Kampf gegen den IS
Irakische Armee erobert Teile Mossuls zurück

Die Schlacht um Mossul zieht sich jetzt schon seit einiger Zeit. Nun ist es den irakischen Militärtruppen gelungen, einige Stadtteile zurückzuerobern. Doch sie haben noch einen weiten Weg vor sich.

Bartella/Ali RaschIn der Schlacht um Mossul haben irakische Elitetruppen nach Militärangaben sechs Bezirke im Osten der Großstadt eingenommen. Die Soldaten hätten die Stadtviertel Malajin, Sama, Chadra, Karkukli, Kuds und Karama von der Extremistenmiliz IS zurückerobert, teilte die Armee am Freitag mit. Sie hätten die irakische Flagge über Gebäuden gehisst. Der IS habe schwere Verluste erlitten. Ein Offizier der Spezialkräfte sagte, die IS-Kämpfer seien in Mossul nun beinahe eingekesselt. Die Extremisten versuchen nach UN-Erkenntnissen, in der Schlacht um Mossul auch Kinder einzusetzen. Sie hätten in der Ortschaft Hammam al-Alil südlich von Mossul gefordert, insbesondere Jungen ab dem Alter von neun Jahren an die Kämpfer zu übergeben, sagte eine UN-Sprecherin. Dabei handle es sich augenscheinlich um die Rekrutierung von Kindersoldaten.

Über Mossul standen schwarze Rauchsäulen. Einwohner berichteten über Telefon, IS-Kämpfer bauten Artilleriegeschütze und Raketenabschussrampen in Wohnvierteln auf. Einige wurden demnach in Bäumen versteckt, andere auf Dächern aufgestellt. Die Soldaten stießen auf heftigen Widerstand, sagte ein hochrangiger Offizier am Gefechtsstand der Elitetruppen im Dorf Bartella östlich von Mossul. Sie würden mit Autobomben angegriffen und von Heckenschützen beschossen. Ein anderer Offizier im Dorf Ali Rasch sieben Kilometer südöstlich von Mossul sagte, die Soldaten hätten sechs mit Bomben beladene Autos in die Luft gesprengt und zwei Selbstmordattentäter getötet.

Die Truppen sind inzwischen eineinhalb Kilometer tief in die Großstadt vorgestoßen. Sie haben damit aber bisher nur einen Bruchteil des Gebiets von Mossul unter ihre Kontrolle gebracht. Die zurückeroberten Viertel sind weniger dicht besiedelt als andere Bezirke vor allem am Westufer des Tigris, wo fast ausschließlich Sunniten leben. Dort könnten radikale Islamisten eher Unterschlupf finden.

Letzte IS-Hochburg im Irak

Die UN-Sprecherin sagte, die Extremisten hätten in der Region Mossul Hunderte Menschen getötet, darunter 50 Deserteure und 180 ehemalige Regierungsbeschäftigte. Etwa 1750 Menschen seien von Hammam al-Alil nach Tal Afar und Mossul gebracht worden, wo sie wohl als menschliche Schutzschilde missbraucht werden sollten. Die Extremisten hätten in Tal Afar fast 400 kurdische, schiitische und jesidische Frauen in ihrer Gewalt. Auch bei Luftangriffen sei es zu zivilen Opfern gekommen, sagte die UN-Sprecherin. Demnach kamen im Osten Mossuls vier Frauen ums Leben.

Mossul ist die letzte IS-Hochburg im Irak. IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi hatte dort 2014 ein Kalifat ausgerufen. Am Donnerstag hatte er sich mit einer Durchhaltebotschaft zu Wort gemeldet. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Offensive vor fast drei Wochen etwa 22.000 Menschen zur Flucht gezwungen. Unklar ist, wie viele Menschen vom IS als menschliche Schutzschilde von den umliegenden Dörfern in die Großstadt gebracht wurden. Die irakische Armee rückt mit Hilfe kurdischer Peschmerga-Milizionäre und vom Iran unterstützter Schiitenmilizen von mehreren Seiten auf Mossul vor und kämpft seit einigen Tagen auch in der Stadt selbst. Die Armee wird von einer internationalen Koalition unter Führung der USA mit Luftangriffen unterstützt.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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