Kampf gegen die IS-Terrormiliz
Türkei schließt selbstständige Bodenoffensive aus

Die Kurden stellen sich in Kobane dem IS entgegen. Die Türkei stellt nun klar, dass sie sich an diesem Bodenkampf nicht beteiligen wird. Doch dass die US-Luftschläge Erfolge bringen, scheint immer unwahrscheinlicher.
  • 1

Washington/MürsitpinarDie verworrene Gefechtslage im von der Terrormiliz Islamischer Staat belagerten Kobane nährt die Zweifel an der Wirksamkeit der US-geführten Offensive gegen die Dschihadisten. Zwar konnten am Mittwoch einige der IS-Kämpfer aus der nordsyrischen Stadt hinausgedrängt werden. Doch einen wirklichen Fortschritt gab es nicht.

Nun signalisiert zudem die Türkei, dass sie nicht die Absicht hat, eine Bodenoffensive zu starten. Der Außenminister Mevlut Cavusoglu sagte, das Land werde nicht allein mit Bodentruppen in den Kampf um die von der IS-Miliz bedrohte syrische Grenzstadt Kobane eingreifen.

Ein solcher Schritt sei nicht realistisch, so Cavusoglu am Donnerstag in Istanbul bei einem Besuch von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. „Wir führen Gespräche. Sobald es eine gemeinsame Entscheidung gibt, wird die Türkei nicht zögern, ihre Rolle zu spielen“, sagte der Minister. Der Nato-Generalsekretär zeigte sich wiederum gegenüber türkischer Forderung nach einer Pufferzone ablehnend: Stoltenberg sagt in Ankara, in der Allianz gebe es keine Diskussion über eine Flugverbotszone über Syrien oder eine Pufferzone zum Schutz der Flüchtlinge in dem Bürgerkriegsland.

Indes sind die IS-Kämpfer offenbar innerhalb der Grenzstadt Kobane weiter vorgedrungen. Die IS-Miliz kontrolliert nach Informationen der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als ein Drittel Kobanes. Es handele sich um den gesamten Osten der Stadt sowie kleinere Gebiete im Nordosten und Südosten, sagt der Chef der Stelle, Rami Abdulrahman. Die kurdische Stadtregierung bestritt dies. Die kurdischen Kämpfer und die IS-Miliz ringen seit Tagen um die Kontrolle der strategisch wichtigen Stadt. Die Kurden werden dabei mit Luftangriffen einer von den USA angeführten Allianz unterstützt.

Nach wie vor kontrollierten die Kurden „den größten Teil“ von Kobane, teilte das US-Militärkommando Centcom in der Nacht zum Donnerstag mit. Doch die Kurden verlieren zusehends an Boden. Daran konnte auch das US-Militär mit seinen Alliierten bisher wenig ändern.

Kommentare zu " Kampf gegen die IS-Terrormiliz: Türkei schließt selbstständige Bodenoffensive aus"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Denken die Kurden auch an Ihre Vergangenheit? Wer war am Vülkermord gegen die Armenier beteiligt?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%