Kampf gegen die PKK
Türkei rückt in Nordirak ein

Die Türkei wandelt auf schmalem Grat. Im Konflikt mit kurdischen Rebellen hat das Land zunächst Luftangriffe gegen Siedlungen im Irak. Jetzt sind türkische Truppen in den Nordirak eingedrungen. Mahnungen der EU blieben ungehört.

HB BRÜSSEL/BAGDAD. Die türkischen Streitkräfte haben nach Angaben kurdischer Sicherheitskräfte am Dienstag Soldaten in den Nordirak geschickt. Die etwa 300 Soldaten seien bis zum Morgen bis zu drei Kilometer hinter die Grenze in die Region Gali Rasch vorgerückt. Sie seien nur leicht bewaffnet. Berichte über Kämpfe gebe es nicht. Dies sagte ein Sprecher der kurdischen Sicherheitskräfte. Zudem hieß es, der Einsatz sei offenbar begrenzt und werde vermutlich nicht ausgeweitet.

Auf einer Internetseite, die politisch der Partei des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani nahe steht, hieß es dagegen, bis zu 700 türkische Soldaten seien bis zu acht Kilometer hinter die Grenze vorgedrungen. Die Regionalregierung der halbautonomen kurdischen Region im Irak verurteilte den Einmarsch. Die Türkei wolle auf diese Weise ihr Problem auf dem Terrain der irakischen Kurden austragen, sagte ein Vertreter des Präsidenten der Region, Masud Barsani. Die Türkei äußerte sich zunächst nicht.

Bereits am Wochenende hatte die Türkei Angriffe auf den Nordirak geflogen. Es war die größte türkische Luftoffensive gegen die Kurdische Arbeiterpartei (PKK) seit Jahren. Ziel waren nach Militärangaben Stellungen der PKK in der Grenzregion und in den Kandil-Bergen. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete die Angriffe als Erfolg.

Die Europäische Union hatte Ankara nach den Luftangriffen zur Mäßigung aufgerufen. Offenbar ohne Erfolg. Die irakische Regierung beschwerte sich, weil die Angriffe nicht mit ihr abgestimmt waren. „Die Türkei sollte auch weiterhin unverhältnismäßiges militärisches Handeln vermeiden“, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission gestern in Brüssel. Die EU habe aber „Verständnis für die Notwendigkeit der Türkei, die eigenen Bürger zu schützen“. Die Türkei solle sich bemühen, die Probleme mit den Kurden „auf dem Weg des Dialogs zu lösen“.

Die türkische Luftwaffe hatte für ihre Angriffe im Nordirak offenbar grünes Licht aus den USA bekommen. Die US-Regierung wollte hierzu jedoch keine Stellung nehmen. Die US-Streitkräfte im Irak hätten den Luftraum für die türkischen Kampfflugzeuge geöffnet, zitierten türkische Zeitungen Armeechef Yasar Büyükanit. Die US-Regierung stellt der Türkei seit einigen Wochen präzise Geheimdiensterkenntnisse zur Verfügung, die gezielte Angriffe auf die PKK ermöglichen sollen.

Die türkische Luftwaffe hatte im irakischen Grenzgebiet mehrere Angriffe gegen die PKK geflogen, auch gegen das mutmaßliche Hauptquartier der Untergrundorganisation. Dabei wurden fünf PKK-Kämpfer und drei Zivilisten getötet. Insgesamt seien 15 Dörfer bombardiert worden. Der Konflikt zwischen der PKK und der Türkei war eskaliert, nachdem die Kurdenorganisation im Südosten der Türkei mehrfach Soldaten bei Überfällen getötet hatte.

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