauernde Tyranei des Klans Assad, diesen Restposten im abgewirtschafteten Laden der Despozien unter ehemaliger Führung des Sowjetreichs. Was ist der Hintergrund dieses Denkens?? Es ist der tiefverwurzelte Antiamerikanismus als späte Reinkarnation des Nationalsozialismus (Zwischenstadium real.ex.Soz.), dass sich zu jedem Ereignis der Weltpolitik "richtig" positionieren muß. Es ist der Urquell des falschen und extrem kurzsichtigen politischen Denkens, dass so viel Leid über Deutschland, Europa und die ganze Welt gebracht hat. Hier darf man nicht schweigen, oder es sogar populistisch ausnutzen. Man muss es bekämpfen.

  • Bemerkenswert ist auch daß die Westmächte bisher eine Verlängerung der morgen auslaufenden UN-Beobachtermission blockieren.

    Die hatten sich doch erlaubt den in Washington, London und Paris verbreiteten (..)märchen über die "Massaker des Assad-Regimes" zu widersprechen.

    Die Beobachter sind offensichtlich den Zwecken der Regime-Changer nicht zuträglich.
    (...)

    Die Gleichschaltung der Westpresse hat im Falle Libyens ja schon gut funktioniert. Nur manchmal, wenn Claudia Roth am Flughafen von Tripoli wegen der Bandenkämpfe festsitzt, oder wenn ein BBC-Reporter über eine menschenleere libysche Stadt stolpert, bricht die Befreiungsfassade zeitweise zusammen.
    +++ Beitrag von der Redaktion editiert +++

  • Ich könnte wetten, dass unter den sog. syrischen Rebellen mindestens die Hälfte Türken bzw. vom Westen unterstützte Söldner sind...

  • Die sollen mal lieber Saubi-Arabien besetzen, was da an Menschenrechtsverletzungen passiert ist schlimmer als in Lybien und Syrien zusammen.

    Allein in den letzten Monaten sind mehrere tausende Menschen grundlos festgenommen, gefaulter, getötet oder verschleppt worden. Und wir schicken noch deutsche Polizisten zur Ausbildung des abscheulichen Regimes dort hin.

    Wieso wird darüber nicht berichtet? Saudi-Arabien hat die schlimmste Diktatur in ganzen Nahen-Osten!

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