Kampf gegen den IS
US-Truppen greifen versehentlich syrische Armee an

Nach einem missglückten Luftangriff der USA verliert die syrische Armee wichtige Stellungen an den IS. Später kann sie Teile davon zurückerobern. Für Moskau und Washington stellt sich eine neue Zerreißprobe.

BeirutKampfjets haben nach Angaben aus der syrischen Opposition erstmals seit Beginn des Waffenstillstands vor knapp einer Woche wieder die Großstadt Aleppo angegriffen. Mehrere Stadtbezirke seien getroffen worden, offenbar habe es Verletzte gegeben, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtergruppe für Menschenrechte am Sonntagnachmittag mit.

Unmittelbar zuvor hatte das russische Außenministerium erklärt, die Spannungen in Aleppo hätten zugenommen und die Rebellen würden einen groß angelegten Angriff auf syrische Regierungstruppen vorbereiten.

Die Waffenruhe steht mehr denn je auf der Kippe, seit US-geführte Kampfjets am Samstag Dutzende syrische Soldaten bei einem Luftangriff getötet hatten. Bei dem Angriff im Osten des Landes wurden am Samstag nach russischen Angaben 62 syrische Soldaten getötet und hundert weitere verletzt. Der UN-Sicherheitsrat kam auf Antrag Moskaus zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, bei der US-Botschafterin Samantha Power den Vorfall bedauerte.

Nach russischen Angaben drangen zwei F-16- und zwei A-10-Kampfflugzeuge der US-geführten Koalition vom Irak aus in den syrischen Luftraum ein. Die Jets hätten vier Angriffe gegen von der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) umzingelte Stellungen der Regierungstruppen nahe dem Flughafen von Deir Essor geflogen.

Die Zahl der getöteten syrischen Soldaten nach einem US-Luftangriff ist nach Angaben von Aktivisten auf 90 gestiegen. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag weiter berichtete, hat der Angriff nahe der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur rund 40 Minuten lang gedauert. Dabei seien verschiedene Positionen der Regierungstruppen in der Nähe eines Militärflughafens getroffen worden.

Die syrische staatliche Nachrichtenagentur Sana hatte zunächst mit Verweis auf das örtliche Militärkommando von mindestens 60 getöteten Soldaten und mehr als 100 Verletzten gesprochen.

Nach Angaben der syrischen Armee mussten sich ihre Soldaten nach den Luftangriffen zurückziehen und zwei strategisch wichtige Hügel in der Nähe des Flughafens dem IS überlassen. Am Sonntag hätten die Truppen aber eine neue Gegenoffensive gestartet „und einigen Boden zurückgewonnen“, hieß es aus Armeekreisen. Dabei seien die Soldaten durch Luftangriffe Russlands unterstützt worden.

Die Hügel nahe des Flughafens sind von strategischer Bedeutung: Sollte der IS die Kontrolle behalten, könnten die Dschihadisten alle startenden und landenden Flugzeuge von dort aus unter Beschuss nehmen. Die Stadt Deir Essor und der Flughafen sind unter Regierungskontrolle, sie werden aber seit 2012 vom IS belagert und sind auf Versorgung durch die Luft angewiesen.

Nach Angaben des Pentagons gingen die Koalitionstruppen bei den Luftangriffen davon aus, dass sie IS-Stellungen attackierten. Die Koalition habe die Luftangriffe „sofort eingestellt“, als sie von russischer Seite darüber informiert worden sei, dass sie möglicherweise auf syrisches Militär ziele. US-Botschafterin Power sagte bei der UNO in New York, es sei „nicht die Absicht“ gewesen, syrisches Militär zu treffen. Die USA bedauerten „den Verlust von Menschenleben“ und würden den Vorfall untersuchen.

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