Kampf gegen Extremisten
Pakistan drängt Washington zu Gesprächen mit Taliban

In Pakistan ist erstmals seit Beginn der Armeeoffensive gegen die Taliban vor drei Monaten ein hochrangiger Anführer der islamischen Extremisten verhaftet worden. Nach diesem Erfolg hat Islamabad eine weitere Militäroperation an der afghanischen Grenze angekündigt. Doch obwohl die Regierung die Extremisten bekämpfen will, drängt sie die USA zu Gesprächen mit den Taliban.

NEU DELHI. Laut Regierung wurde am Sonntag der 74-jährige Geistliche Sufi Mohammed in Peschawar nahe der afghanischen Grenze festgenommen. Mohammed ist der Schwiegervater von Maulana Fazlullah, des Militärchefs der Taliban im Swat-Tal, das im Zentrum der Armeeoffensive stand. Mohammed hatte im Februar einen umstrittenen und bald gescheiterten Friedensvertrag mit Pakistans Regierung ausgehandelt, wonach im Swat-Tal und dem umliegenden Distrikt Malakand das streng islamische Rechtssystem der Scharia eingeführt werden sollte.

Zwar hat die Armee inzwischen weitgehend die Kontrolle in der umkämpften Region übernommen. Doch während des Vormarsches war es ihr bisher nicht gelungen, auch nur einen einzigen Anführer der Islamisten zu stellen. Das hat Pakistans Regierung wachsende Kritik aus der eigenen Bevölkerung und aus der verbündeten US-Regierung eingetragen. Deshalb will sie nun offenbar dem Eindruck entgegenwirken, sie verfolge die Talibanführung nicht mit der nötigen Entschlossenheit. Sufi Mohammed sei der Hauptverantwortliche für die Gewalt in Malakand und werde dafür zur Rechenschaft gezogen, sagte der Informationsminister der Nordwestprovinz, Mian Ifikhar Hussain.

Entgegen dem Abkommen mit der Regierung vom Februar hatten die Taliban ihre Waffen nicht niedergelegt, sondern waren weiter in Richtung der Hauptstadt Islamabad vorgedrungen. Inzwischen hat die Regierung die Offensive in Malakand, bei der nach ihren Angaben 1 700 Taliban und 170 Soldaten getötet wurden, für beendet erklärt. Von den zwei Millionen Flüchtlingen sollen aber erst 400 000 wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sein.

Nach dem Erfolg im Swat-Tal hat Pakistan eine weitere Militäroperation in Süd-Wasiristan an der afghanischen Grenze angekündigt. Dort sollen sich die Chefs der pakistanischen und afghanischen Taliban, Baitullah Mesud und Mullah Omar, aufhalten. Die USA drängen seit langem auf eine Offensive in dem halbautonomen Stammesgebiet, das als wichtigster Rückzugsraum für die in Afghanistan kämpfenden Taliban gilt. Doch trotz des gemeinsamen Ziels gibt es erhebliche Reibereien in der amerikanisch-pakistanischen Allianz. Die Regierung in Islamabad fürchtet, dass die jüngste US-Offensive in Afghanistan die Taliban über die Grenze treibt und Pakistan weiter destabilisiert. Nach Informationen der „New York Times“ will sie zwar die pakistanischen Extremisten als Staatsfeinde bekämpfen, drängt zugleich aber die USA zu Gesprächen mit den afghanischen Taliban.

Widersprüchlich ist auch Pakistans Vorgehen gegen die Drahtzieher der Terroranschläge in Bombay vom November 2008. Die Regierung hat zwar eingeräumt, dass die pakistanische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba für das Blutbad verantwortlich ist. Aber die Anklage gegen fünf Verdächtige verzögert sich immer weiter.

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