Kampf gegen Besatzer könnte religiöse Gruppen einen
Gemäßigte Schiiten bleiben auffällig untätig

Bislang ließ sich die Frontlinie im Irak noch einigermaßen definieren. Da gab es die Sunniten, die ewige Herrscherelite im Irak, die vor allem unter Saddam Hussein unangefochten den politischen Kurs bestimmte. Die hatte nach dem Sturz des Diktators am meisten verloren, und aus ihr dürfte sich ein großer Teil des Widerstands gegen die US-Truppen rekrutieren.

BERLIN. Die Schiiten hingegen, jahrzehntelang brutal unterdrückt, galten als die künftigen Sieger im Prozess der Neuordnung des Iraks. Als Bevölkerungsmehrheit können sie mit aller Legitimation ein ansehnliches Stück von der politischen Macht beanspruchen und sind bereits im irakischen Regierungsrat stärker vertreten als sämtliche anderen Gruppen. Seither fürchten die Sunniten ihre islamischen Glaubensbrüder aus dem Süden. Denn die, so war in Bagdad immer wieder zu hören, könnten eines Tages zum großen Rachefeldzug gegen jene ansetzen, die mit Saddam kooperierten. Zum Teil ist dies auch schon geschehen: Es kursieren Namenslisten einstiger Saddam-Helfer im Internet, und immer wieder wird auf lokaler Ebene von gezielten Morden berichtet.

Doch dieser Gegensatz zwischen Schiiten und Sunniten könnte durch die jüngsten Ereignisse überholt werden. Schon sprechen Beobachter davon, dass es mit dem Aufbegehren der radikalen Schiiten unter der Führung von Muktada el Sadr endlich wieder zu einer Einheit der beiden Volksgruppen kommen könnte. Eine Einheit, die sich aus dem gemeinsamen Ziel, der Bekämpfung der Besatzer, vor allem der Amerikaner, speist. Sollte sich dies bestätigen, wäre der schlimmste Fall für die USA und ihre Verbündeten eingetreten: Dann müsste wohl der gesamte Irak zu Feindesland erklärt werden.

Noch Mitte März hatten sich die Schiiten eher moderat über die Besatzungstruppen geäußert. In einer Umfrage mehrerer Fernsehsender bezeichnete es nur einer von zehn befragten Schiiten als akzeptabel, wenn ausländische Truppen angegriffen würden. Bei den Sunniten waren es bereits drei von zehn Stimmen. Im sunnitischen Dreieck sagten sogar sieben von zehn, Attacken gegen die Besatzungstruppen seien hinnehmbar.

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