Kampf gegen die Terrormiliz
Libyen – die neue IS-Hochburg

Das Kabinett hat heute den Bundeswehreinsatz gegen den IS beschlossen – in Syrien. Doch die Terrormiliz macht sich längst in einem weiteren Krisenstaat breit: Libyen könnte das neue Terror-Drehkreuz werden.
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Rom/SirteSeit den Anschlägen von Paris wiederholt der italienische Premier Matteo Renzi wie ein Mantra seine Botschaft: Eine militärische Aktion gegen die IS macht keinen Sinn ohne eine internationale Strategie für die Zeit danach. „Die Fehler, die von der Staatengemeinschaft in Libyen gemacht wurden, sollen sich nicht wiederholen“, sagt Renzi bei jeder Gelegenheit.

Bis jetzt sah das nach vorsichtigem Abwarten und Zuschauen Italiens aus, während Deutschland Frankreich gleich Militärhilfe zusagte, und auch Großbritannien seinen Teil zur Bekämpfung des Terrors beitragen will. Am Dienstagmorgen beschloss das Kabinett die Entsendung deutscher Tornados und Tankflugzeuge nach Syrien. 1200 Soldaten sollen an dem Einsatz teilnehmen.

Das geplante Engagement der Bundeswehr ist eine Antwort Deutschlands auf die Terroranschläge von Paris vor gut zwei Wochen. Der Einsatz soll – wie bei den Mandaten für Auslandseinsätze üblich – zunächst auf ein Jahr befristet sein und 134 Millionen Euro kosten. Nach einem Kabinettsbeschluss muss noch der Bundestag zustimmen.

Doch jetzt bekommen Renzis Warnung einen neuen Sinn: Viele Anzeichen sprechen dafür, dass sich die IS-Kämpfer Libyen als neue Zentrale ausgesucht haben. Mehr als 2000 Kämpfer seien dort schon in der Region von Sirte konzentriert, schreiben „New York Times“ und „Wall Street Journal“ unter Berufung auf Geheimdienste. Da der militärische Druck der internationalen Koalition auf Rakka, die IS-Hochburg in Syrien, mit den Luftangriffen immer mehr steige, schaue „Kalif Ibrahim“, IS-Chef Abu Bakr al Baghdadi, nach einem neuen Hauptquartier außerhalb Syriens.

Von der Küstenstadt Sirte aus könnten IS-Kämpfer die Städte Misurata im Westen und Bengasi im Osten Libyens bedrohen. Reporter berichten, dass das islamische Gesetz eingeführt worden sei, die örtlichen Radios keine Musik mehr spielten, sondern nur noch Predigten verbreiteten. Zigaretten seien verboten, Frauen müssten Schleier tragen.

„Libyen ist die IS-Filiale, die uns am meisten besorgt, das ist das Drehkreuz, von dem aus sie Aktionen in ganz Nordafrika planen“, zitiert die „New York Times“ den Terrorexperten Patrick Prior. Warnungen kommen auch vom ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Er soll nach Medienberichten Erkenntnisse seiner Geheimdienste mehreren europäischen Staatschefs am Telefon weitegegeben haben. Vor allem, dass Abu Ali al-Anbari per Schiff in Sirte angekommen sei, der Stellvertreter des „Kalifen“ aus dem irakischen Anbar. Er soll nach Pentagon-Angaben bei einem britischen Drohnen-Angriff am 13. November auf die IS-Zentrale in Rakka ums Leben gekommen sein. Eine Bestätigung gab es aber nicht.
Wichtige strategische Rolle

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  • Die Terroranschläge von Paris exponieren die Unsinnigkeiten der Politik aus Berlin und Paris: Wie sollen von Bürgern aus Frankreich und Belgien begangene Terrorakte durch Bombenangriffe im Irak und ggf. in Syrien verhindert werden? Dümmer geht es nimmer! Stattdessen riskiert man sehenden Auges einen militärischen Konflikt der NATO mit Russland. Das ist völlig verantwortungslos.

  • Schätze mal, dass Ihre Beiträge hier auch vom PC generiert werden......:-)

  • Meine Güte wie paranoid muss man da bloß sein?

    Es gibt Rechtsschreibkorrekturen, die Autovorschlaege generieren.
    Jeden PC, jedes Smartphone etc. können sie individuell einstellen.
    Hauptsache eine Verschwörungstheorie hier abgeliefert, oder?
    Schreiben Sie Ihre Beiträge hier noch mit der Schreibmaschine und schicken Sie sie dann ans HB?

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